Witzig: Shane Maloneys „Künstlerpech“

kuenstlerpech_cover_teaser„Es kommt mir kein russischer Roman in den Sinn, in dem sich einer der Helden in eine Kunstausstellung verirrt.“ Mit diesem Zitat des englischen Schriftstellers William Somerset Maugham, beginnt der australische Autor Shane Maloney seinen Roman Künstlerpech, eine vergnügliche Reise durch die Welt von Politik, Kunst und Korruption im australischen Melbourne. Künstlerpech beginnt mit einer Beinah-Liebesszene, in der sich Murray Whelan, politischer Berater des neuen Kulturministers von Melbourne, und Kunstexpertin Salina Fleet, einander nähern, aber am Ende aus Ungeschicklichkeit und Unentschlossenheit doch nicht zueinander finden.

Diese kurze Romanze, die nie eine war, endet schließlich und endgültig, als das verhinderte Liebespaar über die Leiche von Marcus Taylor stolpert – erfolgloser Künstler und Ehemann von Salina. Für die Polizei ein Selbstmord, doch wie Ich-Erzähler Whelan im Laufe des Buches herausfindet, hat der Künstler sich nicht selbst umgebracht, sondern vor allem zu viele und die falschen Bilder gefälscht.

Whelan allerdings ist ein Antiheld, ehrbar, aber weder besonders kompetent noch besonders klug oder raffiniert. Er stolpert durch die Ermittlungen, verkennt Zusammenhänge, verdächtigt eigentlich immer die Falschen, doch mit seiner hartnäckigen Ungeschicklichkeit setzt er Dinge in Gang, die schließlich zur Aufklärung des Verbrechens führen.

Das ist mit viel Tempo, Selbstironie, Situationskomik, spannend und vergnüglich erzählt und gibt Maloney mehr als eine Gelegenheit, sich mit Genuss über Sitten und Gebräuche in Politikbetrieb und Kunstszene lustig zu machen. Zum Beispiel, als Salina Fleet ihren zu früh verstorbenen Gatten gegen den Vorwurf verteidigt, seine Bilder seien Plagiate gewesen, und ihr Maloney dabei folgende Worte in den Mund legt:

„Marcus’ Bilderproduktion war eine vollkommen legitime Form von postmodernem Diskurs, mit dem er sich sehr weit vorwagte. Seine Pastiche-Parodien wirklicher Kunstwerke dekonstruierten gekonnt die gemeinhin geltenden Vorstellungen von Wert, Echtheit und Originalität. Sie waren eine kritische Antwort auf die überragende Bedeutung des sogenannten berühmten Künstlers.“ (Künstlerpech, S.249)

Whelan ist der Protagonist von sechs Romanen Shane Maloneys, zwei von ihnen wurden ins Deutsche übersetzt: Weck mich, bevor du gehst (Originaltitel Stiff) und eben Künstlerpech (Originaltitel Brush-Off). Diese Übersetzung kann keine leichte Aufgabe gewesen sein, denn die Originale strotzen vor schwer übersetzbaren australischen Idiomen und Wortwitz. Wirklich dankbar für das Ergebnis dieser schweren Aufgabe war Maloney wohl nicht – das zumindest legen seine mit ironischen Bemerkungen gespickten Betrachtungen über Übersetzungen dar, die er auf seiner Webseite anstellt.

Nun ist es leicht, Übersetzungen zu kritisieren und tatsächlich geht bei Übersetzungen fast immer etwas verloren. Je vielschichtiger und anspruchsvoller der Originaltext, desto größer die Verluste. Dessen ungeachtet bleiben die Erlebnisse und Abenteuer des Antihelden Whelan auch im Deutschen unterhaltsam und sehr, sehr witzig.

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Shane Maloney, Künstlerpech
Diogenes Verlag 2002

Über den Autor (Klappentext):

Shane Maloney, geboren 1953 in Hamilton im australischen Bundesstaat Victoria, leitete viele Jahre das Melbourne Comedy Festival. Er lebt mit seiner Frau und seinen zwei Kindern in Melbourne. Für Künstlerpech erhielt Maloney den begehrtesten australischen Krimipreis, den Ned-Kelly-Prize for Crime Fiction.

Offizielle Webseite Shane Maloneys

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Shane Maloney (Foto: Wikipedia)

Shane Maloneys Murray Whelan Reihe

Stiff (Weck mich, bevor du gehst), 1994
The Brush Off (Künstlerpech), 1996
Nice Try, 1998
The Big Ask, 2000
Something Fishy, 2002
The Happy Phrase, 2004

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