Romananfänge – Ein literarischer Adventskalender (19)

Romananfang 19
Im Sommer 1972, kurz vor meinem neunten Geburtstag, begann das Unheil in ganz China an die Türen zu klopfen.
Meine Eltern waren Ärzte im Städtischen Krankenhaus Nr. 4. Es galt als das beste Krankenhaus in Wuhan, einer großen Stadt in Zentralchina. Mein Vater war Chirurg. Meine Mutter Ärztin der Traditionellen chinesischen Medizin, das heißt, sie behandelte ihre Patienten mit homöopathischen Mitteln wie Kräutermedizin und Akupunkturnadeln. Wenn meine Puppen krank wurden, behandelte ich sie mit Bonbons.

Wer beschreibt hier das Schicksal eines Kindes im China von 1972? Und in welchem Buch?

Zur Antwort…

Romananfänge – Ein literarischer Adventskalender (18)

Romananfang 18
Im Wohnzimmer meiner Großmutter stand ein kleines Schränkchen mit einer Glastür, und in dem Schränkchen befand sich ein Stück Haut. Es war nur ein winziges Stück, aber dick und ledrig, mit Strähnen borstigen rötlichen Haars. Es war mit einer rostigen Nadel an einer Postkarte befestigt. Auf der Postkarte standen in verblaßter schwarzer Tinte ein paar Worte, aber ich war noch klein und konnte noch nicht lesen.
„Was ist das?“
„Ein Stück von einem Brontosaurus.“
Meine Mutter kannte die Namen von zwei prähistorischen Tieren, den Brontosaurus und den Mammut. Daß es kein Mammut war, wußte sie. Mammuts kamen aus Sibirien.
Der Brontosaurus, so wurde mir erzählt, war ein Tier, das bei der Sintflut ertrunken war, weil es zu groß gewesen war, um auf der Arche Noah Platz zu finden.

Wer erinnert sich hier an Gegenstände aus seiner Kindheit, an die sich unendlich viele Geschichten verknüpfen? Und welcher Roman beginnt mit diesen Erinnerungen?

Zur Antwort…

Romananfänge – Ein literarischer Adventskalender (17)

Herbstmorgen, Foto: Roger Smith via flickr

Romananfang 17
Die kleine Rutherford wurde seit acht Tagen vermisst, als Larry Ott bei seiner Rückkehr nach Hause feststellte, dass ihn dort ein Monster erwartete.
In der Nacht zuvor hatte es über weiten Teilen des Südostens gestürmt: in den Nachrichten Sturzfluten, abgeknickte Bäume und Bilder von zerlegten Wohnwagen. Larry, einundvierzig und ledig, lebte allein im ländlichen Mississippi, im Haus seiner Eltern, das jetzt sein Haus war, obwohl er es nicht über sich brachte, es so zu sehen. Er benahm sich eher wie ein Kurator, hielt die Zimmer sauber, beantwortete die Post und bezahlte Rechnungen, schaltete abends zu den richtigen Zeiten den Fernseher ein, lächelte mit der Lachkonserve, aß zu dem, was die Sender ihm präsentierten, sein McDonald’s oder Kentucky Fried Chicken, während der Tag sich aus den Bäumen über das Feld verströmte und die Nacht herabsank, immer anders, immer gleich.

Wer erzählt hier vom Süden der USA, von Eltern-Kind Beziehungen, Einsamkeit und vermissten Mädchen? Und in welchem Roman?

Zur Antwort…

Romananfänge – Ein literarischer Adventskalender (16)

Foto: Nat Tung via flickr

Romananfang 16
Tom blickte zurück; er sah den Mann aus dem Green Cage treten und eilig ausschreiten. Tom ging schneller. Der Mann folgte ihm, soviel stand fest. Tom hatte ihn vor fünf Minuten bemerkt, als er ihn von einem anderen Tisch aus vorsichtig beäugte, als wäre er sich nicht ganz sicher, aber fast. Das „fast“ genügte Tom; er hatte sein Glas geleert, gezahlt und das Lokal verlassen.
An der Ecke beugte Tom sich vor und trabte über die Fifth Avenue. Raoul’s – sollte er es darauf ankommen lassen und sich dort etwas zu trinken bestellen? Das Schicksal herausfordern und so weiter? Oder sollte er sich Richtung Park Avenue verdrücken und versuchen, den Mann in einer dunklen Einfahrt abzuschütteln. Tom ging in das Raoul’s.

