Glanzpartie und Aussenseitersieg mit Schönheitsfehler

Guten Ratschlägen zu folgen ist schwer. Ich weiß gar nicht, wie oft ich schon gehört, gelesen oder mir selbst oder anderen gepredigt habe, dass man beim Schach bis zum letzten Zug aufpassen muss. Aber trotzdem passiert es mir immer wieder, dass ich diesen klugen Rat im Vorgefühl eines nahenden Sieges ungeduldig ignoriere. Das hat mich schon zahlreiche Punkte gekostet und auch eine meiner vielleicht besten Partien verdorben.

Das war eine Schnellpartie, die ich 1990 gegen Gerald Hertneck gespielt habe, in den 80er und 90er Jahre einer der besten deutschen Spieler und mehrfach Mitglied der deutschen Nationalmannschaft.

Hertneck war immer Amateur, er arbeitet bei der Münchener Stadtverwaltung, spielt für MSA Zugzwang München in der Ersten und Zweiten Bundesliga und fördert seinen Verein auch sonst engagiert. Mit einer Elo-Zahl von 2495 (Stand Juni 2019) liegt Hertneck aktuell auf Platz 46 der deutschen Rangliste und kommentiert als origineller und unterhaltsamer Kolumnist in lesenswerten Beiträgen auch immer wieder das aktuelle Schachgeschehen oder erinnert sich an die zahlreichen Höhepunkte seiner Schachkarriere. Außerdem ist Hertneck Mitbegründer der Münchener Schachakademie und der Münchener Schachstiftung sowie ein starker Shogi-Spieler.

Im Januar 1994 war Hertneck mit einer Elo-Zahl von 2615 die Nummer 50 der Welt, aber als wir gegeneinander gespielt haben, hatte er mit einer Elo-Zahl von 2555 zwar schon Großmeisterstärke, doch verliehen wurde ihm der Titel erst ein Jahr später, 1991. Ich hatte damals eine Elo-Zahl von 2325 Punkten und war in der Partie also klarer Außenseiter. Außerdem hatte ich Schwarz und so gesehen lief die Eröffnung gut für mich, denn in einem Königsinder kam es zu einer Stellung, in der die strategischen Pläne beider Seiten eindeutig waren und in der es vor allem darauf ankam, taktische Chancen zu nutzen.

Wikipedia-Eintrag zu Gerald Hertneck

2 Antworten auf Glanzpartie und Aussenseitersieg mit Schönheitsfehler

  1. Thomas Kalemegdanovic sagt:

    Sehr schön gespielt und sehr bescheiden präsentiert.

    Es ist nur, wenn wir davon ausgehen dass im Schach bei beiderseits immer bester Zugwahl die Frage ist “Gewinnt Weiß oder hält Schwarz Remis?”, dann muss Weiß irgendwo den besten Zug verpasst haben.

    Aber wo?

    Fragt Thomas

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