Grandios: John Fords „Der Mann, der Liberty Valance erschoss“

Am Montag, den 5. Juni, 2017, zeigt Arte um 20.15 Uhr einen Klassiker des Westernfilms: John Fords Der Mann, der Liberty Valance erschoss mit John Wayne (Foto), James Stewart und Lee Marvin in den Hauptrollen. Der Schwarz-Weiß-Film aus dem Jahre 1962 läuft natürlich nicht das erste Mal im Fernsehen, aber dieses grandiose Epos über Wahrheit und Lüge beim Schreiben von Geschichte und der Konstruktion von Mythen ist immer wieder sehenswert.

Der Film beginnt damit, wie der einflussreiche und angesehene Senator Ransom Stoddard (James Stewart) in das kleine Dorf Shinbone kommt, um seinen alten Bekannten Tom Doniphan (John Wayne) zu beerdigen.

In Shinbone hat Stoddard seine Karriere als Anwalt begonnen und die Grundlage seiner politischen Karriere gelegt. Entscheidend war dabei sein Kampf gegen den Banditen Liberty Valance (Lee Marvin), der die ganze Gegend tyrannisierte. Stoddard wollte Valance vor Gericht stellen, anklagen und mit juristischen Mitteln unschädlich machen.


Lee Marvin als Liberty Valance

Doch der Sheriff von Shinbone ist gegen die brutale Gewalt von Liberty Valance hilflos und so kommt es am Ende zum Duell zwischen dem idealistischen Anwalt, der auf das Gesetzbuch pocht, und dem Verbrecher, der nur an das Recht des Stärkeren glaubt.

Stoddard ist ein Mann des Wortes und kann kaum schießen, aber dennoch zieht der Bandit in diesem Duell den Kürzeren – und das verhilft Stoddard, der als „Der Mann, der Liberty Valance erschoss“ berühmt wird, zu einer steilen politischen Karriere.


James Stewart als junger Anwalt Ransom Stoddard, der sich auf ein Duell gegen Liberty Valance vorbereitet (Screenshot).

Als der Senator wieder in dem Ort ist, wo seine Karriere begann, drängt ihn die Lokalzeitung, die Geschichte, wie er als junger idealistischer Anwalt den Verbrecher zur Strecke gebracht hat, noch einmal zu erzählen – und damit beginnt die eigentliche Handlung des Films.

Dabei präsentiert Ford das in vielen Western erprobte Ensemble einer ganzen Reihe typischer Figuren: den ängstlichen Sheriff, den versoffenen Journalisten, die resolute Restaurantbesitzerin, den souveränen Revolverhelden, den idealistischen Anwalt und die junge Schönheit, in die sich der Held verliebt. Doch es ist bemerkenswert, wie Ford mit diesen genretypischen Figuren ein vielschichtiges Epos schafft, das sich mit grundsätzlichen Fragen von Gut und Böse, Recht und Unrecht, Macht und Ohnmacht, Gewalt, Idealismus und der Verantwortung des Einzelnen beschäftigt. Das zentrale Thema ist dabei ist die Mythenbildung, die Entstehung von „Wahrheit“ und das Schreiben von Geschichte.

Bemerkenswert ist auch, wie widersprüchlich die beiden Helden der Geschichte, Stoddard und Donovan, dargestellt sind. So kann man den heldenhaften Idealismus, mit dem der junge Anwalt Stoddard für Recht und Gesetz kämpft, natürlich bewundern, aber zugleich wirken sein Fanatismus und seine Naivität befremdend. Und auch der eigentliche Held der Geschichte, Tom Doniphan wirkt ambivalent. Er kann schießen und kämpfen wie kein Zweiter, lässt sich nichts gefallen und hat vor niemandem Angst, aber im Leben scheitert er dann doch, vor allem, weil er Angst hat, der Frau, die er liebt, seine Liebe zu gestehen.

Es sind souverän erzählte und dargestellte Ambivalenzen wie diese, die Der Mann, der Liberty Valance erschoss wunderbar vielschichtig und zu einem Klassiker der Filmgeschichte machen.

Der nachfolgende Ausschnitt (aus dem englischen Original), in der die Grundmotive des gesamten Films anklingen, zeigt die wohl berühmteste Szene dieses Klassikers.

Der Trailer bei Arte (deutsch)

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