{"id":3267,"date":"2019-06-30T13:50:40","date_gmt":"2019-06-30T11:50:40","guid":{"rendered":"https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/?p=3267"},"modified":"2019-07-03T21:31:42","modified_gmt":"2019-07-03T19:31:42","slug":"glanzpartie-mit-schoenheitsfehler","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/2019\/06\/30\/glanzpartie-mit-schoenheitsfehler\/","title":{"rendered":"Glanzpartie und Aussenseitersieg mit Sch\u00f6nheitsfehler"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-3268\" src=\"https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2019\/06\/hertneck-teaser.jpg\" alt=\"\" width=\"250\" height=\"158\" \/>Guten Ratschl\u00e4gen zu folgen ist schwer. Ich wei\u00df gar nicht, wie oft ich schon geh\u00f6rt, gelesen oder mir selbst oder anderen gepredigt habe, dass man beim Schach bis zum letzten Zug aufpassen muss. Aber trotzdem passiert es mir immer wieder, dass ich diesen klugen Rat im Vorgef\u00fchl eines nahenden Sieges ungeduldig ignoriere. Das hat mich schon zahlreiche Punkte gekostet und auch eine meiner vielleicht besten Partien verdorben. <!--more--><\/p>\n<p>Das war eine Schnellpartie, die ich 1990 gegen Gerald Hertneck gespielt habe, in den 80er und 90er Jahre einer der besten deutschen Spieler und mehrfach Mitglied der deutschen Nationalmannschaft.<\/p>\n<p>Hertneck war immer Amateur, er arbeitet bei der M\u00fcnchener Stadtverwaltung, spielt f\u00fcr MSA Zugzwang M\u00fcnchen in der Ersten und Zweiten Bundesliga und f\u00f6rdert seinen Verein auch sonst engagiert. Mit einer Elo-Zahl von 2495 (Stand Juni 2019) liegt Hertneck aktuell auf Platz 46 der deutschen Rangliste und kommentiert als origineller und unterhaltsamer Kolumnist in lesenswerten Beitr\u00e4gen auch immer wieder das aktuelle Schachgeschehen oder erinnert sich an die zahlreichen H\u00f6hepunkte seiner Schachkarriere. Au\u00dferdem ist Hertneck Mitbegr\u00fcnder der M\u00fcnchener Schachakademie und der M\u00fcnchener Schachstiftung sowie ein starker Shogi-Spieler.<\/p>\n<p>Im Januar 1994 war Hertneck mit einer Elo-Zahl von 2615 die Nummer 50 der Welt, aber als wir gegeneinander gespielt haben, hatte er mit einer Elo-Zahl von 2555 zwar schon Gro\u00dfmeisterst\u00e4rke, doch verliehen wurde ihm der Titel erst ein Jahr sp\u00e4ter, 1991. Ich hatte damals eine Elo-Zahl von 2325 Punkten und war in der Partie also klarer Au\u00dfenseiter. Au\u00dferdem hatte ich Schwarz und so gesehen lief die Er\u00f6ffnung gut f\u00fcr mich, denn in einem K\u00f6nigsinder kam es zu einer Stellung, in der die strategischen Pl\u00e4ne beider Seiten eindeutig waren und in der es vor allem darauf ankam, taktische Chancen zu nutzen.<\/p>\n\n\n<p class=\"rpbchessboard-spacerBefore\"><\/p>\n\n<div id=\"rpbchessboard-69dfcba87ee39-1\" class=\"rpbchessboard-chessgame\">\n\t<noscript>\n\t\t\t\t<div class=\"rpbchessboard-noJavascriptBlock\">[Event &quot;Neu-Isenburg Schnellturnier&quot;]\r\n[Site &quot;?