Betrug: Ein viel zu aktuelles Thema

Cover der aktuellen KARL-Ausgabe

Cover der aktuellen KARL-Ausgabe

Vor Kurzem erschien der neue KARL, Schwerpunkt Betrug, leider ein viel zu aktuelles Thema. Denn mit Computer, Smartphone und Schachprogramm muss man mittlerweile selbst gar nicht gut spielen können, um erfolgreich zu sein. Alles, was man braucht, sind eine flexible Moral und die Bereitschaft, Regeln zu brechen, um sich Vorteile zu verschaffen. Und Letzteres ist ja, wie man zugeben muss, überaus menschlich, reizvoll und macht so manchen Verbrecher in Film und Literatur anziehend. Auch die aktuelle KARL-Ausgabe gewinnt dem an sich unschönen Thema Betrug charmante und unterhaltsame Seiten ab. Unter anderem mit Ausflügen in die Literatur, Erzählungen über skurrile Gestalten im Wiener Café Laudon, Betrachtungen über die juristischen Aspekte des Betrugs im Schach oder Gedanken zur Attraktivität des “falschen Spiels”. Als kleinen Appetithappen hier “meine” Kolumne zum aktuellen Schwerpunktthema.

EIN WORT ZUM SCHLUSS

Mir wurde noch nie Geld für ein Remis geboten. Ich fürchte, ich bin nicht gut genug, um jemanden in Versuchung zu bringen, meine moralische Standhaftigkeit mit einem saftigen Geldangebot zu testen. Doch ich kenne die Nöte der Spieler, die sich mit ihrem Gegner vor der Partie auf ein harmonisches Miteinander einigen wollen, aber Angst vor hässlichen Vorwürfen wie Schiebung, Unsportlichkeit oder Feigheit haben. Diesen Spielern hilft mein „AFD-Service“. Einfach eine Mail an remis@a-fine-draw.com schicken und Sie bekommen gegen eine geringe Gebühr auf ihre individuellen Bedürfnisse zugeschnittene unbekannte ruhige, schöne, unauffällige oder spektakuläre Remispartien geliefert, die Sie zusammen mit Ihrem Gegner studieren können. Mengenrabatte sind möglich.

 Leider werden Hilfsbereitschaft und Gutmütigkeit viel zu oft ausgenutzt. Deshalb behalte ich mir vor, die Idee zur Absprache kurzer Remispartien unter dem eingetragenen Markenzeichen AFD© urheberrechtlich schützen zu lassen. Als kleine Aufwandsentschädigung für die Zeit und die Mühe, die ich Tag für Tag aufwende, um das friedliche Miteinander der Schachspieler zu fördern, verlange ich lediglich 5% bis 10% des Preisgeldes all der Spieler, die im Laufe eines Turniers ein schnelles Remis vereinbart und am Ende Geld gewonnen haben – auch hier sind individuelle Rabatte möglich.

Doch sollte jemand versuchen, mich um meinen gerechten Anteil an diesem Preisgeld zu bringen, wäre ich schweren Herzens gezwungen, einen Anwalt aufzusuchen und eine Abmahnung unter Vorbehalt weiterer rechtlicher Schritte zu veranlassen. Betrüger sollten nicht ungestraft davonkommen.

Original: KARL (1/2013), S.66

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