Zufällige Zitate: Julian Barnes „Am Fenster“

„Literatur erklärt und erweitert das Leben mehr als jede andere schriftliche Form. Natürlich erklärt auch die Biologie das Leben, ebenso die Biografie, die Biochemie, Biophysik, Biomechanik und Biopsychologie. Aber sämtliche Biowissenschaften müssen hinter der Bioliteratur zurücktreten. Romane erzählen uns die reine Wahrheit über das Leben: was es ist, wie wir es leben, wozu es da sein könnte, wie wir es genießen und was es uns wert ist, wie es uns misslingt und wie wir es verlieren. Romane sprechen zu und aus dem Verstand, dem Herzen, dem Auge, den Genitalien, der Haut; zu und aus dem Bewussten und Unterbewussten. Was es bedeutet, ein Individuum zu sein, was es heißt, Teil einer Gesellschaft zu sein. Was es heißt, allein zu sein. … Literatur lässt Figuren, die es nie gegeben hat, so real sein wie gute Freunde und tote Schriftsteller so lebendig wie einen Nachrichtensprecher im Fernsehen. … Wir sind, im tiefsten Inneren, erzählende Wesen und immer auf der Suche nach Antworten. Die beste Literatur liefert nur selten Antworten, aber sie formuliert die Frage ganz ausgezeichnet.“

Diese Liebeserklärung an die Literatur machte der englische Schriftsteller Julian Barnes im Vorwort seines 2016 erschienenen Buches Am Fenster: Siebzehn Essays und eine Short Story, einer Sammlung schöner und origineller Betrachtungen über Bücher, Autoren und das Schreiben.

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