Matt in wenigen Zügen

teaser_narrenmattDas kürzeste im Schach mögliche Matt ist das so genannte „Narrenmatt“: 1.g4 e6 2.f4 Dh4#. In der Turnierpraxis kommt diese Stellung selten aufs Brett, aber in der Fernsehserie Columbo spielte sie in der Folge Schach dem Mörder (deutsche Erstausstrahlung Januar 1976) eine kurze, aber wichtige Rolle. Denn als Kommissar Columbo den Schachweltmeister Emmett Clayton während einer Simultanvorstellung des Mordes an seinem Rivalen Tomlin Dudek überführte, ließ sich Clayton wenig weltmeisterlich auf diese Weise Matt setzen. Um ein kurzes Matt ging es auch in meiner Kolumne Ein Wort zum Schluss im aktuellen KARL. Auch dort kam es zu einem Versehen.

EIN WORT ZUM SCHLUSS

1982 habe ich ein internationales Jugendturnier in Paris gespielt. Es war stark besetzt und etliche der Teilnehmer wurden später Großmeister. Einer davon war der Engländer Jonathan Levitt. Er liebte Schachprobleme und Studien, während die meisten anderen Teilnehmer des Turniers nur wissen wollten, was der Informator Neues bot. Um mit den Reiz von Problemen zu demonstrieren, stellte mir Levitt in der Mitte des Turniers eine Aufgabe: Weiß zieht 1.e4 und Schwarz setzt im vierten Zug Matt, wobei ein schwarzer Springer einen weißen Turm schlagen muss.

Mein Ehrgeiz war geweckt. Ob bei der Besichtigung von Pariser Sehenswürdigkeiten, Spaziergängen an der Seine, beim Frühstück, Mittag- oder Abendessen, immer wieder probierte ich in Gedanken neue Ideen und Kombinationen, nur um feststellen zu müssen, dass sie nicht funktionierten.

Meinem Schach tat das gut. Nachdem ich mit fünf Remis ins Turnier gestartet war, gewann ich zwei Partien hintereinander. Dann folgte ein Remis gegen den späteren Turniersieger Bogdan Lalic und in der letzten Runde traf ich schließlich auf Levitt. Nach verhaltener Eröffnung bekam ich durch ein inkorrektes Qualitätsopfer Angriffschancen. Schließlich landeten wir in einem Endspiel, in dem ich eine Qualität weniger, aber starke Freibauern hatte. Plötzlich bot Levitt mir Remis an und meinte, wenn ich annehme, würde er mir die Lösung des Problems verraten, mit dem ich mich seit Tagen beschäftigt hatte.

Ich sah keine klare Fortsetzung, meine Zeit wurde knapp, es war die letzte Runde, ich wollte nicht verlieren, also nahm ich an. Wie versprochen zeigte er mir die Lösung des Problems und ich wusste, ich hatte einen Fehler gemacht. Denn Schachprobleme löst man nicht, um Punkte zu bekommen. Vielleicht hätte ich die Lösung ja doch noch selber gewonnen. Und die Partie gewonnen.

Aus KARL, 2/2014, S.66

Leider enthält diese Kolumne einen Fehler, auf den ein aufmerksamer KARL-Leser hingewiesen hat. Denn in der von Levitt gestellten Aufgabe soll Schwarz mit weißer Hilfe nicht wie angegeben in vier, sondern in fünf Zügen Matt setzen. Ich hoffe, die vergebliche Suche nach der Lösung hat niemanden zur Verzweiflung getrieben und bitte um Verzeihung für das Versehen.

Die Lösung der Aufgabe steht unter dem folgenden Bild von Columbo-Darsteller Peter Falk, der selbst leidenschaftlicher Schachspieler war.

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Peter Falk als Columbo (Foto: Wikipedia)

Lösung der Aufgabe: 1.e4 Sf6 2.f3 Sxe4 3.De2 Sg3 4.Dxe7+ Dxe7 5.Kf2 Sxh1#

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