Tan Zhongyi: Ein hübscher Angriff in einer wichtigen Partie

Tan Zhongyi | Foto: Gu Xiaobang

Anfang April erscheint der nächste Karl, die erste Ausgabe des Jahres 2019. Im Schwerpunkt kreist alles um das schöne Thema „Attacke“. Ein Thema, das wie viele andere Schwerpunkte im Karl zeitlos oder, anders gesagt, immer aktuell ist. So gelang der Chinesin Tan Zhongyi, am 9. März – zufällig auch der Geburtstag Bobby Fischers – bei der Mannschaftsweltmeisterschaft der Frauen 2019 in Astana, Kasachstan, im wichtigen Kampf gegen Russland, die Hauptkonkurrentinnen der Chinesen, am Spitzenbrett gegen Kateryna Lagno eine schwungvolle, sehr sehenswerte Attacke. Weiterlesen

Immer wieder ein Vergnügen: Das „New in Chess“ Magazin

Kurz bevor das Jahr 2018 zu Ende ging, erschien die neue Ausgabe des New in Chess Magazins. Die Zeitschrift stammt aus Holland, aber ist international und wird laut Titelblatt von „Vereinsspielern in 116 Ländern“ gelesen. Sie gilt seit Jahrzehnten als eine der besten und anspruchsvollsten Schachzeitungen der Welt. Aus gutem Grund. Weiterlesen

Romananfänge – Ein literarischer Adventskalender (24)

Weihnachtsbaum Foto: Günter Hentschel via flickr

Romananfang 24
Ich befinde mich in einem Büro, umgeben von Körpern und Köpfen. Meine Haltung kongruiert bewusst der Form des harten Stuhls, auf dem ich sitze. Es ist ein kaltes Zimmer, das zur Universitätsverwaltung gehört, holzgetäfelt, remingtonbehängt und doppelverglast gegen die Novemberhitze, durch das Empfangsareal draußen von Verwaltungsgeräuschen abgeschirmt. Dort wurden Onkel Charles, Mr de Lint und ich vorhin empfangen.
Ich bin hier drin.
Auf der anderen Seite des Konferenztischs aus poliertem Kiefernholz, der im spinnfädigen Mittagslicht von Arizona glänzt, schälen sich über leichten Sommersakkos und halben Windsors drei Gesichter heraus. Sie gehören den drei Kommissionsleitern – Zulassung, Studiendekanat und Hochschulsport.

Okay, das klingt nicht sehr weihnachtlich. Aber traditionell enthält das 24. Türchen im Adventskalender immer die meiste Schokolade. Und entsprechend gewaltig ist auch das Buch, das sich hinter diesem Romananfang verbirgt. Wer diesen Blog – und damit ein paar meiner literarischen Vorlieben kennt – sollte nach diesem Hinweis leicht erraten können, welches Buch so beginnt und wer es geschrieben hat.

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Romananfänge – Ein literarischer Adventskalender (23)

Wien, Kirche am Steinhof Wien, Foto: Wolfgang T Heider, via Wikipedia

Romanfang 23
Wien 1913
Und es ward Licht
„Oh“. Die Silbe ist ein leiser Jauchzer des Entzückens. Noch nie hat sie solche Farben gesehen wie da auf dem Fußboden. Rot fließt in Orange, in Gelb, in Grün. Das Violett ist so üppig wie Traubensaft, sie möchte hineinspringen. Als sie hinläuft, um zu gucken, verschwinden die Farben. Ihr Mund wird rot vor Verblüffung, sie hat gedacht, Frau Herschel hat den Regenbogen auf den Fußboden gemalt. Dann entdeckt sie ihn wieder, er erscheint an ihrem Arm. Auf dem gestärkten Weiß ihres Matrosenhemds sieht sie das Violett, das der Holzboden verschluckt hat. Sie streichelt es und sieht zu, wie die Farben über ihre Handrinnen.
„Martina!“ Ein barsches Flüstern von ihrer Mutter. „Benimm dich.“

Dieser Roman, der mit Kinderspielen in Wien 1913 beginnt, ist tatsächlich ein moderner Krimi. Welcher Krimi ist es und wer hat ihn geschrieben?

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Romananfänge – Ein literarischer Adventskalender (22)

Kirche in New York, Foto: Doug Kerr via flickr

Romananfang 22
Der siebte Tag
Und der Geist und die Braut sprechen: Komm!
Und wer es hört, der spreche: Komm!
Und wen dürstet, der komme;
Und wer da will, der nehme das Wasser
des Lebens umsonst.

I looked down the line,
And I wondered.

Alle hatten immer gesagt, John werde später mal Prediger, genau wie sein Vater. So oft war das gesagt worden, dass John es irgendwann selber glaubte, ohne jemals darüber nachzudenken. Erst am Morgen seines vierzehnten Geburtstags dachte er ernsthaft darüber nach, und da war es bereits zu spät.

Viel Religion – welcher Roman beginnt so und wer hat ihn geschrieben?

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Romananfänge – Ein literarischer Adventskalender (21)

Franklin Wharf, Hobart Foto: Michael fromholtz via Wikipedia

Romananfang 21
Grace taugte als Name so gut wie jeder andere, und an diesem Morgen war Grace in Hobart, schlenderte durch eine wohlhabende Ecke von Sandy Bay und besah sich die abgelegenen Anwesen. Ein Freitagmorgen im Frühling, der vom Meer hereinkommende Nebel verzog sich in Richtung Storm Bay und Tasmanische See, das Leben war schön, und in ihren weißen Tennissachen über der Trainingshose, mit Sonnenbrille, Nike-Sneakers und keck getragener Cap fiel sie nicht weiter auf. Ein Tennisschlägergriff lugte aus ihrer Sporttasche hervor und wies sie als eine nicht berufstätige junge Ehefrau aus, vielleicht auch eine junge Berufstätige an ihrem freien Tag, oder sogar – wenn man von der misstrauischen Sorte war – eine getarnte Ehebrecherin.
Doch es klingelten keine Alarmglocken. Kein Grund, sie anzuhalten und zu durchsuchen. Sie gehörte hierher.
Tatsächlich aber versteckte sie sich vor aller Augen;

In welchem Roman versteckt sich Grace – wenn sie denn so heißt – und wer hat ihn geschrieben?

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Romananfänge – Ein literarischer Adventskalender (20)

Foto: Michael Foley via flickr

Romananfang 20
Außer den Marabar Caves – und sie liegen 20 Meilen entfernt – bietet die Stadt Chandrapore nichts Außergewöhnliches. Vom Gangesfluss eher umsäumt als umspült zieht sie sich ein paar Meilen am Ufer entlang, kaum unterscheidbar von dem Müll, den sie so freigiebig absondert. Am Flussufer gibt es keine Badetreppen, da der Ganges hier zufällig nicht heilig ist; tatsächlich gibt es gar kein Flussufer und Basare versperren das weite und wechselnde Flusspanorama. Die Strassen sind schäbig, die Tempel ohne Wirkung und obwohl es ein paar schöne Häuser gibt, liegen sie in Gärten oder am Ende kleiner Gassen versteckt, deren Dreck alle abschreckt, die nicht eingeladen sind.

Wer beschreibt hier die Stadt Chandrapore? Und in welchem Roman?

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Romananfänge – Ein literarischer Adventskalender (19)

Romananfang 19
Im Sommer 1972, kurz vor meinem neunten Geburtstag, begann das Unheil in ganz China an die Türen zu klopfen.
Meine Eltern waren Ärzte im Städtischen Krankenhaus Nr. 4. Es galt als das beste Krankenhaus in Wuhan, einer großen Stadt in Zentralchina. Mein Vater war Chirurg. Meine Mutter Ärztin der Traditionellen chinesischen Medizin, das heißt, sie behandelte ihre Patienten mit homöopathischen Mitteln wie Kräutermedizin und Akupunkturnadeln. Wenn meine Puppen krank wurden, behandelte ich sie mit Bonbons.

Wer beschreibt hier das Schicksal eines Kindes im China von 1972? Und in welchem Buch?

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Romananfänge – Ein literarischer Adventskalender (18)

Romananfang 18
Im Wohnzimmer meiner Großmutter stand ein kleines Schränkchen mit einer Glastür, und in dem Schränkchen befand sich ein Stück Haut. Es war nur ein winziges Stück, aber dick und ledrig, mit Strähnen borstigen rötlichen Haars. Es war mit einer rostigen Nadel an einer Postkarte befestigt. Auf der Postkarte standen in verblaßter schwarzer Tinte ein paar Worte, aber ich war noch klein und konnte noch nicht lesen.
„Was ist das?“
„Ein Stück von einem Brontosaurus.“
Meine Mutter kannte die Namen von zwei prähistorischen Tieren, den Brontosaurus und den Mammut. Daß es kein Mammut war, wußte sie. Mammuts kamen aus Sibirien.
Der Brontosaurus, so wurde mir erzählt, war ein Tier, das bei der Sintflut ertrunken war, weil es zu groß gewesen war, um auf der Arche Noah Platz zu finden.

Wer erinnert sich hier an Gegenstände aus seiner Kindheit, an die sich unendlich viele Geschichten verknüpfen? Und welcher Roman beginnt mit diesen Erinnerungen?

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Romananfänge – Ein literarischer Adventskalender (17)

Herbstmorgen, Foto: Roger Smith via flickr

Romananfang 17
Die kleine Rutherford wurde seit acht Tagen vermisst, als Larry Ott bei seiner Rückkehr nach Hause feststellte, dass ihn dort ein Monster erwartete.
In der Nacht zuvor hatte es über weiten Teilen des Südostens gestürmt: in den Nachrichten Sturzfluten, abgeknickte Bäume und Bilder von zerlegten Wohnwagen. Larry, einundvierzig und ledig, lebte allein im ländlichen Mississippi, im Haus seiner Eltern, das jetzt sein Haus war, obwohl er es nicht über sich brachte, es so zu sehen. Er benahm sich eher wie ein Kurator, hielt die Zimmer sauber, beantwortete die Post und bezahlte Rechnungen, schaltete abends zu den richtigen Zeiten den Fernseher ein, lächelte mit der Lachkonserve, aß zu dem, was die Sender ihm präsentierten, sein McDonald’s oder Kentucky Fried Chicken, während der Tag sich aus den Bäumen über das Feld verströmte und die Nacht herabsank, immer anders, immer gleich.

Wer erzählt hier vom Süden der USA, von Eltern-Kind Beziehungen, Einsamkeit und vermissten Mädchen? Und in welchem Roman?

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Romananfänge – Ein literarischer Adventskalender (16)

Foto: Nat Tung via flickr

Romananfang 16
Tom blickte zurück; er sah den Mann aus dem Green Cage treten und eilig ausschreiten. Tom ging schneller. Der Mann folgte ihm, soviel stand fest. Tom hatte ihn vor fünf Minuten bemerkt, als er ihn von einem anderen Tisch aus vorsichtig beäugte, als wäre er sich nicht ganz sicher, aber fast. Das „fast“ genügte Tom; er hatte sein Glas geleert, gezahlt und das Lokal verlassen.
An der Ecke beugte Tom sich vor und trabte über die Fifth Avenue. Raoul’s – sollte er es darauf ankommen lassen und sich dort etwas zu trinken bestellen? Das Schicksal herausfordern und so weiter? Oder sollte er sich Richtung Park Avenue verdrücken und versuchen, den Mann in einer dunklen Einfahrt abzuschütteln. Tom ging in das Raoul’s.

Wer fordert hier – und später – das Schicksal heraus, um es sich gut gehen zu lassen? Und in welchem Roman? Und wer hat ihn geschrieben?

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Romananfänge – Ein literarischer Adventskalender (15)

Foto: Bababiew;hdsjkhvose, via flickr

Romananfang 15
Die seltsame zweite Heirat des Archie Jones
Früh am Morgen, Ende des Jahrhunderts, Cricklewood Broadway. Um 06.27 Uhr am 1. Januar 1975. Alfred Archibald Jones trug Kord, saß in einem abgasgefüllten Cavalier Musketeer Estate, den Kopf ans Lenkrad gelehnt, und hoffte, dass das göttliche Gericht nicht zu hart mit ihm umgehen würde. Er lag in einer demütigen Kreuzigungshaltung nach vorn geneigt, der Unterkiefer schlaff, die Arme ausgebreitet wie ein gefallener Engel; in den Fäusten hielt er seine Armeeorden (links) und seine Heiratsurkunde (rechts), denn er hatte beschlossen, diese Irrtümer mitzunehmen. Ein kleines grünes Lämpchen blinkte ihm ins Auge, kündigte ein Rechtsabbiegen an, das er, wie er entschieden hatte, in diesem Leben nicht mehr vornehmen würde. Er war fest dazu entschlossen. Er war dazu bereit. Er hatte eine Münze geworfen und blieb nun standhaft bei ihrer Entscheidung. Der Selbstmord war beschlossene Sache. Tatsächlich war er ein Vorsatz zum neuen Jahr.
Aber noch während seine Atmung unregelmäßig wurde und seine Sicht schwächer, war Archie klar, dass der Cricklewood Broadway eine seltsame Wahl war.

