Romananfänge – Ein literarischer Adventskalender (7)

Foto: Marco Verch via flickr

Romananfang 7
Vielleicht merkt der Lehrer gar nicht, dass der Aufsatz gar nicht von meinem Vater handelt, dachte Sara. Sie hoffte jedenfalls, er werde nicht danach fragen. Denn sonst würde Mariette, das Mädchen in der Bank vor ihr, sich sofort umdrehen und anfangen zu fragen:
“Wo wohnt denn dein Vater? Warum wohnt er nicht bei euch? Wann hast du ihn das letzte Mal gesehen?”
Sara wusste dann nie, was sie antworten sollte.
Die Kinder glaubten, dass sie es nicht hörte, aber Sara merkte schon, wie sie die Köpfe zusammensteckten und tuschelten:
“Sara hat keinen Vater.”
“Saras Vater will nicht bei ihr wohnen.”

In welchem Roman, in dem ein Spiel eine große Rolle spielt, spielt Sara die Hauptrolle? Romanfang 7 – Esmé Lammers, Lang lebe die Königin

So beginnt der Roman Lang lebe die Königin der holländischen Autorin Esmé Lammers, eigentlich ein Buch für Kinder und Jugendliche, aber zugleich eine der schönsten Erzählungen über Schach, die ich je gelesen habe. Ja, ich kenne keinen Roman, der den eigenartigen Zauber des Schachspiels so gut einfängt wie Lang lebe die Königin.

Hauptfigur des Buches ist die 8-jährige Sara, die bei ihrer Mutter und ihrem Großvater wohnt, ihren Vater kennt sie nicht. Wie der Anfang des Romans zeigt, leidet sie darunter, und der Anfang des Romans zeigt auch, dass Sara in der Schule Probleme hat, mit ihren Mitschülerinnen und mit dem Lehrstoff. Doch eines Tages kauft sie ein altes, schönes und geheimnisvolles Schachspiel und stellt schnell fest, dass sie mit den Figuren sprechen kann. Sie wird Teil des Spiels – und schon bald wird in ihrem Leben alles besser.

Esmé Lammers, Lang lebe die Königin, Verlag Freies Geistesleben 2004, aus dem Niederländischen übersetzt von Beate und Arnica Esterl, mit Illustrationen von Annemarie vonHaeringen.

Die holländische Originalausgabe erschien 1997 unter dem Titel Lang leve de Koningin im Uitgeverij Leopold Verlag in Amsterdam und basiert auf dem gleichnamigen Film, den Esmé Lammers 1995 gedreht hatte. Das Buch war Max Euwe gewidmet, Esmé Lammers Großvater und früher einer der stärksten Schachspieler der Welt.

Euwe war von 1935 bis 1937 Schachweltmeister und von 1970 bis 1978 Präsident des Weltschachverbands FIDE. Er schrieb er im Laufe seiner Karriere zahlreiche erfolgreiche Lehrbücher, die viel für die Verbreitung des Schachs getan haben, aber blieb bei all seinen Erfolgen im Schach doch Zeit seines Lebens Amateur. Er arbeitete zunächst als Mathematiklehrer, später dann als Professor für Kybernetik. Verheiratet war er mit Carolina E. Bergmann, das Paar hatte drei Kinder.

Siehe auch:

Zurück zur Webseite – zu weiteren Romananfängen…

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.