Im Web entdeckt: Unbekannte Seiten von Philip Marlowe

Humphrey Bogart in The Big Sleep © Warner Bros. (1946)

Philip Marlowe ist einer der berühmtesten Detektive der Literaturgeschichte. Sein Schöpfer Raymond Chandler gilt zusammen mit Dashiell Hammett als Begründer der Hard-boiled novels. Der Held dieser Krimis ist meist Privatdetektiv, ein Einzelgänger mit losem Mundwerk, aber festen Prinzipien. Er wird oft verprügelt, aber ist unbestechlich und seinen Klienten gegenüber immer loyal, wobei er sich allerdings viel zu oft in die falsche Frau verliebt.

Hammetts berühmtester Roman ist wahrscheinlich Der Malteser Falke, in dem Sam Spade ermittelt, Chandlers berühmtester Roman ist wohl Der große Schlaf, in dem Philip Marlowe Verbrechen bekämpft. Beide Romane wurden verfilmt und in beiden Filmen spielt Humphrey Bogart die Hauptrolle. Damit hat er dem Hard-boiled Detective ein Gesicht gegeben – aber vielleicht das falsche.

Denn wie Anthony Dean Rizzuto, Professor für Englisch an der Sonoma State University, Kalifornien, und Experte für Hard-boiled fiction, herausgefunden hat, ähnelt Marlowe im Roman The Big Sleep nicht Humphrey Bogart, sondern Cary Grant. Außerdem hatte Marlowe bei Chandler nur selten eine Pistole bei sich und machte sich gerne über die Klischees in Hard-boiled novels lustig. Das sind nur drei von Eight Things You Didn’t Know About Raymond Chandler’s The Big Sleep, die Rizzuto bei seiner Arbeit an einer kommentierten Neuausgabe von The Big Sleep entdeckt hat.

error

Jeanne Moreau (23. Januar 1928 – 31. Juli 2017)

Was für eine großartige, faszinierende und vielseitige Schauspielerin! Heute, am 31. Juli 2017, starb Jeanne Moreau in Paris im Alter von 89 Jahren. Ein kurzes, bei Arte erschienenes, Porträt lässt die Karriere der am 23. Januar in Paris geborenen Schauspielerin mit zahlreichen Ausschnitten aus ihren wichtigsten und erfolgreichsten Filmen noch einmal Revue passieren. Das Porträt ist nüchtern, beinahe spröde, umso beeindruckender wirkt Jeanne Moreau. Worum geht?s bei Jeanne Moreau? Blow Up Arte

error

Grandios: John Fords „Der Mann, der Liberty Valance erschoss“

Am Montag, den 5. Juni, 2017, zeigt Arte um 20.15 Uhr einen Klassiker des Westernfilms: John Fords Der Mann, der Liberty Valance erschoss mit John Wayne (Foto), James Stewart und Lee Marvin in den Hauptrollen. Der Schwarz-Weiß-Film aus dem Jahre 1962 läuft natürlich nicht das erste Mal im Fernsehen, aber dieses grandiose Epos über Wahrheit und Lüge beim Schreiben von Geschichte und der Konstruktion von Mythen ist immer wieder sehenswert. Weiterlesen…

error

Im Archiv geblättert: “Der ultimative Schachfilm”

Der KARL hat viele schöne Seiten. Schön ist zum Beispiel, dass viele KARL-Artikel zeitlos sind. So fiel mir vor kurzem ein altes Heft in die Hände und Erinnerungen an „Schach im Film“, dem Schwerpunkt dieses Heftes, wurden geweckt. Ich habe in der Ausgabe einen Beitrag über zwei Filme geschrieben, in denen Schach eine Rolle spielt. „Knight Moves“, ein schrecklicher Film mit Christopher Lambert in der Hauptrolle, und „Fresh“ mit Sean Nelson, meiner Ansicht nach einer der besten Filme mit dem Thema Schach überhaupt. Hier noch einmal der ganze Artikel. Zum ultimativen Schachfilm…

