Romananfang 21 – Garry Disher “Leiser Tod”

Garry Disher ist einer der bekanntesten australischen Krimiautoren. Er wurde am 15. August 1949 in Burra, Südaustralien geboren, und in Deutschland zunächst durch seine Wyatt-Romane bekannt, in denen der hochprofessionelle, emotionslose und nüchtern kalkulierende Berufsverbrecher Wyatt die Hauptrolle spielt. Bislang hat Disher acht Wyatt-Romane veröffentlicht, den letzten, The Heat, 2015, aber einen Vornamen hat Wyatt in keinem der acht Romane bekommen – und auch Reue über seine Taten zeigt er nicht.

Kickback, der erste Wyatt-Roman erschien 1991 in Australien und wurde 1999 unter dem Titel Gier ins Deutsche übersetzt und vom Berliner Maas Verlag veröffentlicht. Ein Jahr später, 2000, erhielt Disher für Gier den Deutschen Krimipreis in der Rubrik International.

Doch Disher ist ein vielseitiger Autor. Er veröffentlichte Krimis, Jugendbücher, Schreibratgeber, Romane, die sich mit der Geschichte Australiens beschäftigen, dazu noch etliche Sachbücher. 1997, nach Erscheinen von Fallout, dem sechsten Wyatt-Roman (2008 auf Deutsch unter dem Titel Niederschlag im Verlag PulpMaster erschienen), gönnte Disher seinem „Helden“ eine Pause, wechselte die Seiten und schilderte die Welt des Verbrechens aus Sicht von Polizeiinspektor Hal Challis. Der feierte 1999 in The Dragonman sein Debüt. Die deutschen Leser und Leserinnen mussten zwei Jahre warten, bis der australische Polizist auch zu ihnen kam – die deutsche Übersetzung des ersten Romans mit Hal Challis erschien 2001 im Schweizer Unionsverlag unter dem Titel Der Drachenmann.

Auch alle sechs weiteren Hal Challis Romane wurden ins Deutsche übersetzt und im  Unionsverlag veröffentlicht: Hinter den Inseln (2003), Flugrausch (2005), Schnappschuss (2006), Beweiskette (2009), Rostmond (2010) und Leiser Tod (2018). In  Leiser Tod, dessen Anfang hier zitiert wird, kehrt Disher wieder in die Welt der Berufsverbrecher zurück. Denn „Grace“, die in der zitierten Passage durch die wohlhabenden Viertel Hobarts läuft und auch im weiteren Verlauf des Romans eine große Rolle spielt, ist, genau wie Wyatt, eine hochprofessionelle Berufsverbrecherin, Spezialität Kunstdiebstahl.

Dieser Erwerbszweig genießt gesellschaftlich zurecht kein besonders hohes Ansehen, aber „Grace“ hat Eigenschaften und eine Geschichte, die es leicht machen, mit ihr zu fühlen und auf ihrer Seite zu stehen. Ja, ein großer Reiz von Leiser Tod, in dem Hal Challis eine Serie von Einbrüchen aufklären soll und zugleich einen Vergewaltiger unschädlich machen muss, entsteht durch die Spannung, die sich zwischen Challis und „Grace“ aufbaut – findet er heraus, wer sie ist, was sie tut und getan hat und muss er sie am Ende verhaften? Oder bleibt sie unerkannt und hilft vielleicht sogar bei der Lösung anderer Fälle? Oder bleibt sie wie Wyatt erfolgreiche Berufsverbrecherin?

Antwort auf diese Fragen gibt der gewohnt souverän erzählte Roman – und so wartet man auf mehr von Disher, Wyatt, Hal Challis oder „Grace“.


Garry Disher, Leiser Tod, Unionsverlag, Zürich 2018

Zur Orientierung…

Dieser Artikel ist Teil eines Quiz’ mit/über Romananfänge. 24 Romananfänge werden vorgestellt, wer will, kann versuchen, Titel und Autor/Autorin des Romans zu erraten. Die Links führen entweder direkt zum nächsten Romananfang oder zu anderen Romananfängen.

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