Partie des Monats – April 2018: Richard Rapport gegen Vincent Keymer

Vincent Keymer (Foto: André Schulz)

Im April wurden eine Reihe interessanter Partien gespielt, dafür sorgten die Bundesliga-Endrunde und das insgesamt allerdings dann doch recht friedliche Gashimov Memorial in Shamkir. Doch eine Partie war im letzten Monat ganz besonders bemerkenswert: Richard Rapport gegen Vincent Keymer, gespielt am 2. April 2018, in der letzten Runde des Grenke Opens in Karlsruhe. Der erst 13-jährige Keymer gewann diese Partie und damit auch das Grenke Open, das größte offene Turnier Europas. 15.000 Euro Preisgeld und eine GM-Norm gab es außerdem. weiterlesen

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Der neue “Karl” ist da – Schwerpunkt: Tassilo von Heydebrand und der Lasa & Adolf Anderssen

Der erste Karl des Jahres 2018 wirft einen Blick zurück und beschäftigt sich im Schwerpunkt mit Adolf Anderssen und Tassilo von Heydebrand und von der Lasa, zwei wichtigen Persönlichkeiten der deutschen Schachgeschichte. Anderssen (6. Juli 1818 bis 13. März 1879) ist der bekanntere der beiden. Er gewann 1851 in London das erste internationale Schachturnier überhaupt und war jahrelang einer der besten Spieler der Welt. weiterlesen

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Sergei Dolmatovs „Chess in the Style of Jazz“

Louis Armstrong

Als Schachtrainer war Mark Dworetski (9. Dezember 1947 – 26. September 2016) eine Legende. Er machte Talente zu Großmeistern, Großmeister zu starken Großmeistern und starke Großmeister zu Spitzenspielern. Seine Trainingsmethoden verriet Dworetski in einer ganzen Reihe von Büchern mit Aufsätzen zu diversen Aspekten des Schachs – Endspiel, Mittelspiel, Eröffnung, Angriff, Verteidigung, positionelles Spiel, usw., usw.. Weiterlesen…

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Denkwürdige Partien: Donald Byrne gegen Bobby Fischer, New York 1956

Kurz vor Weihnachten erschien der neue KARL, die vierte und letzte Ausgabe des Jahres 2017, Schwerpunkt „Denkwürdige Partien“. Das Cover zeigt eine Fotocollage mit dem Partieformular einer der berühmtesten Partien der Schachgeschichte: Donald Byrne gegen Bobby Fischer, gespielt am 17. Oktober 1956 im Marshall Chess Club in New York, in Runde 8 des Lessing Rosenwald Gedenkturniers. Bobby Fischer war damals 13 Jahre alt und diese Partie machte ihn auf einen Schlag berühmt. Auch über 60 Jahre später wirkt sie noch frisch und eindrucksvoll. Zur Partie…

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Partie des Monats: November 2017, Bai Jinshi – Ding Liren

Ding Liren (Foto: Alina l’Ami)

Eine der schönsten und spektakulärsten Schachpartien der letzten Jahre wurde am 4. November 2017 in der Chinesischen Liga, dem so genannten Yingmei Cup, gespielt. Chinas Nummer eins, Ding Liren, der sich kurz zuvor beim World Cup als erster Chinese in der Geschichte des Schachs für das Kandidatenturnier 2018 in Berlin qualifiziert hatte, spielte mit Schwarz gegen Bai Jinshi, einen 1999 geborenen jungen chinesischen Großmeister, der Anfang des Jahres das Open in Groningen gewonnen hatte. Bai Jinshi behandelte die Eröffnung selbstbewusst und provokant, doch Ding Liren konterte mit einem Damenopfer im 15. Zug. Dieses Damenopfer war der Auftakt zu einer Reihe inspirierter Angriffszüge und weiterer Opfer, mit denen der weiße König über das halbe Brett gejagt und schließlich Matt gesetzt wurde. Zur Partie…

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Zufällige Zitate: Boris Spasski über Paul Keres

„Gulliver im Lande Lilliput: das war Paul Keres im sowjetischen Schach. Er war den anderen haushoch überlegen, einfach ganz anders als die sowjetischen Spieler. … Sowjetmenschen bewegten sich ja meist wie Schafherden mit gesenkten Köpfen hinter einem Anführer her. Paul war unser Anführer. Wenn er im Ausland war, in der so genannten kapitalistischen Welt, machte er ein ganz anderes Gesicht als in der Sowjetunion. Er war unser Dolmetscher und ein wandelndes Lexikon der Flugverbindungen, denn das war sein Hobby. weiterlesen