error

Eine erotische Schachpartie: Steve McQueen in „Thomas Crown ist nicht zu fassen“

Er war der „King of Cool“. Steve McQueens Auftreten, sein Aussehen und seine Darstellung gebrochener Helden machten ihn in den sechziger und siebziger Jahren zu einem der höchstbezahlten und beliebtesten Schauspieler Hollywoods. Auch sein Leben klingt wie ein Hollywoodfilm über den American Dream des Aufstiegs vom Tellerwäscher zum Millionär. McQueen kam aus dem, was man heute gerne „schwierige soziale Verhältnisse“ nennt. Seinen Vater, der die Familie kurz nach der Geburt des Sohnes verließ, lernte er nie kennen, und erzogen wurde er von einem Onkel, da auch die Mutter keine Lust hatte, sich um den jungen Steve zu kümmern. Als 14-jähriger kam der spätere Schauspieler in ein Heim für schwer erziehbare Kinder und nachdem er dort seinen Schulabschluss gemacht hatte, zog er als Vagabund durch die USA und Südamerika, bis er mit 17 Jahren dem US State Marine Corps beitrat. Steve McQueen als Schachspieler…

error

Faszination Fischer

Bobby Fischers Zug …Lxh2 in der ersten Partie des WM-Kampfes Spassky gegen Fischer in Reykjavik 1972 ist einer der berühmtesten Fehler der Schachgeschichte. Und er ist gefilmt worden. Fischer verlor die erste Partie und verlangte, dass die Kameras, die den ganzen Wettkampf filmen sollten, entfernt wurden. Das geschah dann auch, weitere grobe Fehler von Fischer gab es dann auch nicht zu filmen. weiterlesen

error

Fatih Akin im Gespräch

fatih_akinDer 1973 in Hamburg Altona geborene Fatih Akin (Foto: Manfred Werner, Wikipedia) ist ein wunderbarer und wunderbar vielfältiger Regisseur. Unter anderem drehte er die Hamburger Gangsterballade Kurz und schmerzlos, die beschwingt leichte Liebeskomödie Im Juli, um dann in Gegen die Wand die zerstörerischen Seiten von Liebe und Leidenschaft zu zeigen. Nicht zu vergessen der ruhige, melancholische und phantastisch komponierte Film Auf der anderen Seite, in meinen Augen ein Geniestreich und einer der besten deutschen Filme überhaupt. Am 16. Oktober 2014 kommt The Cut ins Kino, Akins neuer Film, der sich mit dem Völkermord an den Armeniern 1915 und 1916 beschäftigt. In einem ausführlichen Interview im Deutschlandfunk sprach Akin über The Cut, den Ärger, den er sich damit eingehandelt hat, warum er glaubt, im nächsten Jahr Bodyguards zu brauchen, die filmische Darstellung von Gewalt, was ihn inspiriert und wie er arbeitet.

error

Matt in wenigen Zügen

teaser_narrenmattDas kürzeste im Schach mögliche Matt ist das so genannte „Narrenmatt“: 1.g4 e6 2.f4 Dh4#. In der Turnierpraxis kommt diese Stellung selten aufs Brett, aber in der Fernsehserie Columbo spielte sie in der Folge Schach dem Mörder (deutsche Erstausstrahlung Januar 1976) eine kurze, aber wichtige Rolle. Denn als Kommissar Columbo den Schachweltmeister Emmett Clayton während einer Simultanvorstellung des Mordes an seinem Rivalen Tomlin Dudek überführte, ließ sich Clayton wenig weltmeisterlich auf diese Weise Matt setzen. Um ein kurzes Matt ging es auch in meiner Kolumne Ein Wort zum Schluss im aktuellen KARL. Auch dort kam es zu einem Versehen. Zur Kolumne…

error

Leone und Ganghofer: Thomas Willmanns „Das finstere Tal“

dasfinsteretal_coverDas finstere Tal, der Debütroman des in München lebenden Kulturjournalisten und Übersetzers Thomas Willmann, erschien 2010, die Verfilmung von Regisseur Andreas Prochaska kam im Februar 2014 in die Kinos und ist einer von sechs „abendfüllenden Spielfilmen“, die für den Deutschen Filmpreis 2014 nominiert wurden. Der wird am 9. Mai im Berliner Tempodrom verliehen und Prohachaskas Film hat gute Chancen auf den ersten Platz. Vielleicht kommt Das finstere Tal dann noch einmal in die Kinos und verleitet den einen oder die andere auch dazu, das Buch zu lesen. Und das ist großartig und spannend. Weiterlesen…

error

Fahrradspass mit Nicole Kidman: “BMX-Bandits”

Nicole Kidman 2012 (Foto: Wikipedia)

Nicole Kidman 2012 (Foto: Wikipedia)

