Zufällige Zitate: „Flaubert und moderne Erzählung“

Gustave_Flaubert„Romanautoren sollten Flaubert danken wie Dichter dem Frühling: mit ihm fängt alles wieder an. Tatsächlich gibt es eine Zeit vor Flaubert und eine Zeit nach ihm. Flaubert bestimmte maßgeblich, was die meisten Leserinnen und Autoren unter moderner realistischer Erzählung verstehen, und sein Einfluss ist fast zu vertraut, um ihn noch zu bemerken. Bei guter Prosa bemerken wir selten, dass sie das vielsagende und brillante Detail mag; dass sie ein hohes Maß visueller Erkenntnis bevorzugt; dass sie eine unsentimentale Fassung bewahrt und weiß, wann sie sich, wie ein guter Diener, überflüssiger Kommentare enthalten muss; dass sie gut und schlecht neutral bewertet; dass sie nach der Wahrheit sucht, auch auf die Gefahr hin uns abzustoßen; und dass der Fingerabdruck des Autors bei all dem paradoxerweise Spuren hinterlässt, aber nicht sichtbar ist. Manches davon kann man bei Defoe, Austen oder Balzac finden, aber vor Flaubert nicht all das.“

Das schreibt der amerikanische Literaturkritiker, Essayist und Autor James Wood auf Seite 32 seines 2009 veröffentlichten Buches How Fiction Works, einer brillanten Analyse grundlegender Fragen und Techniken von Erzählungen und Literatur. Die deutsche Version dieses Buches erschien 2011 unter dem Titel Die Kunst des Erzählens.

Siehe auch, „Zur Erinnerung an Gustave Flaubert“, Mario Vargas Llosas Liebeserklärung an Madame Bovary.

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