{"id":735,"date":"2013-08-25T10:45:51","date_gmt":"2013-08-25T08:45:51","guid":{"rendered":"http:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/?p=735"},"modified":"2013-08-25T10:55:51","modified_gmt":"2013-08-25T08:55:51","slug":"na-ja-jeffrey-b-burtons-der-schachspieler","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/2013\/08\/25\/na-ja-jeffrey-b-burtons-der-schachspieler\/","title":{"rendered":"Na ja: Jeffrey B. Burtons &#8220;Der Schachspieler&#8221;"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-738\" alt=\"Burton_Schachspieler_cover_klein\" src=\"http:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Burton_Schachspieler_cover_klein.jpg\" width=\"143\" height=\"225\" \/>Zur Abwechslung ein wenig Werbung. F\u00fcr eine gute Sache. Seit 1983 gibt Arno Nickel jedes Jahr den Schachkalender heraus, einen informativen, unterhaltsamen und praktischen Taschenkalender f\u00fcr Schachspieler. Neben kurzen biographischen Angaben \u00fcber historische und aktuelle Schachgr\u00f6\u00dfen, wichtigen Terminen und Adressen, Elo-Listen und Mannschaftsaufstellungen der Schachbundesliga enth\u00e4lt der Kalender jedes Jahr zahlreiche Artikel zum aktuellen und vergangenen Schachgeschehen. 2013 habe ich dort eine Rezension \u00fcber Jeffrey B. Burtons <i>The Chessman<\/i> ver\u00f6ffentlicht, ein amerikanischer Thriller, der Anfang August unter dem Titel <i>Der Schachspieler<\/i> auf Deutsch erschien. So gesehen war der Schachkalender 2013 seiner Zeit sogar voraus.<!--more Zur Rezension... --><\/p>\n<p><b>Thrillerstrategien: Jeffrey B. Burtons \u201eThe Chessman\u201c<\/b><\/p>\n<p>Literarische Genres erinnern an Schacher\u00f6ffnungen. Hier wie dort gibt es Muster und Motive, die wiederkehren und Genre oder Variante pr\u00e4gen. Versierte Spieler kennen die typischen Muster einer Er\u00f6ffnung, wenden sie an und variieren sie nach Bedarf. Versierte Krimiautoren kennen die Muster ihres Genres, wenden sie an und variieren sie nach Bedarf.<\/p>\n<p>Jeffrey B. Burtons Thriller <i>The Chessman<\/i> l\u00e4dt zu diesem Vergleich ein, denn schon im Titel sucht er die N\u00e4he zum Schachspiel. Zugleich enth\u00e4lt der Roman klassische Elemente des Kriminalromans, speziell des Serienkillergenres. Einen Ermittler, dessen Ehe gescheitert ist, weil er sich zu sehr in einen Fall vergraben hat, eine Liebesgeschichte, die sich im Laufe der Ermittlungen anbahnt, korrupte Politiker, verzogene S\u00f6hne reicher Eltern, Mafiakiller, Selbstmorde, die keine sind, falsche F\u00e4hrten und ambivalente Allianzen zwischen Detektiv und Verd\u00e4chtigen sowie einen intelligenten Serient\u00e4ter, der Polizei und FBI vor fast unl\u00f6sbare R\u00e4tsel stellt.<\/p>\n<p>Bei Burton ist das der \u201eChessman\u201c, ein Serienm\u00f6rder, der Schachfiguren am Tatort zur\u00fcckl\u00e4sst. Als sein Gegner fungiert David Cady, FBI-Agent im Ruhestand, er\u00f6ffnet wird der Roman mit dem Mord an einem hochrangigen Politiker. Da man eine Schachfigur am Tatort findet, glaubt das FBI, der \u201eChessman\u201c h\u00e4tte drei Jahre nach seiner ersten Mordserie wieder zugeschlagen \u2013 obwohl diese F\u00e4lle nach dem Selbstmord des Hauptverd\u00e4chtigen abgeschlossen zu sein schienen. Durch den Politikermord wird Cady, der den Chessman zuvor nicht fassen konnte, zur Wiederaufnahme der Partie eingeladen und bekommt eine Chance zur Revanche. Er rollt den alten Fall noch einmal auf, um den neuen Fall zu l\u00f6sen.