Immer wieder ein Vergnügen: Das „New in Chess“ Magazin

Kurz bevor das Jahr 2018 zu Ende ging, erschien die neue Ausgabe des New in Chess Magazins. Die Zeitschrift stammt aus Holland, aber ist international und wird laut Titelblatt von „Vereinsspielern in 116 Ländern“ gelesen. Sie gilt seit Jahrzehnten als eine der besten und anspruchsvollsten Schachzeitungen der Welt. Aus gutem Grund.

Auch das aktuelle Heft bietet eine schöne Mischung aus Turnierberichten, Analysen, Kommentaren und kleineren Beiträgen zu Themen rund ums Schach. Auf dem Cover hält der alte und neue Weltmeister Magnus Carlsen den Weltmeisterpokal in den Händen, den er nach seinem Sieg im WM-Kampf im November 2018 gegen Fabiano Caruana zwei weitere Jahre behalten darf. Richtig glückt wirkt Carlsen allerdings nicht und auch den Pokal fasst er eher zaghaft an.


New in Chess, 2018#8

Dem WM-Kampf widmet sich das Heft ausführlich, unter anderem erläutert der englische GM Matthew Sadler, was das Schachprogramm AlphaZero vom Spiel Carlsens und Caruanas hält, und Nigel Short erklärt, was man am WM-Modus ändern muss, um 12 Remispartien in Folge zu vermeiden.

In Erwin l’Amis Bericht über das Spitzenturnier im chinesischen Shenzhen verrät Maxime Vachier-Lagrave – oder, wenn man es familiärer mag/will, MVL – wie er die beeindruckende Serie von Ding Liren, der in 100 Partien auf höchstem Niveau in Folge ohne Niederlage geblieben war (ein, wie Vachier-Lagrave in bemerkenswerter Nüchternheit feststellt, „remarkable achievement), in Shenzhen beendet hat.

Unter dem treffenden Titel „So happy together“ erzählt Adhiban Baskaran vom Doppelerfolg von Radoslaw Wojtaszek und Alina Kashlinskaya beim Isle of Man Open, dem wohl stärksten Open des Jahres 2018. Wojtaszek und Kashlinskaya sind verheiratet und Wojtaszek gewann auf der Isle of Man das Open, Kashlinskaya den Frauenpreis.

Außerdem gibt es Kolumnen von Judit Polgar, Hans Ree, Maxim Dlugy oder Maxim Notkin sowie die immer inspirierenden Buchbesprechungen von Matthew Sadler, der dieses Mal vor allem vom ersten Band der auf drei Bände konzipierten von Michael Negele und Richard Forster herausgegebenen großen Lasker-Biographie begeistert war.

Doch so schön diese Berichte und Kolumnen auch sind, besonders reizvoll finde ich im New in Chess Magazin immer die kleinen Beiträge und Glossen, die sich den kulturellen Aspekten des Schachs widmen. So erfährt man im neuen Heft, dass im nächsten Jahr ein Film über Paul Morphy in die Kinos bzw. auf DVD kommt – Titel: The Opera Game: What Matters Is Your Next Move, weitere Informationen bietet die Webseite theoperagamemovie.com. Oder dass der US-amerikanische Schauspieler George C. Scott, der 1970 als General Patton im Film Patton und 1964 in Stanley Kubricks Dr. Seltsam und wie ich lernte, die Bombe zu lieben, ein begeisterter Schachspieler war, der nicht nur mit Kubrick, sondern auch mit Paul Newman oder Marlon Brando am Brett gesessen hat. Und man wird man an den selbstbewussten Auftritt von US-Großmeister und Kommentator Maurice Ashley in der Tonight Show erinnert, einer in den US sehr populären, ebenso kritischen wie inhaltlich niveauvollen Unterhaltungsshow.

Maurice Ashley in der Tonight Show mit Trevor Noah

All das macht New in Chess tatsächlich zu einer der besten Schachzeitungen der Welt. Und das aktuelle Heft zu einem Lesevergnügen und einem guten Start in das neue (Schach-)Jahr!

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