Wer fordert hier – und später – das Schicksal heraus, um es sich gut gehen zu lassen? Und in welchem Roman? Und wer hat ihn geschrieben?

Hier gibt’s die Antwort…

Romananfänge – Ein literarischer Adventskalender (15)

Foto: Bababiew;hdsjkhvose, via flickr

Romananfang 15
Die seltsame zweite Heirat des Archie Jones
Früh am Morgen, Ende des Jahrhunderts, Cricklewood Broadway. Um 06.27 Uhr am 1. Januar 1975. Alfred Archibald Jones trug Kord, saß in einem abgasgefüllten Cavalier Musketeer Estate, den Kopf ans Lenkrad gelehnt, und hoffte, dass das göttliche Gericht nicht zu hart mit ihm umgehen würde. Er lag in einer demütigen Kreuzigungshaltung nach vorn geneigt, der Unterkiefer schlaff, die Arme ausgebreitet wie ein gefallener Engel; in den Fäusten hielt er seine Armeeorden (links) und seine Heiratsurkunde (rechts), denn er hatte beschlossen, diese Irrtümer mitzunehmen. Ein kleines grünes Lämpchen blinkte ihm ins Auge, kündigte ein Rechtsabbiegen an, das er, wie er entschieden hatte, in diesem Leben nicht mehr vornehmen würde. Er war fest dazu entschlossen. Er war dazu bereit. Er hatte eine Münze geworfen und blieb nun standhaft bei ihrer Entscheidung. Der Selbstmord war beschlossene Sache. Tatsächlich war er ein Vorsatz zum neuen Jahr.
Aber noch während seine Atmung unregelmäßig wurde und seine Sicht schwächer, war Archie klar, dass der Cricklewood Broadway eine seltsame Wahl war.

Kaum zu glauben, aber dieses Buch, das mit einem Selbstmordversuch beginnt, ist sehr lustig und heiter. Wie heißt es und wer hat es geschrieben?

Antwort…

Romananfänge – Ein literarischer Adventskalender (14)

Romananfang 14
In Stockholm, in einer ganz gewöhnlichen Straße, in einem ganz gewöhnlichen Haus, wohnt eine ganz gewöhnliche Familie und die heißt Svantesson. Dazu gehören ein ganz gewöhnlicher Papa und eine ganz gewöhnliche Mama und drei ganz gewöhnliche Kinder, Birger, Betty und Lillebror.
„Ich bin überhaupt kein gewöhnlicher Lillebror“, sagt Lillebror.
Aber das stimmt nicht. Er ist wirklich ein ganz gewöhnlicher Junge. Es gibt so viele Jungen, die sieben Jahre alt sind und blaue Augen haben und eine Stupsnase und ungewaschene Ohren und Hosen, die über den Knien ständig kaputt sind. Lillebror ist also ein ganz und gar gewöhnlicher Junge, das steht fest.

Wahrscheinlich eine kinderleichte Frage: In welchem Buch spielt der hier vorgestellte Lillebror nicht die Haupt- aber die wichtigste Nebenrolle? Und wer hat es geschrieben?

Die Antwort auf diese Fragen – und die Erklärung, warum ich dieses Buch so phantastisch finde – gibt es hier…

Romananfänge – Ein literarischer Adventskalender (13)

Foto: Joy Banerjee via flickr

Romananfang 13
Okwonkwo war weithin bekannt in den neun Dörfern, und noch darüber hinaus. Sein Ruhm gründete auf handfesten eigenen Verdiensten. Als junger Mann von achtzehn Jahren hatte er seinem Dorf Ehre bereitet, als er Amalinze, die Katze, umwarf. Der große Ringer Amalinze war sieben lange Jahre, von Umuofia bis Mbaino, unbesiegt geblieben. Man nannte ihn die Katze, weil sein Rücken nie die Erde berührte. Diesen Mann bezwang Okwonko in einem Kampf, wie es nach Meinung der Alten seit jenem Tag, an dem der Gründer ihres Dorfs sieben Tage und sieben Nächte mit einem Buschgeist rang, einen härteren kaum gegeben hatte.