&quot;]\r\n[Date &quot;1990.??.??&quot;]\r\n[Round &quot;?&quot;]\r\n[White &quot;Hertneck, Gerald&quot;]\r\n[Black &quot;Fischer, Johannes&quot;]\r\n[Result &quot;0-1&quot;]\r\n[ECO &quot;E70&quot;]\r\n[WhiteElo &quot;2555&quot;]\r\n[BlackElo &quot;2325&quot;]\r\n[PlyCount &quot;108&quot;]\r\n[EventDate &quot;1990.??.??&quot;]\r\n[SourceVersionDate &quot;2019.06.08&quot;]\r\n\r\n1. d4 Nf6 2. Nf3 g6 3. c4 Bg7 4. Nc3 O-O 5. e4 c6 {Eine Nebenvariante des\r\nK\u00f6nigsinders, die ich damals vor allem gespielt habe, um theoretischen\r\nVarianten aus dem Weg zu gehen. Schwarz will &#8230;d5 spielen, um den Springer f6\r\neventuell nach e4 ziehen zu k\u00f6nnen und nach Abtausch auf e4 Druck auf den\r\nBauern d4 auszu\u00fcben. Heute wirkt dieses System jedoch alles andere als\r\n\u00fcberzeugend auf mich.} 6. Bd3 {Wei\u00df deckt den Punkt e4 und so entschied ich\r\nmich daf\u00fcr, klassischen k\u00f6nigsindischen Mustern zu folgen.} d6 7. O-O Nbd7 8.\r\nBc2 e5 9. d5 cxd5 10. cxd5 Nh5 {Sehr direkt. F\u00fcr mich bestand ein gro\u00dfer\r\nCharme des K\u00f6nigsinders immer in der M\u00f6glichkeit, den Wei\u00dfen sofort\r\nanzugreifen.} 11. g3 Ndf6 12. Ne1 Bh3 13. Ng2 Ng4 {Wieder sehr direkt gespielt.\r\nSchwarz bringt drei seiner Leichtfiguren in Stellung und will mit &#8230;f5 und &#8230;\r\nf4 angreifen. Wenn ihm das gelingt, steht er gut, wenn Wei\u00df den Angriff\r\nabwehren kann, steht Schwarz schlecht. In der Partie kommt es schnell zum\r\nkritischen Punkt.} 14. Qe2 f5 15. f3 Qb6+ 16. Kh1 f4 $1 {Ich hatte genug\r\nAngriffspartien und K\u00f6nigsinder gesehen, um zu wissen, dass man im kritischen\r\nMoment keine Angst haben darf, Material zu opfern. Allerdings ist auch das ein\r\nRatschlag, den man gerne vergisst, wenn die eigenen Figuren angegriffen sind.}\r\n17. fxg4 f3 $1 {Das ist die eigentliche Pointe des Figurenopfers im vorherigen\r\nZug. Schwarz \u00f6ffnet die f-Linie und nutzt die verkrampfte Stellung des\r\nSpringers auf g2 aus.} 18. Rxf3 Rxf3 19. Qxf3 Rf8 {So weit hatte ich bei 16&#8230;\r\nf4 gerechnet und gesehen, dass Wei\u00df jetzt eine Figur nach f4 ziehen muss, um\r\nden schwarzen Angriff abzuwehren. Diese Figur w\u00fcrde ich mit meinem e-Bauern\r\nnehmen, um dem schwarzfeldrigen L\u00e4ufer auf g7 die lange Diagonale zu \u00f6ffnen.\r\nUnd wer K\u00f6nigsindisch spielt, muss einfach Vertrauen in das Angriffspotenzial\r\nseines schwarzfeldrigen L\u00e4ufers haben.} 20. Nf4 ({Nach} 20. Qe2 Rf2 21. Be3\r\nRxe2 22. Bxb6 Bxg2+ 23. Kg1 Rxc2 24. Bf2 Nf6 25. Kxg2 Nxg4 26. Nd1 Bh6 27. b4\r\nNxf2 28. Nxf2 Be3 29. Rf1 Rxa2 {erh\u00e4lt Schwarz ein gewonnenes Endspiel.}) ({\r\nUnd nach} 20. Qd1 {setzt Schwarz mit} Bxg2+ 21. Kxg2 Rf2+ 22. Kh1 Rxh2+ 23.\r\nKxh2 Qf2+ 24. Kh3 Qxg3# {Matt.