Zufällige Zitate: Vishy Anand über Talent und Arbeit

Foto: Amruta Mokal

“So wie ich es sehe, gleicht Talent … einer Pflanze. Wird es mit harter Arbeit gewässert, dann wächst es, treibt Zweige und blüht. Doch ohne Nahrung geht die Pflanze einfach ein. Mit harter Arbeit gewinnt Talent an Tiefe und Umfang und enthüllt vorher unentdeckte Fähigkeiten. Talent und harte Arbeit … ergänzen sich gegenseitig und versorgen sich gegenseitig mit Nahrung. … Talent gibt es, ohne Frage. Das ist weder Mythos noch Humbug. Talent zeigt einem, dass man für etwas geschaffen ist. Es zeigt etwas, das einem mühelos gelingt und Potenzial für eine Karriere haben könnte. Aber Talent ist nicht alles. weiterlesen

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Bobby Fischer: Mit Läufer und mit Springer stark

Das neue Karl-Heft, das im Dezember erscheint, widmet sich im Schwerpunkt den verschiedenen Facetten des Läufers. Theoretisch gelten Springer und Läufer als etwa gleich stark, aber manche Spieler bevorzugen die Läufer, andere die Springer. Große Anhänger des Läufers, vor allem des weißfeldrigen, waren Bobby Fischer und Siegbert Tarrasch und im Heft zeigt Yochanan Afek, wie gut Fischer mit den Läufern umgehen konnte. Doch stilistische Eigenheiten hin oder her: Stellungen, in denen man seinen Vorlieben ungehemmt frönen kann, sind selten und natürlich konnten Fischer und Tarrasch auch mit dem Springer etwas anfangen. Was mich an eine Partie von Fischer erinnert, die ich vor langer Zeit in Michael Steans schönem Buch Simple Chess entdeckt habe. weiterlesen

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Herzlichen Glückwunsch: Magnus Carlsen feiert Geburtstag!

Foto: Lennart Ootes

Heute, am 30. November 2019, feiert Schachweltmeister Magnus Carlsen 29. Geburtstag! Großmeister wurde er 2004, im Alter von 13, im Januar 2010 war er erstmals die Nummer 1 der Welt, seit Juli 2011 liegt er ununterbrochen auf Platz 1 der Weltrangliste und kein Spieler hat je eine höhere Elo-Zahl (2882 im Mai 2014) erzielt als Carlsen. Im Moment liegt der Weltmeister mit 2870 Punkten unangefochten weiter auf Platz 1 der Weltrangliste, 48 Punkte vor Fabiano Caruana, der Nummer 2 der Welt, und seit dem 31. Juli 2018 hat Carlsen keine Partie mit klassischer Bedenkzeit mehr verloren – 103 in Folge, die meisten davon gegen absolute Spitzenspieler, eine verblüffende Leistung. Und bei weitem nicht Carlsens einzige. Im Laufe seiner bereits langen und doch noch jungen Karriere hat das Geburtstagskind zahlreiche wunderbare Partien gespielt und das Schach enorm bereichert und beschenkt. weiterlesen

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Paul Keres und die Schacholympiade 1939 in Buenos Aires

Der junge Keres | Foto: Valter Heuer

Die Schacholympiade 1939 in Buenos Aires markiert einen tiefen Einschnitt in der Geschichte des Schachs im 20. Jahrhundert – und in den Biographien vieler ihrer Teilnehmer. Denn am 1. September 1939, als in Buenos Aires das Finalturnier der Olympiade starten sollte, begann in Europa mit dem Überfall Deutschlands auf Polen der Zweite Weltkrieg. Zum 80-jährigen Jubiläum dieser Olympiade wirft die aktuelle Karl-Ausgabe deshalb einen Blick auf dieses denkwürdige Turnier. Gewonnen hat in Buenos Aires 1939 übrigens Deutschland, das erste und einzige Mal in der Geschichte der Olympiaden, dass Deutschland Gold im Mannschaftswettbewerb gewinnen konnte. Doch allzu große Sehnsucht nach einer Rückkehr ins Vaterland hatten die Goldmedaillengewinner nicht und so blieb die gesamte deutsche Mannschaft nach der Olympiade in Argentinien. Auch für das Leben und die Schachkarriere von Paul Keres markierte die Olympiade in Buenos Aires einen tiefen Einschnitt, doch Keres’ Abschneiden bei der Olympiade wird im Heft nur am Rande erwähnt. Aus Bewunderung für Keres und Ergänzung zur aktuellen Karl-Ausgabe folgt hier deshalb eine ausführlichere Darstellung, wie es dem estnischen Beinah-Weltmeister vor, während und nach der Olympiade in Buenos Aires 1939 erging. weiterlesen