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Das Königsgambit: Die Visitenkarte des Schachromantikers

Kaum eine andere Schacheröffnung steht so für romantisches Schach wie das Königsgambit. Gleich im zweiten Zug schwächt Weiß seine eigene Königsstellung, um sich auf den schwarzen König zu stürzen. Doch den modernen Meistern ist das zu hastig und riskant. Sie spielen lieber langfristig und vorsichtiger und deshalb ist das Königsgambit in Top-Turnieren heutzutage ein seltener Gast. Doch wenn es gespielt wird, sorgt das für Aufregung, denn das Königsgambit ist mehr als nur eine Eröffnung – es steht für die Schachromantik vergangener Epochen, für die Sehnsucht nach Partien voll kühner Opfer und wilder Königsangriffe. Kein Wunder, dass David Bronstein eine Schwäche für das Königsgambit hatte. weiterlesen

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Hart umkämpft: Der Wettkampf Euwe gegen Keres

Zweikämpfe zwischen Spitzenspielern sind nicht immer unterhaltsam, oft führt das hohe Niveau zu vielen Remis. Doch beim Wettkampf zwischen Max Euwe und Paul Keres 1939/1940 war das anders. Keres und Euwe gehörten damals zu den besten Spielern der Welt, aber schenkten sich nichts und suchten in fast allen Partien den offenen Schlagabtausch. Das senkte die Remisquote: 14 Partien wurden im Wettkampf gespielt, 3 endeten Remis, 11 wurden entschieden. Am Ende gewann Keres mit 7,5:6,5. weiterlesen

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Eine Feuersbrunst für einen Raub ausnutzen: Strategem Nr. 5

Peter Suhr, Bild des großen Brands in Hamburg 1842

Die 36 Strategeme aus dem alten China versprechen Erfolg, Wohlstand und Glück, aber Ethik und Moral spielen beim Erreichen dieser Ziele keine Rolle. Besonders deutlich macht das Strategem Nr. 5, „Eine Feuersbrunst für einen Raub ausnutzen“. Nimmt man dieses Strategem wörtlich, muss man sich nur vorstellen, was man von jemandem hält, der bei einem Brand plündert. Im übertragenen Sinne empfiehlt dieses Strategem jedoch Verwirrung, Durcheinander und Schwäche des Gegners energisch zum eigenen Vorteil zu nutzen. Im Geschäftsleben kann das eine feindliche Übernahme eines angeschlagenen Unternehmens sein oder das Ausnutzen von Krisen, um Profit zu machen. Im Leben ist das rücksichtslos angewandte Strategem Nr. 5 moralisch oft bedenklich und nicht nach jedermanns Geschmack, doch auf dem Schachbrett ist ein solches Vorgehen eine bewährte, beliebte und gute Strategie. Weiterlesen…

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Carlsen kann auch kreativ

Manchmal kann Magnus Carlsen (Foto: © Lennart Ootes) einem fast Leid tun. Im Juni 2010 war der 1990 geborene Norweger erstmals die Nummer eins der Schachwelt, als jüngster Spieler aller Zeiten. Seit Juli 2011 führt Carlsen die Weltrangliste ohne Unterbrechung an, 2013 wurde er Weltmeister, seitdem hat er den Titel zwei Mal verteidigt. Aber Kritiker finden immer wieder ein Haar in der Suppe. Weiterlesen…

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Optimismus ist besser: Angriffsschach mit Baskaran Adhiban

Optimisten, so glauben Glücksforscher, können Rückschläge besser verkraften als Pessimisten. Wenn etwas schiefgeht, nimmt der Pessimist das gerne persönlich und sieht seine Weltsicht bestätigt, während der Optimist Pleiten, Pech und Pannen für Ausnahmen und unglückliche Zufälle hält und weiter an all die Möglichkeiten glaubt, die die Zukunft bietet. Zuviel Optimismus kann im Schach zu Leichtsinn führen und schädlich sein, aber gesunder Optimismus hilft. Ein gutes Beispiel dafür lieferte der indische Großmeister Baskaran Adhiban beim Tata Steel Turnier 2017 in Wijk aan Zee. Weiterlesen…

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Rudolf Spielmann: Lebensgeschichte als Zeitgeschichte

Er war klein, dick, Zeit seines Lebens Junggeselle, trank gern Bier, kam aus Wien und gehörte mehrere Jahrzehnte zu den besten Schachspielern der Welt. Er fiel weder durch Eskapaden noch Verrücktheit auf, spielte weit über hundert Turniere und mehr als fünfzig Wettkämpfe, aber nie um die Weltmeisterschaft. Rudolf Spielmann war ein ganz normaler Spitzenspieler. Geboren wurde er am 5. Mai 1883 in Wien. Der Geburtstag des Wiener Meisters ist ein guter Anlass, erneut einen Blick in Michael Ehns Rudolf Spielmann: Porträt eines Schachmeisters in Texten und Partien (Koblenz: H.-W. Fink, 1996) zu werfen. Der Band enthält Aufsätze und Partien von Spielmann sowie einen ausführlichen biographischen Teil mit Erinnerungen an den österreichischen Großmeister. Sie zeigen, wie die Lebensgeschichte des Schachspielers Spielmann die Geschichte seiner Zeit widerspiegelt. weiterlesen

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André Schulz online

André Schulz ist seit 1998 verantwortlicher Redakteur der deutschen ChessBase-Seite und hat nach eigenen Angaben „über 16.000 Artikel, News-Beiträge, Turnierberichte, etc.“ im Internet veröffentlicht. Auf seiner eigenen Webseite präsentiert er sein Großes Buch der Schach-Weltmeisterschaften, das im November 2015 bei New in Chess erschienen ist, Fotos, die ihn mit Spielern wie Vishy Anand, Garry Kasparov, Vladimir Kramnik und anderen Prominenten zeigen, und eine Auswahl von Artikeln, die er über die Jahre bei Spiegel Online, bei ChessBase oder im ChessBase Magazin veröffentlicht hat. Ich arbeite seit Jahren mit André zusammen und bewundere sein umfangreiches Schachwissen und seine Leidenschaft für Geschichte und Kultur des Spiels. Die Artikelauswahl auf seiner Webseite spiegelt beides. Neben Turnierberichten stehen dort unter anderem Nachrufe auf Bobby Fischer und Paul Keres, Biographien über Robert Hübner und Mark Taimanov, Artikel über Schach und Literatur (“Ronan Bennett in Bildern”, “Patricia Highsmith”) aber auch Berichte über Schach und Fußball oder Schachpolitik. Stöbern lohnt!

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Im Archiv geblättert: “Der ultimative Schachfilm”

Der KARL hat viele schöne Seiten. Schön ist zum Beispiel, dass viele KARL-Artikel zeitlos sind. So fiel mir vor kurzem ein altes Heft in die Hände und Erinnerungen an „Schach im Film“, dem Schwerpunkt dieses Heftes, wurden geweckt. Ich habe in der Ausgabe einen Beitrag über zwei Filme geschrieben, in denen Schach eine Rolle spielt. „Knight Moves“, ein schrecklicher Film mit Christopher Lambert in der Hauptrolle, und „Fresh“ mit Sean Nelson, meiner Ansicht nach einer der besten Filme mit dem Thema Schach überhaupt. Hier noch einmal der ganze Artikel. Zum ultimativen Schachfilm…

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Den Tiger vom Berg in die Ebene locken: Strategem Nr. 15

Das moderne Leben ist unübersichtlich, Lebensratgeber haben Konjunktur. Sie verraten – oder versprechen das – wie man das Leben und die Liebe vereinfacht, den richtigen Partner oder die richtige Partnerin findet, Kinder erzieht, Freunde gewinnt, Millionär und glücklich wird oder, bescheidener, einfach nur Wege aus der Krise findet. Lebensratgeber im alten China waren die 36 Strategeme, die lange Zeit allerdings nur einem kleinen Kreis von Leuten zugänglich war. Diese 36 Strategeme geben universelle Tipps, um in allen Lebenslagen Erfolg zu haben. Auch Schachspielern können sie helfen. weiterlesen

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Eine erotische Schachpartie: Steve McQueen in „Thomas Crown ist nicht zu fassen“