}) 20... exf4 21. gxf4 {Ich muss zugeben, dass\r\nich bei Vertrauen in die Kraft des Schwarzfelders den Wei\u00dffelder ein wenig\r\nstiefm\u00fctterlich behandelt hatte. Erst hier wurde mir klar, wie gef\u00e4hrdet er\r\nauf dem scheinbar starken Angriffsfeld h3 eigentlich steht. Aber auf zweiten\r\nBlick war mir klar, dass Schwarz hier nur eine einzige vern\u00fcnftige\r\nFortsetzung hat.} Nxf4 $1 22. Bxf4 Qxb2 {Solche Stellungen sind der Traum eines\r\nK\u00f6nigsindisch-Spielers: man greift am K\u00f6nigsfl\u00fcgel an, aber gewinnt auf den\r\nschwarzen Feldern im Zentrum und am Damenfl\u00fcgel.} 23. Rg1 Qxc2 24. Qxh3 {\r\nNach diesem Zug steht Schwarz klar auf Gewinn.} ({Aber auch nach} 24. Ne2 g5\r\n25. Qxh3 gxf4 26. Qf3 Qxa2 {sollten die schwarzen Freibauern am Damenfl\u00fcgel\r\ndie Partie gewinnen.}) 24... Rxf4 25. Nd1 Qxe4+ 26. Qg2 Rxg4 27. Qxe4 Rxe4 {\r\nDie taktischen Komplikationen sind vorbei, Schwarz hat zwei Bauern mehr und\r\nder schwarze L\u00e4ufer ist deutlich besser als der wei\u00dfe Springer. Schwarz\r\nsteht auf Gewinn. Den folgenden Teil der Partie habe ich allerdings nicht sehr\r\nsouver\u00e4n behandelt &#8211; um es einmal so zu sagen.} 28. Kg2 Re2+ 29. Kf3 Rxa2 30.\r\nRe1 Be5 31. Ne3 Rxh2 32. Rc1 Rh3+ 33. Ke2 a5 34. Rc7 a4 35. Rxb7 a3 36. Ra7 a2\r\n37. Nc2 Rh2+ 38. Kd3 Rxc2 39. Kxc2 a1=Q {So weit, so gut. Schwarz steht mehr\r\nals deutlich auf Gewinn, und ich muss gestehen, dass mir der Gedanke kam,\r\n\u00fcber das peinliche Ende dieser Partie mit dem bew\u00e4hrten Satz &#8220;und Schwarz\r\ngewann&#8221; den ber\u00fchmten Mantel des Schweigens zu breiten. Doch das w\u00fcrde einen\r\nwichtigen, interessanten und leider auch typischen Teil dieser Partie\r\nunterschlagen. Nun war dies eine Schnellpartie, die man damals, 1990, noch\r\nohne Inkrement spielte, und so k\u00f6nnte man denken, ich h\u00e4tte nach all den\r\nKomplikationen, die mich zu dieser Stellung gef\u00fchrt haben, nur noch Sekunden\r\nauf der Uhr gehabt, um Wei\u00df Matt zu setzen. Aber das war nicht so. Ich hatte\r\nnoch mehrere Minuten auf der Uhr und mehr als genug Zeit, um die Partie zu\r\neinem halbwegs w\u00fcrdigen Abschluss zu bringen.} 40. Rb7 Qc3+ 41. Kd1 Bf4 {\r\nWas jetzt folgt, ist wirklich schwer zu erkl\u00e4ren. Ich war einerseits im\r\nRausch, weil ich nach den glanzvollen Opfern tats\u00e4chlich eine klare\r\nGewinnstellung hatte, aber vor allem habe ich mich gefragt, warum Hertneck\r\nweiter spielt. Aber auch diese Frage habe ich mir nicht ernsthaft gestellt,\r\nsondern stattdessen phantasiert, wie er aufgibt, mir die Hand sch\u00fcttelt und\r\nzu meiner phantastischen Leistung gratuliert. Diese Phantasien haben mich\r\ndavon abgehalten, den schnellsten und einfachsten Weg zum Gewinn zu suchen und\r\nden einzigen Trick, den Wei\u00df noch hat, zu entdecken. Wenn ich mir die Partie\r\nim Abstand von 29 Jahren anschaue, frage ich mich, warum Schwarz nicht einfach\r\nseinen h-Bauern nach vorne gesto\u00dfen hat.