Lasker liest Shakespeare

teaser_shakespeareCHANDOS3Shakespeare überall. Denn dieses Jahr feiert der englische Dramatiker seinen 450. Geburtstag. An welchem Tag des Jahres 1564 “der Barde” zur Welt gekommen ist weiß jedoch niemand so genau. Immerhin: Quellen belegen, dass Shakespeare am 26. April 1564 in Stratford-upon-Avon getauft wurde. Da man annimmt, die Taufe hätte bald nach der Geburt stattgefunden, legt man den Geburtstag des Dichters gerne auf den 23. April. Das ist übrigens auch sein Todestag. Denn nachdem Shakespeare als junger Mann Stratford, Frau und Kind verließ, um in London als Theatermann Karriere zu machen und reich zu werden, kehrte er zum Ende seines Lebens in seine Geburtsstadt zurück und starb dort mit 52 Jahren am 23. April 1616 – genau am gleichen Tag und im gleichen Jahr wie Miguel de Cervantes, Autor des Don Quijote.

Shakespeares Stücke waren bereits zu seinen Lebzeiten erfolgreich, heute sind sie es mehr denn je. Sie werden regelmäßig auf Bühnen in der ganzen Welt gespielt, haben zahllose Verfilmungen inspiriert und berühren und begeistern auch Jahrhunderte nach ihrer Entstehung immer noch Millionen von Menschen.

Manchmal treibt das kuriose Blüten. Ein Beispiel dafür, wie Schachspieler versuchen, den bewunderten Dramatiker und das geliebte Spiel zusammenzuführen, habe ich vor kurzem im Schachblog der ZEIT untersucht, ein weiteres anlässlich des Schwerpunktthemas „Schach und Literatur“ in meiner Kolumne „Ein Wort zum Schluss“ im KARL 1/2010.

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Ein Wort zum Schluss

So vielseitig er auch war, so hatte Lasker doch eigentlich nur eins im Sinn: Schach. Den ersten Weltkrieg sah er als Schachpartie, Steinitz wurde ihm zum Philosoph und wenn er Shakespeare las, fiel Lasker ein, es wäre doch „interessant zu wissen“, ob und wie stark Hamlet Schach spielen konnte. Seine Antwort: Vom Typ her geeignet, aber „ganz bestimmt schwach“, weil zu sehr in Gedanken verloren.

So gesehen fragt sich Boris Becker vielleicht, warum Hamlet Ophelia ins Wasser getrieben und nicht vor den Traualtar getragen hat oder ob der Dänenprinz gut Tennis spielen konnte. Stark in langen Grundlinienduellen, aber Schwächen bei den „Big Points“? Oder Tim Mälzer überlegt, wie Hamlet wohl als Koch so wäre. Hätte er Rezepte voll raffinierter Gewürze und Zutaten entwickelt, aber nie etwas auf den Tisch gebracht?

Leider verrät Lasker auch nicht, welche Figur der Weltliteratur denn das Zeug zum Großmeister hat. Das ist schade, tut sich doch hier ein weites Feld interpretatorischer Möglichkeiten auf. In Uni-Seminaren und auf Konferenzen könnten aufstrebende und etablierte Gelehrte diskutieren, wer bei Shakespeare, Dostojewski oder Schiller der beste Schachspieler ist. Mein Favorit bei den Deutschen Meisterschaften der Literatur wäre Faust, der durchaus das Zeug zum Weltmeister hat. Gut, Selbstzweifel könnten ihm gefährlich werden, aber Arbeitsmoral und die Bereitschaft, bei der Verfolgung seiner Ziele weder sich noch andere zu schonen, sprechen für den guten Doktor. Und sollte es hart auf hart kommen, darf man eines nicht vergessen: Faust hat mit Sicherheit den gefährlichsten Sekundanten.

 

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