Partie des Monats: Juli 2016

teaserIn der Weltrangliste vom 1. Juli 2016 lag Magnus Carlsen 43 Elo-Punkte vor Vladimir Kramnik, der Nummer zwei der Welt. Beim Grand Slam Masters, das vom 13. bis 23. Juli in Bilbao stattfand, zeigte Carlsen, warum er mit Abstand die klare Nummer eins der Welt ist. Außer Carlsen gingen Sergey Karjakin, Hikaru Nakamura, Anish Giri, Wesley So und Wei Yi in Bilbao an den Start. Karjakin spielt im November gegen Carlsen um die Weltmeisterschaft, den vier anderen traut man durchaus zu, irgendwann einmal um die Weltmeisterschaft zu spielen. Zehn Runden standen in Bilbao auf dem Programm, Jeder spielte zwei Mal gegen Jeden. Carlsen startete mit einer Niederlage gegen Hikaru Nakamura, aber gewann am Ende mit vier Siegen, fünf Remis und einer Niederlage mit 6,5 aus 10 doch noch deutlich – und spielte eine gute Partie nach der anderen.

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So siegen Sieger aus – zumindest in Bilbao (Foto: Turnierseite Bilbao)

Doch auch für den Weltmeister scheint aller Anfang schwer zu sein. In Runde eins gegen Nakamura spielte Carlsen überambitioniert und wurde ausgekontert. Für Nakamura war es der erste Sieg gegen Carlsen in einer Partie mit klassischer Bedenkzeit.

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Hikaru Nakamura (Foto: Turnierseite Bilbao)

In Runde zwei gewann Carlsen mit Schwarz gegen Wei Yi, in Runde drei kam es zum ersten Teil der Generalprobe des kommenden Weltmeisterschaftskampfs zwischen Karjakin und Carlsen. Glaubt man dem Sprichwort „Je schlechter die Generalprobe, desto besser die Premiere“, dann sollte man schnell viel Geld auf Karjakins Sieg im WM-Kampf setzen.

Carlsen spielte mit Weiß, aber war nach einer zurückhaltenden Eröffnung zu Beginn des Mittelspiels vor allem damit beschäftigt, die schwarzen Drohungen am Damenflügel zu neutralisieren. Dann griff er an. Er aktivierte die Dame, rückte den g-Bauern vor, öffnete die schwarze Königsstellung und gewann im Angriff. Karjakin, der schon oft bewiesen hat, wie zäh und einfallsreich er verteidigt, wirkte hilflos.

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Pressekonferenz nach der Partie (Foto: Turnierseite Bilbao)

Doch die für mich bemerkenswerteste Partie in Bilbao – und damit auch die Partie des Monats im Juli 2016 – gelang Carlsen in Runde vier gegen Wesley So. Carlsen hatte Weiß, doch es schien So zu sein, der das Tempo machte. Doch als Carlsen die wenigen schwarzen Drohungen pariert und seine Springer in Stellung gebracht hatte, brach die schwarze Stellung unerwartet schnell zusammen.

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Magnus Carlsen: Immer wieder verblüffend gut (Foto: Turnierseite Bilbao)

Partien wie diese gegen Karjakin und So, in denen Carlsen in der Eröffnung auf theoretische Duelle verzichtet und sich damit begnügt, eine akzeptable Stellung im Mittelspiel zu bekommen, um dann seine Gegner zu überspielen, vermitteln den Eindruck, als sei Carlsen seinen Konkurrenten stets mindestens einen Schritt voraus, als würde er die Nuancen der jeweiligen Stellung regelmäßig besser verstehen und die Möglichkeiten der Figuren besser begreifen als seine Gegner – und das waren in Bilbao immerhin einige der besten Spieler und größten Talente unserer Zeit.

Siehe auch

Partie des Monats: Januar 2016

Partie des Monats: März 2016

Partie des Monats: April 2016

Partie des Monats: Mai 2016

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