} 42. Ke2 Qe3+ 43. Kf1 Qf3+ 44. Kg1\r\nBg3 $2 {Unglaublich! Schwarz spielt Wei\u00df direkt in die H\u00e4nde.} 45. Rg7+ $1 {\r\nNat\u00fcrlich! Nach diesem Zug bin ich aus allen Wolken gefallen. Wenn Schwarz\r\nden Turm nimmt, ist Wei\u00df Patt und die ganzen glanzvollen Man\u00f6ver der Partie\r\n\u00e4ndern dann nichts am Remis. Ich habe immer bewundert und beneidet, wie\r\nhartn\u00e4ckig Hertneck schlechte Stellungen verteidigt. Allerdings habe ich\r\nw\u00e4hrend der Partie, als ich eine Dame mehr hatte, auch gedacht, dass er es\r\nmit dem Widerstand manchmal \u00fcbertreibt. Aber die Partiefortsetzung gibt ihm\r\nRecht.} Kf8 46. Rg8+ Ke7 47. Re8+ Kd7 48. Re7+ ({Nach} 48. Rd8+ Kc7 49. Rc8+\r\nKb6 50. Rc6+ Kb5 51. Rb6+ Kc5 52. Rb5+ Kd4 53. Rb4+ Ke5 {Entkommt der schwarze\r\nK\u00f6nig den Schachgeboten.}) 48... Kd8 {Zum Gl\u00fcck f\u00fcr Schwarz kann der\r\nschwarze K\u00f6nig den Schachgeboten des Turms entkommen.} 49. Rd7+ ({Auch nach}\r\n49. Re8+ Kc7 {flieht der schwarze K\u00f6nig ins Freie.}) 49... Ke8 50. Re7+ Kf8\r\n51. Re8+ ({Nach} 51. Rf7+ {folgt} Qxf7 {(!).}) 51... Kg7 52. Rg8+ Kh6 53. Rxg6+\r\nKh5 54. Rh6+ Kg4 {Nach 55.Tg6 Kh3 56.Th6+ Lh4 57.Txh4+ Kxh4 ist die\r\nPattstellung aufgehoben und Schwarz gewinnt.} 0-1<\/div>\n\t\t\t\t<div class=\"rpbchessboard-javascriptWarning\">\n\t\t\tSie m\u00fcssen JavaScript aktivieren, um die Notation zu verbessern.\t\t<\/div>\n\t<\/noscript>\n\t<div class=\"rpbchessboard-chessgameAnchor\"><\/div>\n\t<script type=\"text\/javascript\">\n\t\tjQuery(document).ready(function($) {\n\t\t\t\t\t\t$.chessgame.navigationButtonClass  = 'rpbchessboard-jQuery-enableSmoothness';\n\t\t\t$.chessgame.navigationFrameClass   = 'wp-dialog';\n\t\t\t$.chessgame.navigationFrameOptions = {\"squareSize\":40,\"showCoordinates\":true,\"colorset\":\"original\",\"pieceset\":\"cburnett\",\"animationSpeed\":200,\"showMoveArrow\":false};\n\t\t\tvar selector = '#' + \"rpbchessboard-69dfcba87ee39-1\" + ' .rpbchessboard-chessgameAnchor';\n\t\t\t$(selector).removeClass('rpbchessboard-chessgameAnchor').chessgame({\"pgn\":\"[Event \\\"Neu-Isenburg Schnellturnier\\\"]\\r\\n[Site \\\"?\\\"]\\r\\n[Date \\\"1990.??.??\\\"]\\r\\n[Round \\\"?\\\"]\\r\\n[White \\\"Hertneck, Gerald\\\"]\\r\\n[Black \\\"Fischer, Johannes\\\"]\\r\\n[Result \\\"0-1\\\"]\\r\\n[ECO \\\"E70\\\"]\\r\\n[WhiteElo \\\"2555\\\"]\\r\\n[BlackElo \\\"2325\\\"]\\r\\n[PlyCount \\\"108\\\"]\\r\\n[EventDate \\\"1990.??.??\\\"]\\r\\n[SourceVersionDate \\\"2019.06.08\\\"]\\r\\n\\r\\n1. d4 Nf6 2. 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Wenn ihm das gelingt, steht er gut, wenn Wei\\u00df den Angriff\\r\\nabwehren kann, steht Schwarz schlecht. In der Partie kommt es schnell zum\\r\\nkritischen Punkt.