{"id":2527,"date":"2018-10-29T21:24:27","date_gmt":"2018-10-29T20:24:27","guid":{"rendered":"https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/?p=2527"},"modified":"2018-10-29T21:25:24","modified_gmt":"2018-10-29T20:25:24","slug":"im-archiv-geblaettert-die-schacholympiade-leipzig-1960","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/2018\/10\/29\/im-archiv-geblaettert-die-schacholympiade-leipzig-1960\/","title":{"rendered":"Im Archiv gebl\u00e4ttert: Die Schacholympiade Leipzig 1960"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-2555\" src=\"https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/bobby-fischer.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"241\" \/>Am 6. Oktober ging in Batumi die 43. Schacholympiade zu Ende und Schacholympiaden wecken bei mir regelm\u00e4\u00dfig Erinnerungen an fr\u00fchere Olympiaden. Eine ganz besondere Veranstaltung muss die 14. Schacholympiade gewesen sein, die vor 58 Jahren, vom 26. Oktober bis zum 9. November 1960, in Leipzig gespielt wurde. Spieler wie Mihail Tal, Bobby Fischer (<em>Bild<\/em>), Mikhail Botvinnik, Tigran Petrosian, Viktor Kortschnoi, Vlastimil Hort oder Paul Keres waren dabei und nach offiziellen Angaben kamen 75.364 Zuschauer ins Ringmessehaus in Leipzig, um diese und andere Schachstars zu sehen.\u00a0 Zur Erinnerung an Leipzig und an diese Olympiade m\u00f6chte ich hier noch einmal einen Artikel ver\u00f6ffentlichen, den ich vor einiger Zeit \u00fcber dieses Highlight in der Geschichte der Schacholympiaden geschrieben habe.<!--more--><\/p>\n<p><strong>Das unerf\u00fcllte Versprechen: Die Schacholympiade Leipzig 1960<\/strong><\/p>\n<p>Seit ihrer Gr\u00fcndung im Jahre 1949 bis zum Fall der Mauer 1989 waren die beiden deutschen Staaten, DDR und BRD, Rivalen. Politisch, wirtschaftlich und sportlich. Und da Konkurrenz das Gesch\u00e4ft belebt, wollte die DDR bei der Ausrichtung der Schacholympiade 1960 nicht hinter den Westdeutschen, die 1958 die Schacholympiade in M\u00fcnchen organisiert hatten, zur\u00fcckbleiben. Unter Leitung von Dr. Johannes Dieckmann, dem Pr\u00e4sidenten der Volkskammer der DDR und Vorsitzenden des Organisationskomitees, sowie Herbert Gr\u00e4tz, dem Vorsitzenden des Exekutivkomitees, stellte man vom 26. Oktober bis zum 9. November 1960 in der Messestadt Leipzig ein einzigartiges Schachspektakel auf die Beine. Neben der ausgezeichneten Betreuung der Spieler und ihrer Begleiter sorgte das Organisationskomitee f\u00fcr ein attraktives Rahmenprogramm: u.a. standen ein Problemturnier, ein Treffen der Fernschachfreunde und der Veteranen der Arbeiterschachverb\u00e4nde, ein Damenturnier, Museumsbesuche in Leipzig und Dresden sowie Ausfl\u00fcge zum Goethehaus und zur Gedenkst\u00e4tte Buchenwald in Weimar auf dem Programm. Dazu kam noch die Ausstellung &#8220;Schach im Wandel der Zeiten&#8221; im Ringmessehaus, dem Spielort der Olympiade. Sie pr\u00e4sentierte zahlreiche Exponate aus der jahrhundertealten Geschichte des Spiels und zeugte von der ungebrochenen Faszination, die vom Schach ausgeht.