Bobby Fischer: Mit Läufer und mit Springer stark

Das neue Karl-Heft, das im Dezember erscheint, widmet sich im Schwerpunkt den verschiedenen Facetten des Läufers. Theoretisch gelten Springer und Läufer als etwa gleich stark, aber manche Spieler bevorzugen die Läufer, andere die Springer. Große Anhänger des Läufers, vor allem des weißfeldrigen, waren Bobby Fischer und Siegbert Tarrasch und im Heft zeigt Yochanan Afek, wie gut Fischer mit den Läufern umgehen konnte. Doch stilistische Eigenheiten hin oder her: Stellungen, in denen man seinen Vorlieben ungehemmt frönen kann, sind selten und natürlich konnten Fischer und Tarrasch auch mit dem Springer etwas anfangen. Was mich an eine Partie von Fischer erinnert, die ich vor langer Zeit in Michael Steans schönem Buch Simple Chess entdeckt habe.

Gespielt hat Fischer sie im Turnier von Mar del Plata 1960, der Gegner war der Brasilianer Olicio Gadia, der wirklich kein schachliches Schwergewicht war und in Mar del Plata mit 4 Punkten aus 15 Partien auf dem vorletzten Platz landete.

Dominiert wurde das Turnier von Boris Spassky und Fischer, die hier ihre erste Turnierpartie gegeneinander spielten und sich am Ende mit je 13,5 aus 15 Partien Platz eins teilten. In der direkten Begegnung hatte allerdings Spassky die Nase vorn. Diese Partie ist nicht nur berühmt geworden, weil Fischer und Spassky hier zum ersten Mal aufeinander trafen, sondern auch, weil beiden späteren großen Rivalen schon in ihrer ersten Begegnung beide sehr prinzipiell und selbstbewusst gespielt haben. Fischer hatte Schwarz und verzichtete nach 1.e4 auf sein geliebten Sizilianer, um Spassky stattdessen mit 1…e5 zu einem Königsgambit einzuladen. Spassky nahm die Herausforderung an, und obwohl Fischer nach der Eröffnung gut stand, verlor er dann im Mittelspiel die Übersicht und verlor in nur 29 Zügen.

Trotz dieser bitteren Niederlage zählte Fischer diese Begegnung zu seinen 60 Denkwürdigen Partien und nahm sie in seine berühmt gewordene Partiensammlung mit diesem Titel auf.

Gegen Spassky hatte Fischer Probleme, den Rest des Feldes beherrschte er nach Belieben. Gegen David Bronstein, der am Ende auf dem dritten Platz landete, machte er Remis, die restlichen 13 Partien gewann er. Spassky verlor keine einzige Partie, aber gab drei Remis ab und so konnte Fischer die Niederlage im Königsgambit wettmachen.

Das Feld in Mar del Plata war offensichtlich nicht besonders stark und auch Fischers Partie gegen Gadia verlief einseitig. Aber mir gefällt diese Partie trotzdem, denn sie scheint mir typisch für das gradlinige Schach Fischers zu sein. In einer scharfen theoretischen Variante kommt Fischer mit Weiß bereits in der Eröffnung in Vorteil, den er dann mit einem klaren strategischen Plan ausbaut, und dabei ist es faszinierend zu sehen, wie jeder einzelne Zug von Fischer Teil des strategischen Gesamtplans von Weiß zu sein scheint. Dadurch wirkt diese Partie harmonisch, logisch und einfach. Aber nur wenigen sehr guten Spielern gelingen solche harmonischen, scheinbar einfachen Partien.

Siehe auch

error

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert