Romananfänge – Ein literarischer Adventskalender (7)

Foto: Marco Verch via flickr

Romananfang 7
Vielleicht merkt der Lehrer gar nicht, dass der Aufsatz gar nicht von meinem Vater handelt, dachte Sara. Sie hoffte jedenfalls, er werde nicht danach fragen. Denn sonst würde Mariette, das Mädchen in der Bank vor ihr, sich sofort umdrehen und anfangen zu fragen:
“Wo wohnt denn dein Vater? Warum wohnt er nicht bei euch? Wann hast du ihn das letzte Mal gesehen?”
Sara wusste dann nie, was sie antworten sollte.
Die Kinder glaubten, dass sie es nicht hörte, aber Sara merkte schon, wie sie die Köpfe zusammensteckten und tuschelten:
“Sara hat keinen Vater.”
“Saras Vater will nicht bei ihr wohnen.”

In welchem Roman, in dem ein Spiel eine große Rolle spielt, spielt Sara die Hauptrolle?

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Romananfänge – Ein literarischer Adventskalender (6)

Foto: Etienne Valois via flickr

Romananfang 6
Friedensrichter Trelawney, Doktor Livesey und die anderen Herren, die an unseren Abenteuern teilnahmen, haben mich damit beauftragt, die ganze Geschichte … aufzuzeichnen, mit allen Einzelheiten, und nichts geheimzuhalten …. So ergreife ich denn im Jahre des Heils 17.. die Feder und wandere im Geiste bis zu einer Zeit zurück, da mein Vater noch Wirt in der Schenke „Zum Admiral Benbow“ war und der braungebrannte alte Seemann mit der Säbelnarbe auf der Backe zu uns kam, um sich unter unserem Dache anzusiedeln.
Ich sehe ihn noch vor mir, als wäre es gestern gewesen, wie er schweren Schrittes auf die Schenkentür zuschaukelte, seine Seemannskiste auf einem Schiebkarren hinter sich: ein hochgewachsener, starker, schwerer, nußbraun gebrannter Mann: Sein Seemannszopf – Schweineschwanz nennen ihn die Wasserratten – baumelte ihm über die Schulter auf den fleckigen blauen Rock herab; seine Hände waren rissig und narbig, mit schwarzen, brüchigen Nägeln; und die Säbelnarbe auf seiner Backe leuchtete in einem schmutzigfahlen Weiß.

Ein Klassiker – aber welcher? Und wer hat ihn geschrieben?

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Romananfänge – Ein literarischer Adventskalender (5)

Der Bahnhof von Antwerpen, Foto: Tuxyso via Wikimedia Commons

Romananfang 5
In der zweiten Hälfte der sechziger Jahre bin ich, teilweise zu Studienzwecken, teilweise aus anderen, mir selber nicht recht erfindlichen Gründen, von England aus wiederholt nach Belgien gefahren, manchmal bloß für ein, zwei Tage, manchmal für mehrere Wochen. Auf einer dieser belgischen Exkursionen, die mich immer, wie es mir schien, sehr weit in die Fremde führten, kam ich auch, an einem strahlenden Frühsommertag, in die mir bis dahin nur dem Namen nach bekannte Stadt Antwerpen. Gleich bei der Ankunft, als der Zug über das zu beiden Seiten mit sonderbaren Spitztürmchen bestückte Viadukt langsam in die dunkle Bahnhofshalle hineinrollte, war ich ergriffen worden von einem Gefühl des Unwohlseins, das sich dann während der gesamten damals von mir in Belgien zugebrachten Zeit nicht mehr legte.

Wer schreibt solche Sätze? Und in welchem Roman?

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Romananfänge – Ein literarischer Adventskalender (4)

Foto: Mark Hougard Jensen via Flickr

Romananfang 4
Du schickst dich an, den neuen Roman [Romantitel] von [Name] zu lesen. Entspanne dich. Sammle dich. Schieb jeden anderen Gedanken beiseite. Laß deine Umwelt im ungewissen verschwimmen. Mach lieber die Tür zu, drüben läuft immer das Fernsehen. Sag es den anderen gleich: „Nein, ich will nicht fernsehen!“ Heb die Stimme, sonst hören sie’s nicht: „Ich lese! Ich will nicht gestört werden!“ Vielleicht haben sie’s nicht gehört bei all dem Krach; sag’s noch lauter, schrei: „Ich fange gerade an, den neuen Roman von [Name] zu lesen!“ Oder sag’s auch nicht, wenn du nicht willst; hoffentlich lassen sie dich in Ruhe.

Wer lädt hier nachdrücklich, aber umständlich zum Lesen ein? Und in welchem Roman?

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Romananfänge – Ein literarischer Adventskalender (3)

Foto: Günter Weber via flickr

Romananfang 3
Meyruis, Lozère, 26. Juni 1977. Warm, bewölkter Himmel. Ich nehme meine Sachen aus dem Auto und setze mein Fahrrad zusammen. Von Straßencafés aus schauen Touristen und Einwohner zu. Nicht-Rennfahrer. Die Leere in ihrem Leben schockiert mich.
Der Ort voller Autos mit Geweihen aus Rädern und Rahmen. Ein paar Teilnehmer fahren bereits herum. Lächeln, grüßen. Es sind Unbekannte darunter. Klasse? Versager? Gute Fahrer haben charakteristische Köpfe und schlechte Fahrer haben charakteristische Köpfe – aber das gilt nur für Fahrer, die man schon kennt.
Ich hole in einer Kneipe meine Rückennummer ab, schüttle auf dem Rückweg eine Hand.
„In Form?“
„Das wird sich beim Rennen zeigen.“
„Haha, ja.“

Wer will sich hier aufs Fahrrad schwingen? Und in welchem Roman?

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Romananfänge – Ein literarischer Adventskalender (2)

Bild: Amy Ross via Flickr

Romananfang 2
Prolog
Die Aufführung
Nahaufnahme von Ariel mit blauer Badekappe und verspiegelter Skibrille, die untere Hälfte seines Gesichts ist blau geschminkt. Er trägt einen mit Marienkäfern, Bienen und Schmetterlingen bedruckten transparenten Plastikregenmantel. Hinter seiner linken Schulter ein merkwürdiger Schatten. Er lacht lautlos, deutet mit der rechten Hand, die in einem blauen Gummihandschuh steckt, nach oben. Zuckende Blitze, Donnergrollen.

Stimmen aus dem Off: Wir wollen beten!
Bootsmann: Was sagst du da?
Stimmen aus dem Off: Wir sinken! Wir saufen ab!
Wir seh’n den König nimmer wieder!
Ab ins Wasser, auf ans Ufer!

Ariel wirft den Kopf in den Nacken und lacht. In jeder seiner blauen Gummihände hält er eine starke, blinkende Taschenlampe.
Der Bildschirm wird schwarz.

Der so begonnene Roman handelt von einem berühmten Theaterstück. Wie heißt das Theaterstück, wie heißt der Roman und wer hat ihn geschrieben?

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Romananfänge – Ein literarischer Adventskalender (1)

Pierre Auguste Renoir, Lesendes Mädchen

Romananfang 1
Am 15. September 1840, gegen sechs Uhr früh, lag die „Stadt Montereau“ fahrbereit am Quai Saint-Bernard. Dicke Rauchwolken entwälzten sich ihrem Schlot.
Passagiere liefen in überstürzter Hast. Fässer, Taue, Reisekörbe versperrten den Durchgang. Die Schiffsmannschaft gab niemandem Auskunft. Man wurde herumgestoßen. Die Frachtkisten schwebten zwischen den beiden Radkästen, und das Gepolter ward übertönt vom Zischen des Dampfes, der durch Ventile von Eisenblech sich Luft machte und alles in weißgrauen Neben hüllte. Dazu läutete unaufhörlich vorn am Bug die Glocke.
Endlich schwankte das Schiff; und die Ufer mit ihrer Speichern, Werften und Fabriken begannen wie breite Bänder, die aufgerollt werden, vorüberzuziehen.
Ein junger Mann von achtzehn Jahren, der das Haar lang trug und unter seinen Arm ein Skizzenbuch geschoben hatte, stand, ohne sich zu regen, in der Nähe des Steuerrades. Durch die Schleier des Morgendunstes blickte er auf die Kirchtürme und Gebäude, deren Namen er nicht kannte. Er umfaßte ein letztes Mal die Ile Saint-Louis, die Cité und Notre Dame. Nun sah er mit einem tiefen Seufzer Paris entschwinden.
Wer schrieb hier über eine Abreise aus Paris – und Literaturgeschichte?