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-2552\" src=\"https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/RIngmessehaus-Leipzig.jpg\" alt=\"\" width=\"360\" height=\"427\" srcset=\"https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/RIngmessehaus-Leipzig.jpg 360w, https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/RIngmessehaus-Leipzig-253x300.jpg 253w\" sizes=\"(max-width: 360px) 100vw, 360px\" \/><br \/>\n<em>Das Ringmessehaus in Leipzig<\/em><\/p>\n<p><strong>&#8220;Kleines Spiel mit Zahlen&#8221;<\/strong><\/p>\n<p>Insgesamt gingen in Leipzig 40 Mannschaften mit 232 Spielern (darunter 26 Gro\u00dfmeister und 37 Internationale Meister) an den Start. Gespielt wurde in Vor- und Endrunden mit einer Bedenkzeit von 2,5 Stunden f\u00fcr 40 Z\u00fcge. Danach wurden die Partien abgebrochen und am n\u00e4chsten Morgen fortgesetzt. Wie das Turnierbuch in einem &#8220;kleinen Spiel mit Zahlen&#8221; angibt, wurden bei dieser Olympiade insgesamt 1.600 Partien gespielt, in 416 davon kam es zu einer H\u00e4ngepartie, sieben Partien endeten kampflos. Insgesamt f\u00fchrten die Teilnehmer in Leipzig 60.697 Z\u00fcge in 416.754 Minuten aus, das entspricht einem Durchschnitt von 38 Z\u00fcgen und 260 Minuten pro Partie. Offiziell gez\u00e4hlt wurden auch 75.364 Zuschauer, was Leipzig zu einer der bestbesuchten Olympiaden aller Zeiten macht.<\/p>\n<p><strong>Der Favorit unter Druck<\/strong><\/p>\n<p>Wie immer seit Helsinki 1952 war die Sowjetunion Favorit. Aber in Leipzig mussten die Sowjets wirklich etwas beweisen. Denn nur einen Monat vor Beginn der Olympiade hatten die Amerikaner die Studentenmannschaftsweltmeisterschaft gewonnen \u2013 in Leningrad. Der dominierende Spieler der amerikanischen Mannschaft in Leningrad war William Lombardy, Jugendweltmeister von 1957.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-2550\" src=\"https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/3Lombardy.jpg\" alt=\"\" width=\"360\" height=\"511\" srcset=\"https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/3Lombardy.jpg 360w, https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/3Lombardy-211x300.jpg 211w\" sizes=\"(max-width: 360px) 100vw, 360px\" \/><br \/>\n<em>William Lombardy<\/em><\/p>\n<p>Bei der Jugendweltmeisterschaft hatte Lombardy einfach alle Partien gewonnen und \u00e4hnlich ging er auch bei der Studentenweltmeisterschaft zur Sache. Er gewann 10 Partien und remisierte zwei, wobei sein Sieg gegen Boris Spassky, damals bereits einer der besten Spieler der Sowjetunion und damit der Welt, besonders wichtig war.<\/p>\n<p>Nach dieser Blamage war alles andere als ein klarer Sieg bei der Olympiade f\u00fcr die politische F\u00fchrung der Sowjetunion inakzeptabel. Dementsprechend stark war die Mannschaft. In seinen Erinnerungen <em>Mein Leben f\u00fcr das Schach<\/em> schildert Viktor Kortschnoi, wie schwer es war, in die Olympiamannschaft berufen zu werden:<\/p>\n<blockquote><p>Ins sowjetische Olympiateam zu gelangen, das war nicht nur eine Sache der Ehre, sondern auch eintr\u00e4glich: F\u00fcr den Sieg bei der Olympiade war eine Pr\u00e4mie ausgesetzt. Jeder Spieler der Mannschaft erhielt 1.500 Rubel, das waren damals ungef\u00e4hr elf durchschnittliche Monatseinkommen. Intrigen und Verschw\u00f6rungen waren dabei eine normale Erscheinung. 1952 kam Weltmeister Botvinnik auf Grund eines solchen Komplotts nicht in die Mannschaft. Bis zu seinem Tode erfuhr er nicht, dass Alexander Kotow Initiator dieser Verschw\u00f6rung gewesen war. Der hatte sich auf diese Weise selbst den Weg ins Olympiateam geebnet. (Viktor Kortschnoi, <em>Mein Leben f\u00fcr das Schach<\/em>, Z\u00fcrich: Olms Verlag 2004, S.47).<\/p><\/blockquote>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-2549\" src=\"https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/4Kortschnoi.jpg\" alt=\"\" width=\"360\" height=\"488\" srcset=\"https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/4Kortschnoi.jpg 360w, https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/4Kortschnoi-221x300.jpg 221w\" sizes=\"(max-width: 360px) 100vw, 360px\" \/><br \/>\n<em>Viktor Kortschnoi<\/em><\/p>\n<p>Doch in Leipzig war Botvinnik wieder dabei.