Dieser Romananfang führt nach Afrika. Welcher Roman beginnt so und wer hat ihn geschrieben?
Zur Antwort…

Romananfänge – Ein literarischer Adventskalender (12)

Bild: cutemosaic via flickr

Romananfang 12
Es ist eine allgemein anerkannte Wahrheit, daß ein Junggeselle im Besitz eines schönen Vermögens nichts dringender braucht als eine Frau.
Wie wenig man auch von den Gefühlen oder Aussichten eines solchen Mannes wissen mag, wenn er zum ersten Mal in einer Gegend auftaucht – diese Grundwahrheit ist in den Köpfen der dort lebenden Familien so fest verankert, daß man ihn bereits als das rechtmäßige Eigentum der einen oder anderen Tochter betrachtet.

Welcher bekannte Roman beginnt mit diesem berühmten, oft zitierten, Anfangssatz? Und wer hat ihn geschrieben?
Die Antwort – und mehr – erfährt man hier…

Romananfänge – Ein literarischer Adventskalender (11)

Romananfang 11
John Franklin war schon zehn Jahre alt und noch immer so langsam, daß er keinen Ball fangen konnte. Er hielt für die anderen die Schnur. Vom tiefsten Ast des Baums reichte sie herüber bis in seine emporgestreckte Hand. Er hielt sie so gut wie der Baum, er senkte den Arm nicht vor dem Ende des Spiels. Als Schnurhalter war er geeignet wie kein anderes Kind in Spilsby oder sogar in Lincolnshire. Aus dem Fenster des Rathauses sah der Schreiber herüber. Sein Blick schien anerkennend.
Vielleicht war in ganz England keiner, der eine Stunde und länger nur stehen und eine Schnur halten konnte. Er stand so ruhig wie ein Grabkreuz, ragte wie ein Denkmal.

Welcher Roman fängt so an? Und wer hat ihn geschrieben?
Das erfährt man hier…

Romananfänge – Ein literarischer Adventskalender (10)

Bild: Evanherk via Wikimedia

Romananfang 10
ERSTER TAG
Eine Famulatur besteht ja nicht nur aus dem Zuschauen bei komplizierten Darmoperationen, aus Bauchfellaufschneiden, Lungenflügelzuklammern und Fußabsägen, sie besteht wirklich nicht nur aus Totenaugenzudrücken und aus Kinderherausziehen in die Welt. Eine Famulatur ist nicht nur das: abgesägte ganze und halbe Beine und Arme über die Schulter in den Emailkübel werfen. Auch besteht sie nicht aus dem ständig hinter dem Primarius und dem Assistenten und dem Assistenten des Assistenten Dahertrotteln, aus dem Schwanzdasein der Visite. Aus dem Vorspiegeln falscher Tatsachen kann eine Famulatur auch nicht bestehen, nicht aus dem, daß ich sage: “Der Eiter wird sich ganz einfach in ihrem Blut auflösen, und Sie sind wieder gesund.” Und aus hunderterlei anderen Lügen. Nicht nur daraus, dass ich sage: Es wird schon!” – wo nichts mehr wird. Eine Famulatur ist ja nicht nur eine Lehrstelle für Aufschneiden und Zunähen, für Abbinden und Aushalten. Eine Famulatur muß auch mit außerfleischlichen Tatsachen und Möglichkeiten rechnen.

Wessen Sound ist hier zu hören? Und in welchem Roman? Zur Antwort…

Romananfänge – Ein literarischer Adventskalender (9)

Weihnachtsgebäck

Romananfang 9
„Was ist das – Was – ist das…“
„Je, den Düwel ook, c’est la question, ma très chère demoiselle!“
Die Konsulin …, neben ihrer Schwiegermutter auf dem geradlinigen, weiß lackierten und mit einem goldenen Löwenkopf verzierten Sofa, dessen Polster hellgelb überzogen waren, warf einen Blick auf ihren Gatten, der in einem Armsessel bei ihr saß, und kam ihrer kleinen Tochter zu Hilfe, die der Großvater am Fenster auf den Knien hielt. „Tony!“ sagte sie, „ich glaube, daß mich Gott“ – Und die kleine Antonie, achtjährig und zartgebaut, in einem Kleidchen aus ganz leichter changierender Seide, den hübschen Blondkopf ein wenig vom Gesichte des Großvaters abgewandt, blickte aus ihren graublauen Augen angestrengt nachdenkend und ohne etwas zu sehen ins Zimmer hinein, wiederholte noch einmal: „Was ist das.“