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Romananfänge – Ein literarischer Adventskalender (Einleitung)

Romananfänge umgarnen, verblüffen, überraschen, unterhalten, amüsieren und laden ein zu einem Spiel der Phantasie. Sie wecken Neugier und wollen, dass man weiter liest, bis die Geschichte, die gerade anfängt, zu Ende erzählt ist. Die Autorin oder der Autor stellt sich vor, präsentiert Themen und schafft Atmosphäre. Romananfänge faszinieren mich und deshalb möchte ich hier auf dem Blog während der Adventszeit, vom 1. bis zum 24. Dezember, Tag für Tag einen Romananfang vorstellen. Ohne gleich etwas über Autorin oder Autor, Titel und Erscheinungsjahr zu verraten. Die 24 Romane, deren Anfänge hier vorgestellt werden, kommen aus Deutschland, England, Amerika, Australien, Nigeria, Frankreich und anderen Ländern und Kulturen. Es sind Klassiker und weniger bekannte Werke, Romane, die vor Jahrhunderten oder erst vor kurzer Zeit geschrieben wurden. Die Auswahl ist subjektiv, ich stelle Anfänge von Romanen vor, die mir gefallen und die mir etwas bedeuten. Man kann diese Anfänge als Einladung zu einem Quiz begreifen und raten, welches Buch so beginnt, oder man überlegt, ob einem gefällt, was man liest und ob man Lust auf mehr hat. Fangen wir an!
Romananfänge – Ein literarischer Adventskalender, 1. Dezember 2018…

Kurz und knapp: Chester Himes – “A Rage in Harlem”

Chester Himes (1909 bis 1984) gilt als einer der bedeutendsten afro-amerikanischen Autoren. Er schrieb viele und vielschichtige Bücher, aber seine größten Erfolge feierte Himes mit seinen Krimis um Gravedigger Jones und Coffin Ed Johnson, zwei schwarzen Polizisten, die das Verbrechen im New Yorker Schwarzenviertel Harlem mit legendärer Härte  bekämpfen, das erste Mal in A Rage of Harlem, erschienen 1957. Doch bei ihrem Debüt gönnte Himes seinen Helden nur  kurze Auftritte, den Großteil des Buches schildert er mit Spaß am grotesken Witz und intimer Kenntnis der Unterwelt Harlems, wie Betrüger, Geldfälscher, falsche Nonnen und der vor Liebe blinde Einfaltspinsel Jackson und seine „Freundin“ Imabelle mit Gewalt versuchen, Rassismus, Armut und struktureller Gewalt zu entkommen. Das hat Tempo, ist lebendig und wirkt auch über 60 Jahre später immer noch frisch und originell. Informationen über Buch und Autor…

Zufällige Zitate: Katty Salié über Literatur

„Literatur ist so schön Geschmackssache, genau wie Musik. … Oft kommt man ja auch in Bücher ganz schwer rein. Wenn ich Buchtipps von Freunden bekomme, merke ich je nach Tagesform manchmal, wie ich mich erst in die Sprache und die Art des Schreibens reinarbeiten muss, damit ich überhaupt dabeibleiben kann. Aber oft hat es sich gelohnt. … Manchmal muss man eben erst über den Berg drüber, bis es wieder bergab geht und man sich den Wind um die Ohren wehen lassen kann. Das ist aber auch kein Muss. Als Leser hat man ja eine wunderbare Auswahl. Man kann auch leichtere belletristische Literatur lesen, wann man möchte. Ich möchte auch überhaupt nicht zwischen guter und schlechter Literatur unterscheiden. Ich finde Lesen per se super. Egal was.“ Das sagte “aspekte”-Moderatorin Katty Salié in einem Interview mit Hendrik Heisterberg im Interviewmagazin Galore, Nummer 25, 2017.
Mehr über Katty Salié und die Stiftung Lesen…

Im Archiv geblättert: Die Schacholympiade Leipzig 1960

Am 6. Oktober ging in Batumi die 43. Schacholympiade zu Ende und Schacholympiaden wecken bei mir regelmäßig Erinnerungen an frühere Olympiaden. Eine ganz besondere Veranstaltung muss die 14. Schacholympiade gewesen sein, die vor 58 Jahren, vom 26. Oktober bis zum 9. November 1960, in Leipzig gespielt wurde. Spieler wie Mihail Tal, Bobby Fischer (Bild), Mikhail Botvinnik, Tigran Petrosian, Viktor Kortschnoi, Vlastimil Hort oder Paul Keres waren dabei und nach offiziellen Angaben kamen 75.364 Zuschauer ins Ringmessehaus in Leipzig, um diese und andere Schachstars zu sehen.  Zur Erinnerung an Leipzig und an diese Olympiade möchte ich hier noch einmal einen Artikel veröffentlichen, den ich vor einiger Zeit über dieses Highlight in der Geschichte der Schacholympiaden geschrieben habe. Weiterlesen