<\/p>\n<p>F\u00fcr Burton Anlass zu einer Reihe von R\u00fcckblenden und Zeitspr\u00fcngen, die m\u00f6glicherweise die Analyse einer Schachpartie imitieren sollen, aber nicht f\u00fcr Spannung sorgen, sondern verwirren, denn ohne gro\u00dfe Hilfe des Autors muss der Leser verfolgen, wer wann gerade gegen wen ermittelt und wer wen warum verhaften oder umbringen will.<\/p>\n<p>F\u00fcr Un\u00fcbersichtlichkeit sorgt auch die Angewohnheit Burtons, immer wieder neue Charaktere einzuf\u00fchren, von denen man vermuten darf, dass sie f\u00fcr den Verlauf der Geschichte wichtig sind oder werden k\u00f6nnten, was man allerdings nie wirklich wei\u00df, denn nur selten gibt Burton seinen Lesern Gelegenheit, sich an diese neuen Charaktere zu gew\u00f6hnen. Sie tauchen auf, tun etwas und verschwinden wieder.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-741\" alt=\"chessman_cover\" src=\"http:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/chessman_cover.jpg\" width=\"360\" height=\"503\" srcset=\"https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/chessman_cover.jpg 360w, https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/chessman_cover-214x300.jpg 214w\" sizes=\"(max-width: 360px) 100vw, 360px\" \/><br \/>\n<em>Cover der amerikanischen Ausgabe<\/em><\/p>\n<p>Bei diesem bunten Mix an Figuren, Zeitspr\u00fcngen und Handlungsstr\u00e4ngen braucht es eine gewisse Zeit, bis Ermittlung und Roman an Tempo gewinnen. Doch irgendwann wei\u00df man, was der erfahrene Krimileser schon lange geahnt hat: der \u201eChessman\u201c ist nicht tot, sondern lebt, denn in diesem Genre sind Selbstmorde von Verd\u00e4chtigen immer verd\u00e4chtig und Serienkiller sterben vor dem Showdown mit ihrem Verfolger nicht.<\/p>\n<p>Keine sch\u00f6ne Erkenntnis f\u00fcr den tapferen Cady, der daf\u00fcr immerhin die nie v\u00f6llig gekl\u00e4rte erste Mordserie l\u00f6sen kann und eine neue Frau f\u00fcrs Leben trifft. Zugleich lernt er im Laufe der Ermittlungen viel \u00fcber seinen Gegenspieler und kommt ihm in mehr als einer Hinsicht gef\u00e4hrlich nahe. Auch der Leser wird schlie\u00dflich belohnt: mit ein paar spannenden und gelungenen Szenen und einem z\u00fcnftigen Showdown, in dem man erf\u00e4hrt, wer all die Leute waren, denen man im Laufe des Romans begegnet ist und ob sie zu den Guten oder zu den B\u00f6sen geh\u00f6ren.<\/p>\n<p>Wer allerdings durch den Titel verlockt auf viel Schach im Roman hofft, wird entt\u00e4uscht. Ja, die Motive des \u201eChessman\u201c haben mit Schach zu tun, er hat gute Gr\u00fcnde, Schachfiguren am Tatort zu hinterlassen, aber wie so oft in Literatur, Werbung und Film, dient Schach in <i>The Chessman<\/i> vor allem als Symbol f\u00fcr kalte Intelligenz, skrupelloses strategisches Planen und k\u00fchle Kalkulation. Burton bedient sich dieser Symbolik, ohne sie in Frage zu stellen, zu ver\u00e4ndern, zu bereichern oder ihr eine neue Bedeutung zu verleihen und begn\u00fcgt sich so damit, Klischees \u00fcber Schach und Schachspieler zu reproduzieren.