Australien hat viele berühmte Schauspieler und Schauspielerinnen hervorgebracht, die später in Hollywood Karriere machten. Errol Flynn und Mel Gibson zählen dazu, genau wie Cate Blanchett und Nicole Kidman. Kidman ist auch die erste Australierin, die einen Oscar als „Beste Schauspielerin“ gewann – 2002 für ihre Rolle in The Hours. Ihr Kinodebüt feierte der spätere Hollywoodstar 1983 in dem Film BMX-Bandits, einem unterhaltsamen Jugendfilm mit dünnem Plot, flottem Soundtrack und viel BMX. 1989 lief der Film mit großem Erfolg in den DDR-Kinos, 2006 erschien er in Deutschland erstmals auf DVD und im März 2014 folgte eine Neuveröffentlichung auf DVD und Blu-ray. Außerdem hat eine englische Version den Weg zu youtube gefunden. Weiterlesen…

error

Zufällige Zitate: Akira Kurosawa

kurosawa_cover„Nachdem ich in einer Reihe von Filmen als erster Regieassistent für [Kajiro Yamamoto] gearbeitet hatte, übertrug er mir die Aufgabe, Drehbücher zu schreiben. Er selbst hatte ursprünglich als Drehbuchautor begonnen, und sein Talent auf diesem Gebiet war unübertrefflich. … Von da an entwickelte ich ein neues Verhältnis zur Literatur – eine Veränderung, um die ich mich sehr bewußt bemühte. Ich begann, sehr sorgfältig zu lesen; ich fragte mich, was der Autor sagen wolle und wie er es auszudrücken versuche. Ich begann beim Lesen zu denken, und ich machte mir Notizen über Passagen, die in emotionaler Hinsicht eine besondere Saite in mir anschlugen oder die ich aus irgendeinem Grunde für wichtig hielt. Wenn ich auf diese Weise Dinge las, die ich in der Vergangenheit schon einmal gelesen hatte, merkte ich, wie oberflächlich meine Lektüre früher gewesen war.“

Akira Kurosawa, So etwas wie eine Autobiographie, München: Schirmer/Mosel 1986, S.124-125.

error

Die Krimizeit Bestenliste März 2014

teaser_krimizeit_maerz_2014Drei neue Romane gibt es im März auf der Krimizeit Bestenliste, die jeden ersten Donnerstag im Monat veröffentlicht wird. Die Jury, so scheint’s, hat ein Faible fürs Düstere und Dunkle. Denn neu dabei und gleich auf Platz eins ist David Peace mit GB84. Dazu schreibt Tobias Gohlis: „Großbritannien, großer Streik. Gewerkschaft NUM und Bergarbeiter gegen Thatcher und Zechenschließung. An der Schwelle zum Bürgerkrieg wuseln Gewerkschafter, Politiker, Einpeitscher, Spitzel, Streikbrecher, Mörder. Das Ende der Kohlewelt: kolossal noir.“ Mehr über die Neueinsteiger und ihre Autoren…

error

Filmzitate: „Fack ju Göhte“

filmplakatDer erfolgreichste deutsche Film des Jahres 2013 war Fack ju Göhte. Die Komödie von Türkisch für Anfänger-Regisseur Bora Dagtekin feierte am 29. Oktober 2013 in München Premiere und hat seitdem fast sieben Millionen Besucher in die Kinos gelockt. In der Leserumfrage der renommierten Filmzeitschrift epd-Film nach dem besten deutschen Film des Jahres 2013 landete Fack ju Göhte allerdings “nur” auf Platz fünf, Platz eins ging an Die andere Heimat von Edgar Reitz.

Doch die Zeitschrift fragte nicht nur nach dem „Besten deutschen Film“, sondern auch nach „Der besten Schauspielerin“, „Dem besten Schauspieler“ oder „Dem besten ausländischen Film“ und so reizvollen Dingen wie „Größtes Ärgernis“, „Peinlichster Lieblingsfilm“ und „Bester Dialogsatz“. In dieser Kategorie strahlte die Komödie wieder in vollem Glanz und epd-Film konstatierte: „Die meisten Zitate haben unsere Leser im vergangenen Filmjahr in … Fack Ju Göhte gefunden. Sind auch fast schon in den allgemeinen Sprachgebrauch übergegangen, etwa:
‚Heul leiser, Chantal!’
‚Boah, nicht schon wieder KZ.’
‚Ganz ehrlich, Herr Müller, sind Sie geborderlined oder was, Sie Geisteskranker?’“ (epd-film, 3/2014, S.7)