Neal Cassady: Schach und andere Leidenschaften

Neal Cassady (links) und Jack Kerouac auf dem Cover von “On the Road”

„Das Schach, manisch – er redet nicht mit mir, außer irgendwie teilnahmslos.“ Das schrieb Allen Ginsberg an Jack Kerouac über einen Besuch bei ihrem alten Freund Neal Cassady. Ginsberg und Kerouac waren führende Vertreter der Beatniks, einer kleinen Gruppe von Dichtern, Intellektuellen und Aussteigern, die sich für Jazz, Buddhismus und Literatur begeisterten und in den 1950ern und 60ern mit Drogenexperimenten und rauschhaften Reisen quer durch die USA ein neues Bewusstsein schaffen wollten. Die Gruppe war klein, aber ihr kultureller Einfluss war groß und Cassady eine ihrer zentralen Figuren. Weiterlesen

Aus aktuellem Anlass: Tigran Petrosjan als Olympiaspieler

Im Moment findet in Batumi, Georgien, die 43. Schacholympiade statt. Schacholympiaden erinnern mich immer an Tigran Petrosjan, Schachweltmeister von 1963 bis 1969. Petrosjan gilt als sehr sicherer Spieler, aber Schacholympiaden brachten eine andere Seite von ihm zum Vorschein. Er spielte aggressiver, weniger vorsichtig und seine Remisquote war deutlich niedriger als in seinen anderen Wettkämpfen und Turnieren. Bei Olympiaden zeigte er immer wieder, wie attraktiv und einfallsreich er spielen konnte. Im Karl 04/2009, dessen Schwerpunkt Petrosjan gewidmet ist, habe ich in einem Artikel einen Blick auf Petrosjans Erfolge bei Olympiaden geworfen. Aus aktuellem Anlass – der Schacholympiade in Batumi – möchte ich diese Würdigung Petrosjans hier noch einmal veröffentlichen. Weiterlesen

Eine Schachpartie mit David Foster Wallace

Foto: Steve Rhodes [CC BY 2.0]

David Foster Wallace gilt als einer der bedeutendsten zeitgenössischen amerikanischen Autoren. Wallace, der sein Leben lang unter Depressionen litt, wurde am 21. Februar 1962 geboren und beging am 12. September 2008 im Alter von 46 Jahren Selbstmord. Als sein Hauptwerk gilt der bahnbrechende Roman “Unendlicher Spaß”. Aber Wallace brillierte auch mit ungewöhnlichen Essays über unterschiedliche Themen. Einer seiner berühmtesten Essays enthält eine aufschlussreiche Schilderung einer Schachpartie. Weiterlesen

Zufällige Zitate: John Green über David Foster Wallace

Screenshot aus einem Interview mit Green über David Foster Wallace

„Ich habe Infinite Jest das erste Mal im Sommer 1996 gelesen, nach meinem ersten Jahr im College. … Infinite Jest zu lesen war wunderbar verwirrend. Aber 1996 war alles Lesen für mich wunderbar verwirrend, und wenn ich etwas nicht verstanden habe, dann habe ich einfach weitergelesen. Natürlich hatte ich überhaupt keine Idee, was in dem Buch passiert. … Als ich das Buch zu Ende gelesen hatte, habe ich sofort zu Seite eins zurückgeblättert und noch einmal von vorne angefangen. Weiterlesen

Ein bemerkenswerter Königsmarsch: Tigran Petrosian gegen Jack Peters

Manche Partien bleiben einfach im Gedächtnis. So erinnerte die Begegnung zwischen Wesley So und Vishy Anand aus der 6. Runde des Sinquefields Cup 2018 in St. Louis Live-Kommentator Maurice Ashley an eine Partie zwischen Tigran Petrosian (Foto) und dem amerikanischen Internationalen Meister Jack Peters aus dem Jahre 1976. Die Partie So gegen Anand endete mehr oder weniger unspektakulär Remis, in der Partie zwischen Petrosian und Peters kam es zu einem Königsmarsch, den man nicht so leicht vergisst. Weiterlesen

