Anand gegen Carlsen: Das Duell

Foto: ChessBase

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Am 6. November 2013 ist es soweit: Im indischen Chennai beginnt der Weltmeisterschaftskampf zwischen Weltmeister Vishy Anand und Herausforderer Magnus Carlsen, der Nummer eins der Welt. 12 Partien spielen die beiden gegeneinander und „offizieller“ Favorit ist Carlsen. Schließlich liegt der Norweger in der Weltrangliste mit einer Elo-Zahl von 2862 ganze 87 Punkte vor Anand, mit einer Zahl von 2775 aktuell (August 2013) die Nummer sieben der Welt. Außerdem ist der am 11. Dezember 1969 geborene Anand fast doppelt so alt wie sein Herausforderer, der am 30. November 1990 zur Welt kam.

Nicht zu vergessen die aktuelle Entwicklung. Während Carlsen in den letzten zwei Jahren von Erfolg zu Erfolg eilte und seine Elo-Zahl von 2821 im Juli 2011 auf 2862 im Juli 2013 hochschrauben konnte, ist Anands Turnierbilanz der letzten Jahre durchaus durchwachsen und seine Elo-Zahl fiel von 2817 im Juli 2011 auf 2775 im Juli 2013.

Aber dafür verfügt Anand über enorme Wettkampferfahrung und wirkt entschlossen, alles zu geben, um weitere zwei Jahre Weltmeister zu bleiben. Und wer weiß, ob das nicht wichtiger ist als Trends und Alter?

In ihren bisherigen Begegnungen war Anand jedenfalls erfolgreicher. 29 Partien mit klassischer Bedenkzeit listet die ChessBase Mega Database 2013 auf, sechs Mal gewann Anand, 20 Partien endeten Unentschieden und drei Mal hatte Carlsen das bessere Ende für sich.

Als Einstimmung auf den WM-Kampf im November möchte ich hier im Blog in loser Folge einen Blick auf die Vorgeschichte des Wettkampfs und interessante Momente dieser 29 Partien werfen.

Ihren ersten Wettkampf spielten Carlsen und Anand übrigens im Schnellschach gegeneinander. Das war im Juni 2005 im spanischen Leon. Anand besiegte den jungen Carlsen, der am 26. April 2004 im Alter von 13 Jahren und 148 Tagen Großmeister geworden war, klar mit 3:1. Anand gewann seine beiden Weißpartien mit guter Technik, die beiden Schwarzpartien hielt er mühelos Remis. Carlsen hatte zu keinem Zeitpunkt des Wettkampfs eine wirkliche Chance.

Eine kleine Revanche gelang Carlsen neun Monate später, bei einem Blitzturnier im isländischen Glitnir. Er besiegte Anand in Runde 5 mit 2:0.

Zu ihrer ersten „richtigen“ Turnierpartie mit klassischer Bedenkzeit kam es 2007, beim Corus Turnier in Wijk aan Zee. Viel los war bei diesem Debüt allerdings nicht. Carlsen hatte Weiß und in einem Najdorf-Sizilianer bekundeten die beiden ihren gegenseitigen Respekt und trennten sich nach nur 20 Zügen in einer unspektakulären Partie Remis.

Gesamtbilanz

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Doch nur einen etwa einen Monat später, als die beiden beim Spitzenturnier in Morelia/Linares wieder aufeinander trafen, war das vorsichtige Abtasten vorbei. Carlsen hatte Weiß und dieses Mal schien er es wissen zu wollen. Er spielte aggressiv und ungestüm, aber wurde von Anand nach allen Regeln der Kunst besiegt.

Ein klarer Sieg für Anand. Er war gut vorbereitet, verteidigte sich geschickt und überspielte Carlsen aus einer ausgeglichenen Stellung heraus in nur wenigen Zügen.

Gesamtbilanz

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Wie gut er angreifen kann, bewies Anand dann in seiner Partie gegen Carlsen in der Rückrunde des Turniers.

Und wie er das gemacht hat, erfährt man in Anand gegen Carlsen: Das Duell, Teil 2.

Siehe auch: Schulmeisterliche Kritik: Wie man starkes Schach zernörgelt: Eine Besprechung von Adrian Michaltschischins und Oleg Stetskos Kämpfen und Siegen mit Magnus Carlsen

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