Nach Ausflügen in die Welt des Schachs und in die Zeit der australischen Strafgefangenen dieses Mal wieder ein Klassiker. Welcher (sehr) bekannte deutsche Roman fängt mit dieser Familienszene an und wer hat ihn geschrieben?

Mehr über einen Klassiker…

Romananfänge – Ein literarischer Adventskalender (8)

Bild: Wikipedia

Romananfang 8
Fast ein ganzes Jahr lang hatte die Alexander sich mit ihrer Sträflingsfracht durch die Wellen des Ozeans gekämpft, jetzt war sie am Ende der Welt angekommen. Es gab kein Schloss an der Tür der Hütte, in der William Thornhill, deportiert im Jahre des Herrn 1806 für die Dauer seines natürlichen Lebens, seine erste Nacht in der Strafkolonie Seiner Majestät in Neusüdwales verbrachte. Genau genommen gab es auch nichts, das die Bezeichnung Tür oder Wand verdient hätte, nur ein Geflecht aus Stöcken und Lehm und vor der Türöffnung einen Lappen aus Baumrinde. Schlösser, Türen, Wände, das alles wurde hier nicht gebraucht. In diesem Gefängnis bestanden die Gitter aus Tausenden und Abertausenden Meilen Wasser.

Klar, hier geht es um australische Geschichte und die Zeit Australiens als englische Strafkolonie. Aber welcher Roman beschreibt das Schicksal des Strafgefangenen William Thornhill? Und wer hat ihn geschrieben? Die Antwort und ein paar Informationen zu australischer Geschichte…

Romananfänge – Ein literarischer Adventskalender (7)

Foto: Marco Verch via flickr

Romananfang 7
Vielleicht merkt der Lehrer gar nicht, dass der Aufsatz gar nicht von meinem Vater handelt, dachte Sara. Sie hoffte jedenfalls, er werde nicht danach fragen. Denn sonst würde Mariette, das Mädchen in der Bank vor ihr, sich sofort umdrehen und anfangen zu fragen:
“Wo wohnt denn dein Vater? Warum wohnt er nicht bei euch? Wann hast du ihn das letzte Mal gesehen?”
Sara wusste dann nie, was sie antworten sollte.
Die Kinder glaubten, dass sie es nicht hörte, aber Sara merkte schon, wie sie die Köpfe zusammensteckten und tuschelten:
“Sara hat keinen Vater.”
“Saras Vater will nicht bei ihr wohnen.”

In welchem Roman, in dem ein Spiel eine große Rolle spielt, spielt Sara die Hauptrolle? Die Antwort gibt es hier…

Romananfänge – Ein literarischer Adventskalender (6)

Foto: Etienne Valois via flickr

Romananfang 6
Friedensrichter Trelawney, Doktor Livesey und die anderen Herren, die an unseren Abenteuern teilnahmen, haben mich damit beauftragt, die ganze Geschichte … aufzuzeichnen, mit allen Einzelheiten, und nichts geheimzuhalten …. So ergreife ich denn im Jahre des Heils 17.. die Feder und wandere im Geiste bis zu einer Zeit zurück, da mein Vater noch Wirt in der Schenke „Zum Admiral Benbow“ war und der braungebrannte alte Seemann mit der Säbelnarbe auf der Backe zu uns kam, um sich unter unserem Dache anzusiedeln.
Ich sehe ihn noch vor mir, als wäre es gestern gewesen, wie er schweren Schrittes auf die Schenkentür zuschaukelte, seine Seemannskiste auf einem Schiebkarren hinter sich: ein hochgewachsener, starker, schwerer, nußbraun gebrannter Mann: Sein Seemannszopf – Schweineschwanz nennen ihn die Wasserratten – baumelte ihm über die Schulter auf den fleckigen blauen Rock herab; seine Hände waren rissig und narbig, mit schwarzen, brüchigen Nägeln; und die Säbelnarbe auf seiner Backe leuchtete in einem schmutzigfahlen Weiß.

