Anand gegen Carlsen: Das Duell, Teil 3

2007 trafen Anand und Carlsen das erste Mal in einer Turnierpartie mit klassischer Bedenkzeit aufeinander und für beide war 2007 ein gutes Jahr. Carlsen gewann in Gausdal und Biel und landete beim Spitzenturnier in Morelia/Linares auf dem geteilten zweiten bis dritten Platz. Außerdem verbesserte er seine Elo-Zahl von Januar 2007 bis Januar 2008 von 2690 auf 2733 Punkte und kletterte damit von Platz 24 der Weltrangliste auf Platz 13. Anand stand nach seinem Sieg beim Turnier in Morelia/Linares erstmals auf Platz eins der Weltrangliste, doch seinen größten Erfolg feierte er im September 2007: Er gewann das Weltmeisterturnier in Mexiko-City vor Vladimir Kramnik und Boris Gelfand und wurde 15. Weltmeister der Schachgeschichte. Auch im Duell gegen den immer stärker werdenden Carlsen sah es 2007 gut für Anand aus.

Nach einem schnellen Remis beim Corus Turnier in Wijk aan Zee 2007 gewann Anand beim Turnier in Morelia/Linares sowohl in der Vorrunde (siehe Anand gegen Carlsen: Das Duell) als auch in der Rückrunde (siehe Anand gegen Carlsen: Das Duell, Teil 2). Ihre vierte Partie 2007 spielten die beiden in Dortmund gegeneinander.

Carlsen hatte Weiß, aber konnte Anand nie wirklich gefährden. Zwar kam Carlsen im Endspiel zu einer Stellung, in der ihm das Läuferpaar nominellen Vorteil sicherte, aber bedrohlich wurden die Läufer nie.

Gesamtbilanz

AnandgegenCarlsen
Nach dem Remis in Dortmund stand es 2007 somit 3:1 für Anand. Und auch in den Disziplinen mit kürzerer Bedenkzeit hatte Anand die Nase vorn. Zwar trennten sich die beiden beim Melody Amber Turnier im März 2007 im Blind- und Schnellschach Remis, aber bei der Blitzweltmeisterschaft 2007, die im November unmittelbar nach dem Tal-Memorial in Moskau stattfand, besiegte der frisch gekürte Weltmeister Anand seinen späteren Herausforderer klar mit 2:0.

2008 wollte es Carlsen besser machen. Die erste Gelegenheit dazu hatte er beim traditionellen Corus Turnier in Wijk aan Zee gleich zu Beginn des Jahres. Im Vorjahr war Carlsen in Wijk aan Zee mit vier Niederlagen und neun Unentschieden ohne eine einzige Gewinnpartie Letzter geworden, doch 2008 zeigte er, wie viel er in den letzten zwölf Monaten gelernt hatte. Mit 8 aus 13 landete er punktgleich mit Levon Aronian auf dem geteilten ersten bis zweiten Platz, einen halben Punkt vor Weltmeister Anand. Das war zugleich das erste Mal in Carlsens Karriere, dass er Anand in einem Turnier hinter sich ließ.

Tabelle Corus2008

Auch in ihrer direkten Begegnung wirkte Carlsen entschlossen und hoch motiviert. Carlsen hatte Weiß und nachdem er in Dortmund mit 1.d4 nichts ausrichten konnte, wechselte er zu 1.e4. Anand verteidigte sich Sizilianisch und es kam zu einer spannenden, hoch komplexen Partie.

Gesamtbilanz

AnandgegenCarlsen5

Nach dieser enttäuschenden Niederlage musste Carlsen weiter auf seinen ersten Sieg gegen Anand warten. Mehr noch: Durch die Art, wie Anand seine bisherigen drei Siege gegen Carlsen erzielt hatte, schien er Carlsen zu sagen, dass er ihm in allen Bereichen des Schachs überlegen war. In der Hinrunde des Turniers in Morelia/Linares gewann Anand mit Schwarz eine ausgeglichene Stellung in einem damenlosen Endspiel, in der Rückrunde überspielte Anand den jungen Norweger in einer strategisch und taktisch brillanten Angriffspartie und bei seinem Sieg in Wijk demonstrierte Anand, wie gut er verteidigen kann.

Doch nur einen Monat später hatte Carlsen beim Turnier in Morelia/Linares 2008 eine weitere Möglichkeit zur Revanche. Ob die gelang, erfährt man in der nächsten Folge des Blogs.

Was bislang geschah:

Anand gegen Carlsen: Das Duell, Teil 1

Anand gegen Carlsen: Das Duell, Teil 2

Siehe auch: Schulmeisterliche Kritik: Wie man starkes Schach zernörgelt: Eine Besprechung von Adrian Michaltschischins und Oleg Stetskos Kämpfen und Siegen mit Magnus Carlsen

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2 Antworten auf Anand gegen Carlsen: Das Duell, Teil 3

  1. Divyam sagt:

    Klasse !!! freue mich schon auf den nächsten Beitrag Nr.4

  2. Remy.Heimers sagt:

    Mir gefällt die Carlsen-Anand-Serie ausgesprochen gut. Sie ist informativ und kurzweilig, ohne je ins Triviale zu geraten. So soll es ein. Weiter so!

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