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-2548\" src=\"https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/5Botvinnik.jpg\" alt=\"\" width=\"354\" height=\"475\" srcset=\"https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/5Botvinnik.jpg 354w, https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/5Botvinnik-224x300.jpg 224w\" sizes=\"(max-width: 354px) 100vw, 354px\" \/><br \/>\n<em>Mikhail Botvinnik<\/em><\/p>\n<p>Er spielte an Brett Zwei hinter Michail Tal, der Botvinnik nur wenige Monate zuvor als Weltmeister entthront hatte. Dahinter folgten Paul Keres und Viktor Kortschnoi, der hier das erste Mal bei einer Olympiade spielen durfte. Die Ersatzleute der sowjetischen Mannschaft, Wassili Smyslov und Tigran Petrosian, h\u00e4tten in jedem anderen Team der Welt wahrscheinlich an Brett Eins gespielt.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-2547\" src=\"https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/6KeresII.jpg\" alt=\"\" width=\"360\" height=\"506\" srcset=\"https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/6KeresII.jpg 360w, https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/6KeresII-213x300.jpg 213w\" sizes=\"(max-width: 360px) 100vw, 360px\" \/><br \/>\n<em>Paul Keres<\/em><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-2545\" src=\"https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/8Smyslov.jpg\" alt=\"\" width=\"360\" height=\"535\" srcset=\"https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/8Smyslov.jpg 360w, https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/8Smyslov-202x300.jpg 202w\" sizes=\"(max-width: 360px) 100vw, 360px\" \/><br \/>\n<em>Vassily Smyslov<\/em><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-2544\" src=\"https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/9Petrosian.jpg\" alt=\"\" width=\"360\" height=\"486\" srcset=\"https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/9Petrosian.jpg 360w, https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/9Petrosian-222x300.jpg 222w\" sizes=\"(max-width: 360px) 100vw, 360px\" \/><br \/>\n<em>Tigran Petrosian<\/em><\/p>\n<p><strong>Die talentierten Amerikaner<\/strong><\/p>\n<p>Angesichts dieses Aufgebots an Stars r\u00e4umte man allen anderen Teams lediglich Au\u00dfenseiterchancen ein, die gr\u00f6\u00dften vielleicht noch den USA, die mit einer jungen Mannschaft an den Start gingen. An Brett Eins gab der 17-j\u00e4hrige Bobby Fischer sein Olympiadeb\u00fct.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-2543\" src=\"https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/10Fischer.jpg\" alt=\"\" width=\"360\" height=\"520\" srcset=\"https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/10Fischer.jpg 360w, https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/10Fischer-208x300.jpg 208w\" sizes=\"(max-width: 360px) 100vw, 360px\" \/><br \/>\n<em>Bobby Fischer<\/em><\/p>\n<p>An zwei spielte Lombardy, dahinter folgten Robert Byrne und Arthur Bisguier, Ersatzleute waren Nicolas Rossolimo und Raymond Weinstein. Wie f\u00fcr Fischer war es auch f\u00fcr Weinstein die erste Olympiade, w\u00e4hrend alle anderen Mitglieder der amerikanischen Mannschaft bereits einmal an einer Olympiade teilgenommen hatten, und Rossolimo sogar schon f\u00fcr zwei L\u00e4nder, Frankreich (1950) und die USA (1958), an den Start gegangen war. Tats\u00e4chlich f\u00fchlte sich Rossolimo in vielen Kulturen zu Hause.