Er war der „King of Cool“. Steve McQueens Auftreten, sein Aussehen und seine Darstellung gebrochener Helden machten ihn in den sechziger und siebziger Jahren zu einem der höchstbezahlten und beliebtesten Schauspieler Hollywoods. Auch sein Leben klingt wie ein Hollywoodfilm über den American Dream des Aufstiegs vom Tellerwäscher zum Millionär. McQueen kam aus dem, was man heute gerne „schwierige soziale Verhältnisse“ nennt. Seinen Vater, der die Familie kurz nach der Geburt des Sohnes verließ, lernte er nie kennen, und erzogen wurde er von einem Onkel, da auch die Mutter keine Lust hatte, sich um den jungen Steve zu kümmern. Als 14-jähriger kam der spätere Schauspieler in ein Heim für schwer erziehbare Kinder und nachdem er dort seinen Schulabschluss gemacht hatte, zog er als Vagabund durch die USA und Südamerika, bis er mit 17 Jahren dem US State Marine Corps beitrat. Steve McQueen als Schachspieler…

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Partie des Monats: Juli 2016

teaserIn der Weltrangliste vom 1. Juli 2016 lag Magnus Carlsen 43 Elo-Punkte vor Vladimir Kramnik, der Nummer zwei der Welt. Beim Grand Slam Masters, das vom 13. bis 23. Juli in Bilbao stattfand, zeigte Carlsen, warum er mit Abstand die klare Nummer eins der Welt ist. Außer Carlsen gingen Sergey Karjakin, Hikaru Nakamura, Anish Giri, Wesley So und Wei Yi in Bilbao an den Start. Karjakin spielt im November gegen Carlsen um die Weltmeisterschaft, den vier anderen traut man durchaus zu, irgendwann einmal um die Weltmeisterschaft zu spielen. Zehn Runden standen in Bilbao auf dem Programm, Jeder spielte zwei Mal gegen Jeden. Carlsen startete mit einer Niederlage gegen Hikaru Nakamura, aber gewann am Ende mit vier Siegen, fünf Remis und einer Niederlage mit 6,5 aus 10 doch noch deutlich – und spielte eine gute Partie nach der anderen. Weiterlesen…

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Partie des Monats: Mai 2016

kramnik_teaserAuf der Weltrangliste vom 1. Juni 2016 liegt Vladimir Kramnik mit einer Elo-Zahl von 2812 Punkten auf Platz zwei hinter Magnus Carlsen. Auch im März, zu Beginn des Kandidatenturniers in Moskau, war der Ex-Weltmeister die Nummer zwei, da allerdings hatte er elf Punkte weniger. Beim Kandidatenturnier durfte er dennoch nicht teilnehmen, denn sein Elo-Schnitt vom 1. Januar bis 31. Dezember 2015 war schlechter als der von Anish Giri und Veselin Topalov. Das ist schade, denn mit Kramnik wäre das phantastische Kandidatenturnier vielleicht noch besser gewesen. Das zumindest legt sein Auftritt bei den Russischen Mannschaftsmeisterschaften nahe, die Anfang Mai in Sotschi stattfanden. Zur Partie…

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Partie des Monats: April 2016

diagram_teaserDer April war aufregend: Weltmeister Magnus Carlsen kehrte endlich vor der eigenen Haustür und gewann in Norwegen nach drei vergeblichen Anläufen eins der besten Turniere des Jahres, die US-Meisterschaften waren so stark besetzt wie nie zuvor, und Garry Kasparov zeigte dem Nachwuchs in St. Louis, wie gut er immer noch blitzt und warum Schottisch gar nicht so schlecht ist. Schöne Partien gab’s auch. Weiterlesen…

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Partie des Monats: März 2016

caruana_teaserHier fällt die Wahl nicht schwer. Für mich ist die Partie des Monats März die Begegnung zwischen Fabiano Caruana und Sergey Karjakin in der Schlussrunde des Kandidatenturniers in Moskau. Der April hat zwar gerade erst begonnen, aber dies ist mit Sicherheit eine der wichtigsten Partien des Jahres. Denn sie entschied über den Sieg im Kandidatenturnier und darüber, wer im November gegen Magnus Carlsen in New York um die Weltmeisterschaft spielt. Außerdem zeigten beide Seiten unter hohem Druck hochklassiges und kämpferisches Schach. Zur Partie…

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