Kaum zu glauben, aber dieses Buch, das mit einem Selbstmordversuch beginnt, ist sehr lustig und heiter. Wie heißt es und wer hat es geschrieben?

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Romananfänge – Ein literarischer Adventskalender (14)

Romananfang 14
In Stockholm, in einer ganz gewöhnlichen Straße, in einem ganz gewöhnlichen Haus, wohnt eine ganz gewöhnliche Familie und die heißt Svantesson. Dazu gehören ein ganz gewöhnlicher Papa und eine ganz gewöhnliche Mama und drei ganz gewöhnliche Kinder, Birger, Betty und Lillebror.
„Ich bin überhaupt kein gewöhnlicher Lillebror“, sagt Lillebror.
Aber das stimmt nicht. Er ist wirklich ein ganz gewöhnlicher Junge. Es gibt so viele Jungen, die sieben Jahre alt sind und blaue Augen haben und eine Stupsnase und ungewaschene Ohren und Hosen, die über den Knien ständig kaputt sind. Lillebror ist also ein ganz und gar gewöhnlicher Junge, das steht fest.

Wahrscheinlich eine kinderleichte Frage: In welchem Buch spielt der hier vorgestellte Lillebror nicht die Haupt- aber die wichtigste Nebenrolle? Und wer hat es geschrieben?

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Romananfänge – Ein literarischer Adventskalender (13)

Foto: Joy Banerjee via flickr

Romananfang 13
Okwonkwo war weithin bekannt in den neun Dörfern, und noch darüber hinaus. Sein Ruhm gründete auf handfesten eigenen Verdiensten. Als junger Mann von achtzehn Jahren hatte er seinem Dorf Ehre bereitet, als er Amalinze, die Katze, umwarf. Der große Ringer Amalinze war sieben lange Jahre, von Umuofia bis Mbaino, unbesiegt geblieben. Man nannte ihn die Katze, weil sein Rücken nie die Erde berührte. Diesen Mann bezwang Okwonko in einem Kampf, wie es nach Meinung der Alten seit jenem Tag, an dem der Gründer ihres Dorfs sieben Tage und sieben Nächte mit einem Buschgeist rang, einen härteren kaum gegeben hatte.

Dieser Romananfang führt nach Afrika. Welcher Roman beginnt so und wer hat ihn geschrieben?

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Romananfänge – Ein literarischer Adventskalender (12)

Bild: cutemosaic via flickr

Romananfang 12
Es ist eine allgemein anerkannte Wahrheit, daß ein Junggeselle im Besitz eines schönen Vermögens nichts dringender braucht als eine Frau.
Wie wenig man auch von den Gefühlen oder Aussichten eines solchen Mannes wissen mag, wenn er zum ersten Mal in einer Gegend auftaucht – diese Grundwahrheit ist in den Köpfen der dort lebenden Familien so fest verankert, daß man ihn bereits als das rechtmäßige Eigentum der einen oder anderen Tochter betrachtet.

Welcher bekannte Roman beginnt mit diesem berühmten, oft zitierten, Anfangssatz? Und wer hat ihn geschrieben?

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Romananfänge – Ein literarischer Adventskalender (11)

Romananfang 11
John Franklin war schon zehn Jahre alt und noch immer so langsam, daß er keinen Ball fangen konnte. Er hielt für die anderen die Schnur. Vom tiefsten Ast des Baums reichte sie herüber bis in seine emporgestreckte Hand. Er hielt sie so gut wie der Baum, er senkte den Arm nicht vor dem Ende des Spiels. Als Schnurhalter war er geeignet wie kein anderes Kind in Spilsby oder sogar in Lincolnshire. Aus dem Fenster des Rathauses sah der Schreiber herüber. Sein Blick schien anerkennend.
Vielleicht war in ganz England keiner, der eine Stunde und länger nur stehen und eine Schnur halten konnte. Er stand so ruhig wie ein Grabkreuz, ragte wie ein Denkmal.

Welcher Roman fängt so an? Und wer hat ihn geschrieben?

