Partie des Monats: November 2017, Bai Jinshi – Ding Liren

Ding Liren (Foto: Alina l’Ami)

Eine der schönsten und spektakulärsten Schachpartien der letzten Jahre wurde am 4. November 2017 in der Chinesischen Liga, dem so genannten Yingmei Cup, gespielt. Chinas Nummer eins, Ding Liren, der sich kurz zuvor beim World Cup als erster Chinese in der Geschichte des Schachs für das Kandidatenturnier 2018 in Berlin qualifiziert hatte, spielte mit Schwarz gegen Bai Jinshi, einen 1999 geborenen jungen chinesischen Großmeister, der Anfang des Jahres das Open in Groningen gewonnen hatte. Bai Jinshi behandelte die Eröffnung selbstbewusst und provokant, doch Ding Liren konterte mit einem Damenopfer im 15. Zug. Dieses Damenopfer war der Auftakt zu einer Reihe inspirierter Angriffszüge und weiterer Opfer, mit denen der weiße König über das halbe Brett gejagt und schließlich Matt gesetzt wurde.

Natürlich hat Ding Liren phantastisch gespielt, aber solche spektakulären Partien sind meist nur möglich, wenn auch der Gegner stark und prinzipiell spielt. Das hat Bai Jinshi in dieser Partie getan. Von Beginn an zeigte er gegen die chinesische Nummer eins weder Angst noch zu großen Respekt. In einer Variante des Nimzo-Inders entschied er sich früh für einen zweischneidigen, unorthodoxen Zug, um Schwarz unter Druck zu setzen, und spielte auch danach konsequent und kompromisslos – und zwang Ding Liren so dazu, sein bestes Schach zu zeigen. Das führte zu einer absoluten Glanzpartie.

Eine Antwort auf Partie des Monats: November 2017, Bai Jinshi – Ding Liren

  1. Gerhard sagt:

    Hyperagressive Partie.
    Im absoluten Spitzenschach aber kommt es auf andere Dinge an.

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