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-2542\" src=\"https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/11Rossolimo.jpg\" alt=\"\" width=\"360\" height=\"417\" srcset=\"https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/11Rossolimo.jpg 360w, https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/11Rossolimo-259x300.jpg 259w\" sizes=\"(max-width: 360px) 100vw, 360px\" \/><br \/>\n<em>Nicolas Rossolimo<\/em><\/p>\n<p>1910 in Kiew geboren, zog er 1929 mit seiner Mutter nach Paris und schlug sich dort als Taxifahrer und Schachspieler durchs Leben. 1953 emigrierte er in die USA, wo sein griechischer Vater lebte, kehrte aber regelm\u00e4\u00dfig wieder nach Frankreich zur\u00fcck. 1966 spielte er noch einmal f\u00fcr die USA, aber 1972 beendete er seine olympische Karriere mit einem Auftritt im franz\u00f6sischen Team.<\/p>\n<p>Wie man bei der Olympiade gewinnt, verriet den jungen Amerikanern ihr Non-Playing Captain Isaac Kashdan. 1931, 1933 und 1937 gewann er drei Mal Gold mit dem amerikanischen Team und mit einer Bilanz von 63 Punkten aus 79 Partien (+52, =22, -5) ist er einer der erfolgreichsten Olympiaspieler aller Zeiten. Allerdings h\u00e4tte diese viel versprechende Mannschaft, in der sich Talent mit Erfahrung mischte, beinahe \u00fcberhaupt nicht zur Olympiade fahren k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Neben den politischen Querelen in der Zeit des Kalten Kriegs, durch die lange Zeit nicht klar war, ob die Amerikaner in die kommunistisch regierte DDR reisen durften, hatte der amerikanische Schachverband kein Geld, bzw. wollte es nicht daf\u00fcr ausgeben, eine Mannschaft nach Leipzig zu schicken. Dies f\u00fchrte bei den Schachfans in den USA zu Protesten, bei denen sich Regina Fischer, die Mutter von Bobby Fischer, besonders hervortat. Medienwirksam demonstrierte sie vor dem Wei\u00dfen Haus in Washington und trat in einen sechst\u00e4gigen Hungerstreik, um die Beh\u00f6rden dazu zu bringen, das amerikanische Team zu unterst\u00fctzen. Welchen Einfluss diese Proteste hatten, ist unklar, aber am Ende durften die Amerikaner nach Deutschland fliegen, lie\u00dfen dabei jedoch einen ihrer besten Spieler zu Hause. Das ehemalige Wunderkind Samuel Reshevsky weigerte sich an Brett 2 hinter Bobby zu spielen und verlangte ein Honorar von 3.000 Dollar f\u00fcr seine Teilnahme \u2013 zu viel f\u00fcr den finanzschwachen US-Verband.<\/p>\n<p>Doch auch mit Reshevsky h\u00e4tten die Amerikaner kaum eine Chance gegen die souver\u00e4nen Sowjets gehabt. Die sechs sowjetischen Weltstars spielten konzentriert, effektiv und lie\u00dfen nie Zweifel an ihrer \u00dcberlegenheit aufkommen. Sie gewannen jeden einzelnen Kampf und siegten am Ende mit f\u00fcnf Brettpunkten Vorsprung. Die einzige Niederlage, die sie w\u00e4hrend der ganzen Olympiade hinnehmen mussten, war Tals \u00fcberraschender Verlust gegen den Engl\u00e4nder Penrose in der Schlussrunde. Tats\u00e4chlich erzielte Tal mit 11 aus 15 (73%) das prozentual schlechteste Ergebnis der Sowjets: Botvinnik, Keres und Kortschnoi holten alle 10,5 aus 13 (81%), w\u00e4hrend Smyslow mit 11,5 aus 13 (88%) und Petrosian mit 12 aus 13 (92%) sogar noch deutlicher dominierten.