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Romananfänge – Ein literarischer Adventskalender (10)

Bild: Evanherk via Wikimedia

Romananfang 10
ERSTER TAG
Eine Famulatur besteht ja nicht nur aus dem Zuschauen bei komplizierten Darmoperationen, aus Bauchfellaufschneiden, Lungenflügelzuklammern und Fußabsägen, sie besteht wirklich nicht nur aus Totenaugenzudrücken und aus Kinderherausziehen in die Welt. Eine Famulatur ist nicht nur das: abgesägte ganze und halbe Beine und Arme über die Schulter in den Emailkübel werfen. Auch besteht sie nicht aus dem ständig hinter dem Primarius und dem Assistenten und dem Assistenten des Assistenten Dahertrotteln, aus dem Schwanzdasein der Visite. Aus dem Vorspiegeln falscher Tatsachen kann eine Famulatur auch nicht bestehen, nicht aus dem, daß ich sage: “Der Eiter wird sich ganz einfach in ihrem Blut auflösen, und Sie sind wieder gesund.” Und aus hunderterlei anderen Lügen. Nicht nur daraus, dass ich sage: Es wird schon!” – wo nichts mehr wird. Eine Famulatur ist ja nicht nur eine Lehrstelle für Aufschneiden und Zunähen, für Abbinden und Aushalten. Eine Famulatur muß auch mit außerfleischlichen Tatsachen und Möglichkeiten rechnen.

Wessen Sound ist hier zu hören? Und in welchem Roman?

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Romananfänge – Ein literarischer Adventskalender (9)

Weihnachtsgebäck

Romananfang 9
„Was ist das – Was – ist das…“
„Je, den Düwel ook, c’est la question, ma très chère demoiselle!“
Die Konsulin …, neben ihrer Schwiegermutter auf dem geradlinigen, weiß lackierten und mit einem goldenen Löwenkopf verzierten Sofa, dessen Polster hellgelb überzogen waren, warf einen Blick auf ihren Gatten, der in einem Armsessel bei ihr saß, und kam ihrer kleinen Tochter zu Hilfe, die der Großvater am Fenster auf den Knien hielt. „Tony!“ sagte sie, „ich glaube, daß mich Gott“ – Und die kleine Antonie, achtjährig und zartgebaut, in einem Kleidchen aus ganz leichter changierender Seide, den hübschen Blondkopf ein wenig vom Gesichte des Großvaters abgewandt, blickte aus ihren graublauen Augen angestrengt nachdenkend und ohne etwas zu sehen ins Zimmer hinein, wiederholte noch einmal: „Was ist das.“

Nach Ausflügen in die Welt des Schachs und in die Zeit der australischen Strafgefangenen dieses Mal wieder ein Klassiker. Welcher (sehr) bekannte deutsche Roman fängt mit dieser Familienszene an und wer hat ihn geschrieben?

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Romananfänge – Ein literarischer Adventskalender (8)

Bild: Wikipedia

Romananfang 8
Fast ein ganzes Jahr lang hatte die Alexander sich mit ihrer Sträflingsfracht durch die Wellen des Ozeans gekämpft, jetzt war sie am Ende der Welt angekommen. Es gab kein Schloss an der Tür der Hütte, in der William Thornhill, deportiert im Jahre des Herrn 1806 für die Dauer seines natürlichen Lebens, seine erste Nacht in der Strafkolonie Seiner Majestät in Neusüdwales verbrachte. Genau genommen gab es auch nichts, das die Bezeichnung Tür oder Wand verdient hätte, nur ein Geflecht aus Stöcken und Lehm und vor der Türöffnung einen Lappen aus Baumrinde. Schlösser, Türen, Wände, das alles wurde hier nicht gebraucht. In diesem Gefängnis bestanden die Gitter aus Tausenden und Abertausenden Meilen Wasser.

Klar, hier geht es um australische Geschichte und die Zeit Australiens als englische Strafkolonie. Aber welcher Roman beschreibt das Schicksal des Strafgefangenen William Thornhill? Und wer hat ihn geschrieben?

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Romananfänge – Ein literarischer Adventskalender (7)

Foto: Marco Verch via flickr

Romananfang 7
Vielleicht merkt der Lehrer gar nicht, dass der Aufsatz gar nicht von meinem Vater handelt, dachte Sara. Sie hoffte jedenfalls, er werde nicht danach fragen. Denn sonst würde Mariette, das Mädchen in der Bank vor ihr, sich sofort umdrehen und anfangen zu fragen:
“Wo wohnt denn dein Vater? Warum wohnt er nicht bei euch? Wann hast du ihn das letzte Mal gesehen?”
Sara wusste dann nie, was sie antworten sollte.
Die Kinder glaubten, dass sie es nicht hörte, aber Sara merkte schon, wie sie die Köpfe zusammensteckten und tuschelten:
“Sara hat keinen Vater.”
“Saras Vater will nicht bei ihr wohnen.”

In welchem Roman, in dem ein Spiel eine große Rolle spielt, spielt Sara die Hauptrolle?

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