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Hübsch: Bruno Parma gegen Tigran Petrosian, Moskau 1971

Tigran Petrosian, Foto: Novosti Press, Quelle: Douglas Griffin

Douglas Griffin stammt aus Schottland, ist Schachfan, Blogger und übersetzt aus dem Russischen. Auf seinem Twitter-Account veröffentlicht er regelmäßig interessante und aufschlussreiche historische Fotos von Schachspielern. Am 28. Mai 2019 hat Griffin ein Foto von Max Blümich und Alexander Aljechin veröffentlicht, hinter dem sich eine Reihe von Geschichten verborgen haben, denen ich in einem ChessBase-Artikel nachgegangen bin. Am 29. Juli veröffentlichte Griffin wieder ein Foto (siehe links), das mich neugierig gemacht hat. weiterlesen

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Schachblindheit: Im Archiv geblättert und immer aktuell

Die Diagrammstellung links stammt aus einer Partie zwischen Alexander Grischuk und Fabiano Caruana, die im Juni 2019 in der 6. Runde des Norway Chess Turniers gespielt wurde. Es war eine Armageddon-Partie, aber die verkürzte Bedenkzeit ist keine Erklärung für das, was jetzt geschah. Grischuk, Blitzweltmeister 2006, 2012 und 2015, und zum Zeitpunkt des Turniers mit 2772 Elo die Nummer 9 der Welt, zog hier 17.Lh6??, was Schwarz nach ganz kurzem Nachdenken mit 17…Lxh6 beantwortete, woraufhin Weiß kopfschüttelnd sofort aufgab. Offensichtlich litt Grischuk unter einem kurzen Anfall von Schachblindheit und hatte vergessen, dass die Dame auf c1 den Läufer auf h6 nicht deckt, weil ein weißer Springer auf d2 steht. Eine kuriose Niederlage, aber Schachblindheit ist eine Krankheit, die Schachspieler aller Spielstärken schon seit Jahrhunderten plagt und gegen die noch kein wirklich wirksames Gegenmittel gefunden wurde. weiterlesen

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Glanzpartie und Aussenseitersieg mit Schönheitsfehler

Guten Ratschlägen zu folgen ist schwer. Ich weiß gar nicht, wie oft ich schon gehört, gelesen oder mir selbst oder anderen gepredigt habe, dass man beim Schach bis zum letzten Zug aufpassen muss. Aber trotzdem passiert es mir immer wieder, dass ich diesen klugen Rat im Vorgefühl eines nahenden Sieges ungeduldig ignoriere. Das hat mich schon zahlreiche Punkte gekostet und auch eine meiner vielleicht besten Partien verdorben. weiterlesen

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Glanzpartie eines Unbekannten: Moises Kupferstich vs Harry Andreassen

62 schöne, interessante und lehrreiche Partien präsentiert US-Autor Irving Chernev in seinem 1965 veröffentlichten Klassiker The Most Instructive Games of Chess Ever Played. Fast alle von Chernev ausgewählten Beispiele stammen von bekannten Spielern wie Tarrasch, Rubinstein, Lasker, Nimzowitsch, Capablanca, Botvinnik, Smyslov, Tal, Petrosian oder Fischer. Aus der Reihe fällt jedoch Partie Nummer 19, Moises Kupferstich gegen Harry Andreassen, gespielt bei einem Vereinsturnier in Kopenhagen 1953. Beide, Kupferstich und Andreassen, sind weitgehend unbekannt und haben in der Schachgeschichte nur wenig Spuren hinterlassen. Doch ihre einzig wirklich berühmte Partie ist immer noch sehenswert – trotz einiger kleiner Schönheitsfehler. weiterlesen

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Im Archiv geblättert: “Get Carter: Auf der Suche nach einem Bestsellerautor”

Schach lohnt sich doch. Der Preisfonds des Weltmeisterschaftskampfes zwischen Magnus Carlsen und Fabiano Caruana in London 2008 betrug eine Million Euro, und ganze 4,2 Millionen Dollar Honorar erhielt US-Autor Stephen L. Carter für seinen 2001 erschienenen Debütroman The Emperor of Ocean Park, der auf Deutsch im Jahre 2002 unter dem Titel Schachmatt erschienen ist. 4,2 Millionen Dollar sind erstaunlich viel Geld für ein schlecht geschriebenes und enttäuschend langweiliges Buch. Interessant ist allerdings, wie viel Carters Schachmetaphern über diesen missglückten Roman verraten. weiterlesen

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Tan Zhongyi: Ein hübscher Angriff in einer wichtigen Partie