Der Tiger bleibt auf dem Berg: Der Weltmeisterschaftskampf 1961 zwischen Mihail Tal und Mikhail Botvinnik

Manche Weltmeisterschaftskämpfe erfahren in der Schachgeschichte viel Aufmerksamkeit, andere weniger. Der WM-Kampf 1960 zwischen Tal und Botvinnik wurde viel beachtet, der Revanchekampf zwischen Tal und Botvinnik 1961 sehr viel weniger. Das liegt auch daran, dass in den Augen vieler Leute der „falsche“ Spieler gewonnen hat. Mit seinem Wettkampfsieg gegen Botvinnik 1960 wurde Tal zum damals jüngsten Weltmeister aller Zeiten. Sein mutiges dynamisches Spiel begeisterte Fans in aller Welt und sein Sieg gegen Botvinnik schien ein Sieg der Phantasie gegen Logik und der Beginn einer neuen Ära zu sein. Doch nur ein Jahr später, beim Revanchewettkampf 1961, folgte die Ernüchterung: Botvinnik gewann klar mit 13 zu 8 (+10, -5, =6) und holte sich den Weltmeistertitel zurück. Allerdings fand der zweite Wettkampf unter ungleichen Bedingungen statt. Weiterlesen

Im Web entdeckt: Unbekannte Seiten von Philip Marlowe

Humphrey Bogart in The Big Sleep © Warner Bros. (1946)

Philip Marlowe ist einer der berühmtesten Detektive der Literaturgeschichte. Sein Schöpfer Raymond Chandler gilt zusammen mit Dashiell Hammett als Begründer der Hard-boiled novels. Der Held dieser Krimis ist meist Privatdetektiv, ein Einzelgänger mit losem Mundwerk, aber festen Prinzipien. Er wird oft verprügelt, aber ist unbestechlich und seinen Klienten gegenüber immer loyal, wobei er sich allerdings viel zu oft in die falsche Frau verliebt.

Hammetts berühmtester Roman ist wahrscheinlich Der Malteser Falke, in dem Sam Spade ermittelt, Chandlers berühmtester Roman ist wohl Der große Schlaf, in dem Philip Marlowe Verbrechen bekämpft. Beide Romane wurden verfilmt und in beiden Filmen spielt Humphrey Bogart die Hauptrolle. Damit hat er dem Hard-boiled Detective ein Gesicht gegeben – aber vielleicht das falsche.

Denn wie Anthony Dean Rizzuto, Professor für Englisch an der Sonoma State University, Kalifornien, und Experte für Hard-boiled fiction, herausgefunden hat, ähnelt Marlowe im Roman The Big Sleep nicht Humphrey Bogart, sondern Cary Grant. Außerdem hatte Marlowe bei Chandler nur selten eine Pistole bei sich und machte sich gerne über die Klischees in Hard-boiled novels lustig. Das sind nur drei von Eight Things You Didn’t Know About Raymond Chandler’s The Big Sleep, die Rizzuto bei seiner Arbeit an einer kommentierten Neuausgabe von The Big Sleep entdeckt hat.

Der neue „Karl“ ist da: Schwerpunkt Frankfurt

Die aktuelle Karl-Ausgabe widmet sich im Schwerpunkt dem Schach in Frankfurt. Unter anderem mit einem Rückblick auf zwei bedeutende Frankfurter Turniere, die im 19. Jahrhundert gespielt wurden: dem Westdeutschen Schachkongress 1878 und dem Frankfurter Meisterturnier von 1887. Gewonnen hat das Meisterturnier der Amerikaner Mackenzie, der nicht nur einer der stärksten Schachspieler der damaligen Zeit war, sondern auch ein bewegtes Leben führte. Er wurde 1837 in Schottland geboren und kämpfte später als Berufssoldat in Irland, Indien, Südafrika und im amerikanischen Bürgerkrieg. Weiterlesen

Ein deutsches Bücherregal: Jörg Magenaus „Bestseller“

Bücherregale verraten viel über ihre Besitzer. Über ihre Interessen, Vorlieben, Leidenschaften, Ängste, Sorgen, über Wünsche und Träume, die sie hatten oder haben. In seinem Buch Bestseller hat Jörg Magenau nun ein deutsches Bücherregal zusammengestellt und sich angeschaut, welche Bücher die Deutschen in den letzten 70 Jahren besonders gerne gelesen haben – deutsche Bestseller, Bücher, die sich von 1945 bis 2017 in Deutschland besonders gut verkauft haben. Weiterlesen