Zufällige Zitate: Ennio Morricone über seine Schachleidenschaft

“Ich glaube, Schach ist das beste Spiel, weil es eben nicht nur ein Spiel ist. Alles steht auf dem Spiel: die Regeln der Moral, des Lebens, es geht um Vorsicht und die Entschlossenheit, ohne Blutvergießen zu kämpfen, den Willen zu gewinnen und zwar korrekt – mit Talent anstelle von reinem Glück. Ja, wenn man diese kleinen hölzernen Figuren in den Händen hält, dann werden sie mächtig, denn sie absorbieren die Energie, die man bereit ist, auf sie zu übertragen. Schach ist lebendig und voller Kampf. Es ist der gewalttätigste Sport, den man sich vorstellen kann, man kann es mit Boxen vergleichen, allerdings ist es sehr viel ritterlicher und raffinierter.

Als ich die Musik für The Hateful Eight von Tarantino komponiert und das Drehbuch gelesen habe, sah ich die Spannung, die sich im Stillen zwischen den Figuren aufbaut, und das hat mich an die Gefühle erinnert, die man im Laufe einer Schachpartie entwickelt. Doch im Gegensatz zu den Filmen von Tarantino gibt es in diesem Sport kein Blutvergießen und keine körperlichen Verletzungen. Dennoch ist nichts am Schach entrückt. Ganz im Gegenteil, das Spiel wird von einer sprunghaften und stillen Spannung beherrscht. Manche sagen sogar, dass Schach lautlose Musik ist, und für mich ist Schach spielen ein bisschen wie komponieren.”

Allessandro de Rosa, Ennio Morricone Plays Chess, The Paris Review, 15. März 2019

Ennio Morricone


Ennio Morricone beim Filmfestival in Cannes 2012 | Foto: Georges Biard / CC BY-SA (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)

Ennio Morricone wurde am 10. November 1928 in Rom geboren und gilt als einer der bedeutendsten Komponisten von Filmmusik. Er hat für mehr als 500 Filme die Musik komponiert und Filme wie Zwei glorreiche Halunken, Spiel mir das Lied vom Tod oder Cinema Paradiso maßgeblich geprägt. 2007 erhielt einen Oscar für sein Lebenswerk und 2016 erhielt er einen weiteren Oscar für die Musik zum Film The Hateful Eight.

Schach lernte Morricone im Alter von elf Jahren, aber er spielt immer noch leidenschaftlich. Für die Schacholympiade 2006 in Turin komponierte er die Hymne Inno degli scacchisti und wie er selbst sagt, liest er regelmäßig Schachzeitschriften, um sich über das aktuelle Schachgeschehen in aller Welt auf dem Laufenden zu halten. Als seinen größten schachlichen Erfolg bezeichnet Morricone ein Remis in einem Simultan gegen Boris Spassky.

Trailer zu The Hateful Eight (mit kurzem Blick auf ein Schachspiel)

Siehe auch:
Pam Grier: Comeback einer Actionheldin

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