Tan Zhongyi | Foto: Gu Xiaobang

Anfang April erscheint der nächste Karl, die erste Ausgabe des Jahres 2019. Im Schwerpunkt kreist alles um das schöne Thema „Attacke“. Ein Thema, das wie viele andere Schwerpunkte im Karl zeitlos oder, anders gesagt, immer aktuell ist. So gelang der Chinesin Tan Zhongyi, am 9. März – zufällig auch der Geburtstag Bobby Fischers – bei der Mannschaftsweltmeisterschaft der Frauen 2019 in Astana, Kasachstan, im wichtigen Kampf gegen Russland, die Hauptkonkurrentinnen der Chinesen, am Spitzenbrett gegen Kateryna Lagno eine schwungvolle, sehr sehenswerte Attacke. weiterlesen

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Romananfänge – Ein literarischer Adventskalender (7)

Foto: Marco Verch via flickr

Romananfang 7
Vielleicht merkt der Lehrer gar nicht, dass der Aufsatz gar nicht von meinem Vater handelt, dachte Sara. Sie hoffte jedenfalls, er werde nicht danach fragen. Denn sonst würde Mariette, das Mädchen in der Bank vor ihr, sich sofort umdrehen und anfangen zu fragen:
“Wo wohnt denn dein Vater? Warum wohnt er nicht bei euch? Wann hast du ihn das letzte Mal gesehen?”
Sara wusste dann nie, was sie antworten sollte.
Die Kinder glaubten, dass sie es nicht hörte, aber Sara merkte schon, wie sie die Köpfe zusammensteckten und tuschelten:
“Sara hat keinen Vater.”
“Saras Vater will nicht bei ihr wohnen.”

In welchem Roman, in dem ein Spiel eine große Rolle spielt, spielt Sara die Hauptrolle?

Antwort…

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Im Archiv geblättert: Die Schacholympiade Leipzig 1960

Am 6. Oktober ging in Batumi die 43. Schacholympiade zu Ende und Schacholympiaden wecken bei mir regelmäßig Erinnerungen an frühere Olympiaden. Eine ganz besondere Veranstaltung muss die 14. Schacholympiade gewesen sein, die vor 58 Jahren, vom 26. Oktober bis zum 9. November 1960, in Leipzig gespielt wurde. Spieler wie Mihail Tal, Bobby Fischer (Bild), Mikhail Botvinnik, Tigran Petrosian, Viktor Kortschnoi, Vlastimil Hort oder Paul Keres waren dabei und nach offiziellen Angaben kamen 75.364 Zuschauer ins Ringmessehaus in Leipzig, um diese und andere Schachstars zu sehen.  Zur Erinnerung an Leipzig und an diese Olympiade möchte ich hier noch einmal einen Artikel veröffentlichen, den ich vor einiger Zeit über dieses Highlight in der Geschichte der Schacholympiaden geschrieben habe. weiterlesen

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Neal Cassady: Schach und andere Leidenschaften

Neal Cassady (links) und Jack Kerouac auf dem Cover von “On the Road”

„Das Schach, manisch – er redet nicht mit mir, außer irgendwie teilnahmslos.“ Das schrieb Allen Ginsberg an Jack Kerouac über einen Besuch bei ihrem alten Freund Neal Cassady. Ginsberg und Kerouac waren führende Vertreter der Beatniks, einer kleinen Gruppe von Dichtern, Intellektuellen und Aussteigern, die sich für Jazz, Buddhismus und Literatur begeisterten und in den 1950ern und 60ern mit Drogenexperimenten und rauschhaften Reisen quer durch die USA ein neues Bewusstsein schaffen wollten. Die Gruppe war klein, aber ihr kultureller Einfluss war groß und Cassady eine ihrer zentralen Figuren. weiterlesen

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Aus aktuellem Anlass: Tigran Petrosjan als Olympiaspieler

Im Moment findet in Batumi, Georgien, die 43. Schacholympiade statt. Schacholympiaden erinnern mich immer an Tigran Petrosjan, Schachweltmeister von 1963 bis 1969. Petrosjan gilt als sehr sicherer Spieler, aber Schacholympiaden brachten eine andere Seite von ihm zum Vorschein. Er spielte aggressiver, weniger vorsichtig und seine Remisquote war deutlich niedriger als in seinen anderen Wettkämpfen und Turnieren. Bei Olympiaden zeigte er immer wieder, wie attraktiv und einfallsreich er spielen konnte. Im Karl 04/2009, dessen Schwerpunkt Petrosjan gewidmet ist, habe ich in einem Artikel einen Blick auf Petrosjans Erfolge bei Olympiaden geworfen. Aus aktuellem Anlass – der Schacholympiade in Batumi – möchte ich diese Würdigung Petrosjans hier noch einmal veröffentlichen. weiterlesen