Ein Klassiker – aber welcher? Und wer hat ihn geschrieben? Die Antwort – und mehr – gibt es hier…

Romananfänge – Ein literarischer Adventskalender (5)

Der Bahnhof von Antwerpen, Foto: Tuxyso via Wikimedia Commons

Romananfang 5
In der zweiten Hälfte der sechziger Jahre bin ich, teilweise zu Studienzwecken, teilweise aus anderen, mir selber nicht recht erfindlichen Gründen, von England aus wiederholt nach Belgien gefahren, manchmal bloß für ein, zwei Tage, manchmal für mehrere Wochen. Auf einer dieser belgischen Exkursionen, die mich immer, wie es mir schien, sehr weit in die Fremde führten, kam ich auch, an einem strahlenden Frühsommertag, in die mir bis dahin nur dem Namen nach bekannte Stadt Antwerpen. Gleich bei der Ankunft, als der Zug über das zu beiden Seiten mit sonderbaren Spitztürmchen bestückte Viadukt langsam in die dunkle Bahnhofshalle hineinrollte, war ich ergriffen worden von einem Gefühl des Unwohlseins, das sich dann während der gesamten damals von mir in Belgien zugebrachten Zeit nicht mehr legte.

Wer schreibt solche Sätze? Und in welchem Roman?

Zur Antwort…

Romananfänge – Ein literarischer Adventskalender (4)

Foto: Mark Hougard Jensen via Flickr

Romananfang 4
Du schickst dich an, den neuen Roman [Romantitel] von [Name] zu lesen. Entspanne dich. Sammle dich. Schieb jeden anderen Gedanken beiseite. Laß deine Umwelt im ungewissen verschwimmen. Mach lieber die Tür zu, drüben läuft immer das Fernsehen. Sag es den anderen gleich: „Nein, ich will nicht fernsehen!“ Heb die Stimme, sonst hören sie’s nicht: „Ich lese! Ich will nicht gestört werden!“ Vielleicht haben sie’s nicht gehört bei all dem Krach; sag’s noch lauter, schrei: „Ich fange gerade an, den neuen Roman von [Name] zu lesen!“ Oder sag’s auch nicht, wenn du nicht willst; hoffentlich lassen sie dich in Ruhe.

Wer lädt hier nachdrücklich, aber umständlich zum Lesen ein? Und in welchem Roman? Die Antwort – und ein bisschen mehr – gibt es hier…

Romananfänge – Ein literarischer Adventskalender (3)

Foto: Günter Weber via flickr

Romananfang 3
Meyruis, Lozère, 26. Juni 1977. Warm, bewölkter Himmel. Ich nehme meine Sachen aus dem Auto und setze mein Fahrrad zusammen. Von Straßencafés aus schauen Touristen und Einwohner zu. Nicht-Rennfahrer. Die Leere in ihrem Leben schockiert mich.
Der Ort voller Autos mit Geweihen aus Rädern und Rahmen. Ein paar Teilnehmer fahren bereits herum. Lächeln, grüßen. Es sind Unbekannte darunter. Klasse? Versager? Gute Fahrer haben charakteristische Köpfe und schlechte Fahrer haben charakteristische Köpfe – aber das gilt nur für Fahrer, die man schon kennt.
Ich hole in einer Kneipe meine Rückennummer ab, schüttle auf dem Rückweg eine Hand.
„In Form?“
„Das wird sich beim Rennen zeigen.“
„Haha, ja.“

Wer will sich hier aufs Fahrrad schwingen? Und in welchem Roman?

Die Antwort – und ein bisschen mehr – gibt es hier…

Romananfänge – Ein literarischer Adventskalender (2)

Bild: Amy Ross via Flickr

Romananfang 2
Prolog
Die Aufführung
Nahaufnahme von Ariel mit blauer Badekappe und verspiegelter Skibrille, die untere Hälfte seines Gesichts ist blau geschminkt. Er trägt einen mit Marienkäfern, Bienen und Schmetterlingen bedruckten transparenten Plastikregenmantel. Hinter seiner linken Schulter ein merkwürdiger Schatten. Er lacht lautlos, deutet mit der rechten Hand, die in einem blauen Gummihandschuh steckt, nach oben. Zuckende Blitze, Donnergrollen.