} 14. Qe2 f5 15. f3 Qb6+ 16. Kh1 f4 $1 {Ich hatte genug\\r\\nAngriffspartien und K\\u00f6nigsinder gesehen, um zu wissen, dass man im kritischen\\r\\nMoment keine Angst haben darf, Material zu opfern. Allerdings ist auch das ein\\r\\nRatschlag, den man gerne vergisst, wenn die eigenen Figuren angegriffen sind.}\\r\\n17. fxg4 f3 $1 {Das ist die eigentliche Pointe des Figurenopfers im vorherigen\\r\\nZug. Schwarz \\u00f6ffnet die f-Linie und nutzt die verkrampfte Stellung des\\r\\nSpringers auf g2 aus.} 18. Rxf3 Rxf3 19. Qxf3 Rf8 {So weit hatte ich bei 16&#8230;\\r\\nf4 gerechnet und gesehen, dass Wei\\u00df jetzt eine Figur nach f4 ziehen muss, um\\r\\nden schwarzen Angriff abzuwehren. 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Aber auf zweiten\\r\\nBlick war mir klar, dass Schwarz hier nur eine einzige vern\\u00fcnftige\\r\\nFortsetzung hat.} Nxf4 $1 22. Bxf4 Qxb2 {Solche Stellungen sind der Traum eines\\r\\nK\\u00f6nigsindisch-Spielers: man greift am K\\u00f6nigsfl\\u00fcgel an, aber gewinnt auf den\\r\\nschwarzen Feldern im Zentrum und am Damenfl\\u00fcgel.} 23. Rg1 Qxc2 24. Qxh3 {\\r\\nNach diesem Zug steht Schwarz klar auf Gewinn.} ({Aber auch nach} 24. Ne2 g5\\r\\n25. Qxh3 gxf4 26. Qf3 Qxa2 {sollten die schwarzen Freibauern am Damenfl\\u00fcgel\\r\\ndie Partie gewinnen.}) 24... Rxf4 25. Nd1 Qxe4+ 26. Qg2 Rxg4 27. Qxe4 Rxe4 {\\r\\nDie taktischen Komplikationen sind vorbei, Schwarz hat zwei Bauern mehr und\\r\\nder schwarze L\\u00e4ufer ist deutlich besser als der wei\\u00dfe Springer. Schwarz\\r\\nsteht auf Gewinn. Den folgenden Teil der Partie habe ich allerdings nicht sehr\\r\\nsouver\\u00e4n behandelt &#8211; um es einmal so zu sagen.} 28. Kg2 Re2+ 29. Kf3 Rxa2 30.\\r\\nRe1 Be5 31. Ne3 Rxh2 32. 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Nach diesem Zug bin ich aus allen Wolken gefallen. Wenn Schwarz\\r\\nden Turm nimmt, ist Wei\\u00df Patt und die ganzen glanzvollen Man\\u00f6ver der Partie\\r\\n\\u00e4ndern dann nichts am Remis. Ich habe immer bewundert und beneidet, wie\\r\\nhartn\\u00e4ckig Hertneck schlechte Stellungen verteidigt. Allerdings habe ich\\r\\nw\\u00e4hrend der Partie, als ich eine Dame mehr hatte, auch gedacht, dass er es\\r\\nmit dem Widerstand manchmal \\u00fcbertreibt. Aber die Partiefortsetzung gibt ihm\\r\\nRecht.} Kf8 46. Rg8+ Ke7 47. Re8+ Kd7 48. Re7+ ({Nach} 48. Rd8+ Kc7 49. Rc8+\\r\\nKb6 50. Rc6+ Kb5 51. Rb6+ Kc5 52. Rb5+ Kd4 53. Rb4+ Ke5 {Entkommt der schwarze\\r\\nK\\u00f6nig den Schachgeboten.}) 48... Kd8 {Zum Gl\\u00fcck f\\u00fcr Schwarz kann der\\r\\nschwarze K\\u00f6nig den Schachgeboten des Turms entkommen.} 49. Rd7+ ({Auch nach}\\r\\n49. Re8+ Kc7 {flieht der schwarze K\\u00f6nig ins Freie.}) 49... Ke8 50. Re7+ Kf8\\r\\n51. Re8+ ({Nach} 51. Rf7+ {folgt} Qxf7 {(!).}) 51... Kg7 52. 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