Wikipedia-Eintrag “Fack ju Göhte”…
epd-Film – Aktuelles Heft…
ZEIT-Online: “Fack ju Göthe”: Eine Sprachkritik zu dem Erfolgsfilm…

error

Zufällige Zitate: John Huston über Jean-Paul Sartre

Foto: Wikipedia

Foto: Wikipedia

“Nie habe ich mit jemandem gearbeitet, der so starrsinnig und kategorisch war wie Sartre. Wenn er redete, notierte er sich sogar, was er selbst gesagt hatte. So etwas wie eine Unterhaltung gab es mit ihm nicht. Er redete ohne Unterlass, und ihn zu unterbrechen war unmöglich. Ich bin sicher, dass vieles, was er sagte, brillant war, aber es kam vor, dass ich vor Erschöpfung den Raum verließ. Das Summen seiner Stimme verfolgte mich, bis ich außer Hörweite war, und wenn ich zurückkam, hatte er nicht einmal bemerkt, dass ich weggewesen war.”

Regisseur John Huston (African Queen, Die Spur des Falken, Der Schatz der Sierra Madre, Die Toten) in seiner Autobiographie An open book über Jean-Paul Sartre. Entdeckt in Nicolaus Schröder, 50 Klassiker: Filmregisseure, Gerstenberg Verlag, 2003.

error

Kinotipps aus Leipzig

teaser_playerwebDonnerstag ist „Filmstart“, da zeigen die Kinos in Deutschland neue Filme. Ich habe in Frankfurt während meines Studiums als Filmvorführer im Berger Kino gearbeitet und seitdem hat jeder Donnerstag etwas milde Aufregendes. Später bin ich von Frankfurt nach Leipzig gezogen, da habe ich Filme nicht mehr vorgeführt, sondern nur noch angeschaut. Leipzig ist wunderbar und ich hege immer noch eine Schwäche für Dinge, die aus Leipzig kommen. Zum Beispiel für die Filmzeitschrift Player. Um zu wissen, was die Rezensenten des Players über die Filmstarts der Woche denken, muss man zum Glück nicht in Leipzig wohnen. Das erfährt man auch im Internet. Aktuelle Filmstarts…

error

Noch einmal: Pam Grier als Jackie Brown

pam_grier_as_jackie_brownEin kurzer Fernsehtipp: Am 26. Mai habe ich anlässlich des 64. Geburtstags von Pam Grier an das Comeback einer Actionheldin in Quentin Tarantinos Film Jackie Brown erinnert, der 1997 in die Kinos kam. Wie der Zufall es will, zeigt 3sat den Film jetzt noch einmal. Wer Jackie Brown und/oder Pam Grier noch nicht kennt und/oder einen unterhaltsamen Fernsehabend verbringen möchte und/oder Tarantino-Fan ist, sollte Freitag, den 28. Juni, um 22:35 den Fernseher einschalten und/oder den Film aufnehmen. Aktuelle Krimitipps (Film, Buch, etc.) gibt’s übrigens auch in der Kriminalakte, der informativen und aktuellen Webseite von Axel Bussmer.

error

Pam Grier: Comeback einer Actionheldin

filmplakatjackiebrown1992 kam Reservoir Dogs ins Kino, Quentin Tarantinos erster Film. Zwei Jahre später, 1994, veränderte Tarantino mit Pulp Fiction die Filmlandschaft, drei Jahre nach Pulp Fiction folgte 1997 Jackie Brown. Verglichen mit dem Geniestreich Pulp Fiction ist Jackie Brown ein konventioneller, gleichwohl sehr guter Krimi. Unterhaltsam, spannend, mit phantastischen Schauspielern und pointierten Dialogen, allerdings auch ein paar Minuten zu lang. Jackie Brown wurde für den Oscar nominiert, gewann einen Golden Globe und zahlreiche andere Preise. Gleich die erste Szene führt direkt ins Tarantino-Land. Ein Besuch bei Jackie Brown…

error

„The King Stay the King“: Schach in The Wire

dangelo300Über die Fernsehserie The Wire bin ich durch Zufall gestolpert, als ich die DVD-Box mit der ersten Staffel an einem Freitagnachmittag in der Nürnberger Stadtbibliothek entdeckte. Am Samstag schaute ich mir die erste Episode an. Nach der zweiten war ich süchtig. Nach den zahlreichen, vielschichtigen Charakteren, der Spannung, der verschachtelten Erzählstruktur, den Dialogen voller Tempo und Poesie, dem einzigartigen Rhythmus der Serie. The Wire enthält viele phantastische Szenen, eine hat es mir besonders angetan. Sie stammt aus der dritten Folge der ersten Staffel. weiterlesen

error