Stimmen aus dem Off: Wir wollen beten!
Bootsmann: Was sagst du da?
Stimmen aus dem Off: Wir sinken! Wir saufen ab!
Wir seh’n den König nimmer wieder!
Ab ins Wasser, auf ans Ufer!

Ariel wirft den Kopf in den Nacken und lacht. In jeder seiner blauen Gummihände hält er eine starke, blinkende Taschenlampe.
Der Bildschirm wird schwarz.

Der so begonnene Roman handelt von einem berühmten Theaterstück. Wie heißt das Theaterstück, wie heißt der Roman und wer hat ihn geschrieben? Antwort und mehr…

Romananfänge – Ein literarischer Adventskalender (1)

Pierre Auguste Renoir, Lesendes Mädchen

Romananfang 1
Am 15. September 1840, gegen sechs Uhr früh, lag die „Stadt Montereau“ fahrbereit am Quai Saint-Bernard. Dicke Rauchwolken entwälzten sich ihrem Schlot.
Passagiere liefen in überstürzter Hast. Fässer, Taue, Reisekörbe versperrten den Durchgang. Die Schiffsmannschaft gab niemandem Auskunft. Man wurde herumgestoßen. Die Frachtkisten schwebten zwischen den beiden Radkästen, und das Gepolter ward übertönt vom Zischen des Dampfes, der durch Ventile von Eisenblech sich Luft machte und alles in weißgrauen Neben hüllte. Dazu läutete unaufhörlich vorn am Bug die Glocke.
Endlich schwankte das Schiff; und die Ufer mit ihrer Speichern, Werften und Fabriken begannen wie breite Bänder, die aufgerollt werden, vorüberzuziehen.
Ein junger Mann von achtzehn Jahren, der das Haar lang trug und unter seinen Arm ein Skizzenbuch geschoben hatte, stand, ohne sich zu regen, in der Nähe des Steuerrades. Durch die Schleier des Morgendunstes blickte er auf die Kirchtürme und Gebäude, deren Namen er nicht kannte. Er umfaßte ein letztes Mal die Ile Saint-Louis, die Cité und Notre Dame. Nun sah er mit einem tiefen Seufzer Paris entschwinden.
Wer schrieb hier über eine Abreise aus Paris – und Literaturgeschichte?

Die Antwort gibt es hier…

Romananfänge – Ein literarischer Adventskalender (Einleitung)

Romananfänge umgarnen, verblüffen, überraschen, unterhalten, amüsieren und laden ein zu einem Spiel der Phantasie. Sie wecken Neugier und wollen, dass man weiter liest, bis die Geschichte, die gerade anfängt, zu Ende erzählt ist. Die Autorin oder der Autor stellt sich vor, präsentiert Themen und schafft Atmosphäre. Romananfänge faszinieren mich und deshalb möchte ich hier auf dem Blog während der Adventszeit, vom 1. bis zum 24. Dezember, Tag für Tag einen Romananfang vorstellen. Ohne gleich etwas über Autorin oder Autor, Titel und Erscheinungsjahr zu verraten. Die 24 Romane, deren Anfänge hier vorgestellt werden, kommen aus Deutschland, England, Amerika, Australien, Nigeria, Frankreich und anderen Ländern und Kulturen. Es sind Klassiker und weniger bekannte Werke, Romane, die vor Jahrhunderten oder erst vor kurzer Zeit geschrieben wurden. Die Auswahl ist subjektiv, ich stelle Anfänge von Romanen vor, die mir gefallen und die mir etwas bedeuten. Man kann diese Anfänge als Einladung zu einem Quiz begreifen und raten, welches Buch so beginnt, oder man überlegt, ob einem gefällt, was man liest und ob man Lust auf mehr hat. Fangen wir an!
Romananfänge – Ein literarischer Adventskalender, 1. Dezember 2018…