<\/p>\n<p>Auch hier erinnert der Thriller an eine Schacher\u00f6ffnung: Muster, Motive und die Anfangsz\u00fcge einer Variante zu kennen ist gut und sch\u00f6n, aber das allein reicht nicht, um eine gute Partie zu spielen. Wie man das macht, steht in keinem Buch und funktioniert nicht nach Rezept.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-736\" alt=\"Burton_JDer_Schachspieler_cover\" src=\"http:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Burton_JDer_Schachspieler_cover.jpg\" width=\"360\" height=\"568\" srcset=\"https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Burton_JDer_Schachspieler_cover.jpg 360w, https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Burton_JDer_Schachspieler_cover-190x300.jpg 190w\" sizes=\"(max-width: 360px) 100vw, 360px\" \/><br \/>\n<em>Cover der deutschen Ausgabe<\/em><\/p>\n<p><strong><em>Der Schachspieler<br \/>\n<\/em><\/strong>Thriller<br \/>\nOriginaltitel: <em>The Chessman<br \/>\n<\/em>Originalverlag: MacAdam\/Cage Publishing<br \/>\nAus dem Amerikanischen von <a href=\"http:\/\/www.randomhouse.de\/Autor\/Norbert_Jakober\/p108546.rhd\" target=\"blank\">Norbert Jakober<\/a><\/p>\n<div>\n<p>Deutsche Erstausgabe<\/p>\n<p>Taschenbuch, Broschur, 384 Seiten, 11,8 x 18,7 cm<br \/>\n8,99 Euro, ISBN: 978-3-453-43724-1<\/p>\n<p>Verlag: <a href=\"http:\/\/www.randomhouse.de\/house\/publishinghouse.jsp?pub=30000\" target=\"blank\">Heyne<\/a><\/p>\n<\/div>\n<div class='sfsi_Sicons' style='width: 100%; display: inline-block; vertical-align: middle; text-align:left'><div style='margin:0px 8px 0px 0px; line-height: 24px'><span><\/span><\/div><div class='sfsi_socialwpr'><div class='sf_subscrbe' style='text-align:left;vertical-align: middle;float:left;width:64px'><a href=\"http:\/\/www.specificfeeds.com\/widgets\/emailSubscribeEncFeed\/Q0FJU2IrL21rdElzb0J1Mnd4UWp5M2JZMHQ5YXBNTW01ZnhPcUtDWnpWVFVEcEgvdGwvUHQ3R2lnWTEyVjh2WmFlaE1KbEw2YnBuZ3hRMFFqNEZoQWgyNFlqRGZydzNJZEFYS3VPMjhCZVNHbFNuNU5qbXI1OGNjeW8zb1dXVlh8aDdxZGtDYTZTaTNPNTZZcENLZXhwbkF0bTlJWFpwWitxQTAwdHRkU3VOdz0=\/OA==\/\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/wp-content\/plugins\/ultimate-social-media-icons\/images\/follow_subscribe.png\" alt=\"error\" \/><\/a><\/div><div class='sf_fb' style='text-align:left;vertical-align: middle;width:98px'><div class=\"fb-like\" data-href=\"https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/2013\/08\/25\/na-ja-jeffrey-b-burtons-der-schachspieler\/\" data-width=\"180\" data-send=\"false\" data-show-faces=\"false\"  data-action=\"like\" data-share=\"true\"data-layout=\"button\" ><\/div><\/div><div class='sf_twiter' style='text-align:left;float:left;vertical-align: middle;width:auto'><a href=\"http:\/\/twitter.com\/share\" data-count=\"none\" class=\"sr-twitter-button twitter-share-button\" lang=\"en\" data-url=\"https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/2013\/08\/25\/na-ja-jeffrey-b-burtons-der-schachspieler\/\" data-text=\"Na ja: Jeffrey B. 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