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Eine Schachpartie mit David Foster Wallace

Foto: Steve Rhodes [CC BY 2.0]

David Foster Wallace gilt als einer der bedeutendsten zeitgenössischen amerikanischen Autoren. Wallace, der sein Leben lang unter Depressionen litt, wurde am 21. Februar 1962 geboren und beging am 12. September 2008 im Alter von 46 Jahren Selbstmord. Als sein Hauptwerk gilt der bahnbrechende Roman “Unendlicher Spaß”. Aber Wallace brillierte auch mit ungewöhnlichen Essays über unterschiedliche Themen. Einer seiner berühmtesten Essays enthält eine aufschlussreiche Schilderung einer Schachpartie. weiterlesen

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Ein bemerkenswerter Königsmarsch: Tigran Petrosian gegen Jack Peters

Manche Partien bleiben einfach im Gedächtnis. So erinnerte die Begegnung zwischen Wesley So und Vishy Anand aus der 6. Runde des Sinquefields Cup 2018 in St. Louis Live-Kommentator Maurice Ashley an eine Partie zwischen Tigran Petrosian (Foto) und dem amerikanischen Internationalen Meister Jack Peters aus dem Jahre 1976. Die Partie So gegen Anand endete mehr oder weniger unspektakulär Remis, in der Partie zwischen Petrosian und Peters kam es zu einem Königsmarsch, den man nicht so leicht vergisst. weiterlesen

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Der Tiger bleibt auf dem Berg: Der Weltmeisterschaftskampf 1961 zwischen Mihail Tal und Mikhail Botvinnik

Manche Weltmeisterschaftskämpfe erfahren in der Schachgeschichte viel Aufmerksamkeit, andere weniger. Der WM-Kampf 1960 zwischen Tal und Botvinnik wurde viel beachtet, der Revanchekampf zwischen Tal und Botvinnik 1961 sehr viel weniger. Das liegt auch daran, dass in den Augen vieler Leute der „falsche“ Spieler gewonnen hat. Mit seinem Wettkampfsieg gegen Botvinnik 1960 wurde Tal zum damals jüngsten Weltmeister aller Zeiten. Sein mutiges dynamisches Spiel begeisterte Fans in aller Welt und sein Sieg gegen Botvinnik schien ein Sieg der Phantasie gegen Logik und der Beginn einer neuen Ära zu sein. Doch nur ein Jahr später, beim Revanchewettkampf 1961, folgte die Ernüchterung: Botvinnik gewann klar mit 13 zu 8 (+10, -5, =6) und holte sich den Weltmeistertitel zurück. Allerdings fand der zweite Wettkampf unter ungleichen Bedingungen statt. weiterlesen

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Der neue „Karl“ ist da: Schwerpunkt Frankfurt

Die aktuelle Karl-Ausgabe widmet sich im Schwerpunkt dem Schach in Frankfurt. Unter anderem mit einem Rückblick auf zwei bedeutende Frankfurter Turniere, die im 19. Jahrhundert gespielt wurden: dem Westdeutschen Schachkongress 1878 und dem Frankfurter Meisterturnier von 1887. Gewonnen hat das Meisterturnier der Amerikaner Mackenzie, der nicht nur einer der stärksten Schachspieler der damaligen Zeit war, sondern auch ein bewegtes Leben führte. Er wurde 1837 in Schottland geboren und kämpfte später als Berufssoldat in Irland, Indien, Südafrika und im amerikanischen Bürgerkrieg. weiterlesen

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Im Archiv geblättert: Schach in der Literatur

Foto: David Levene

Henning Mankells Vor dem Frost und Walter Tevis’ The Queens Gambit: Zwei literarische Begegnungen

Schachspielern in der Literatur oder in Filmen zu begegnen ist nicht immer ein Vergnügen. Oft behaupten sie fünfzig Züge im Voraus berechnen zu können und 100.000 Varianten im Gedächtnis zu haben, aber kennen die Namen der von ihnen gespielten Eröffnungen nicht. In Filmen bauen sie das Brett falsch auf und nehmen die Figuren in die Hand wie ein Nichtraucher eine Zigarette. Von Lasker, Capablanca und Aljechin reden sie wie ein Philosophiestudent im ersten Semester über Heidegger und Wittgenstein. Ihre Kenntnis der Schachgeschichte endet in der Regel kurz vor dem Zweiten Weltkrieg – es sei denn, sie sprechen über Fischer. Angenehme Zeitgenossen unter ihnen gibt es kaum. Die Sensiblen sind verrückt oder werden es bald und die robusteren Naturen nutzen ihren Verstand meist zur Planung perfider Verbrechen. weiterlesen

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