<\/p>\n<p><strong>Fischer und Tal: Die Publikumslieblinge<\/strong><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-2541\" src=\"https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/12Michail-Tal.jpg\" alt=\"\" width=\"360\" height=\"532\" srcset=\"https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/12Michail-Tal.jpg 360w, https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/12Michail-Tal-203x300.jpg 203w\" sizes=\"(max-width: 360px) 100vw, 360px\" \/><br \/>\n<em>Mihail Tal<\/em><\/p>\n<p>Die Lieblinge des Leipziger Publikums waren jedoch Fischer und Tal. Fischer galt als junges Genie und spielte ebenso energisch wie k\u00e4mpferisch und auch Tal war noch jung und begeisterte durch sein waghalsiges Angriffsschach. Nicht jeder sah die Popularit\u00e4t der beiden jungen Spitzenbretter gleicherma\u00dfen gern. So schrieb Botvinnik in seinen <em>Schacherinnerungen<\/em>:<\/p>\n<blockquote><p>Wir spielten in einem Geb\u00e4ude des Leipziger Messegel\u00e4ndes. Es ist lang und schmal, ung\u00fcnstig, wenn eine Partie gro\u00dfes Interesse hervorruft, aber g\u00fcnstig, wenn die Teilnehmer sich nicht der Aufmerksamkeit der Zuschauer erfreuen. Ich geh\u00f6rte Gott sei Dank zur zweiten Gruppe &#8230;. Zur ersten Teilnehmergruppe geh\u00f6rten selbstverst\u00e4ndlich sowohl Tal als auch Fischer. Wenn sie sich begegneten, gab es ein unverst\u00e4ndliches Aufsehen. (Michail Botwinnik, <em> Schacherinnerungen<\/em>, D\u00fcsseldorf: Walter Rau Verlag 1981, S.212).<\/p><\/blockquote>\n<p>In der f\u00fcnften Runde des Finales spielten Tal und Fischer schlie\u00dflich gegeneinander und wie zwei Jahre sp\u00e4ter bei der Olympiade in Varna, als Fischer gegen Botvinnik spielte, und zehn Jahre sp\u00e4ter in Siegen, als Fischer auf Spassky traf, bildete der Kampf des amtierenden Weltmeisters gegen das st\u00fcrmische Genie Bobby Fischer den H\u00f6hepunkt der Olympiade. Das Turnierbuch schildert den Beginn dieser Begegnung wie folgt:<\/p>\n<blockquote><p>Bereits in den Mittagsstunden des 1. November 1960, an einem Dienstag, einem ganz gew\u00f6hnlichen Werktag, standen die Kiebitze in langen Schlangen vor den Kassen des Ringmessehauses. Als die Pforten sich \u00f6ffneten, setzte ein Sturmlauf zum Kampfplatz des Weltmeisters ein. Bis zum Beginn der Partie vollzog sich das gewohnte Zeremoniell: Ein Mechaniker im wei\u00dfen Kittel zog die Uhr auf. Die Serviererinnen brachten Kaffee in kleinen Thermophoren, zwei Tassen, einige St\u00fcckchen Geb\u00e4ck dazu und verstauten alles in den F\u00e4chern zu beiden Seiten des Schachtisches. Die Kameraleute der Wochenschauen und Fernsehstationen ma\u00dfen die Entfernung von ihren Objektiven zu dem schwarzen und dem wei\u00dfen K\u00f6nig &#8230; . Kurz vor 16 Uhr erklang aus den Lautsprechern ein Motiv aus der d-moll Suite von Johann Sebastian Bach, die Er\u00f6ffnungsmusik des Turnieres, und d\u00e4mpfte das erregte Stimmengewirr im Turniersaal zum Schweigen der Erwartung. &#8230; Beide Meister waren daf\u00fcr bekannt, da\u00df sie sich um einige Minuten zu versp\u00e4ten pflegten. Zu diesem Kampf aber betraten sie p\u00fcnktlich den Saal. &#8230; Der gro\u00dfe, schlaksige Fischer eilte mit weitausholenden Schritten heran, der kleinere, energiegeladene Tal in seiner charakteristischen Gangart, einem Stakkato der Schritte. Beiderseitige Verbeugung am Brett, H\u00e4ndesch\u00fctteln, L\u00e4cheln. Die Kameras surrten, die Ausl\u00f6ser klickten, die Matadore nahmen Platz. Der Gong ert\u00f6nt: 16 Uhr. Der Schiedsrichter setzt Fischers Schach-Uhr in Gang. (<em>XIV. Schach-Olympiade 1960<\/em>, (Hrsg.) Anita Karau, Berlin: Sportverlag 1961, S.35-36).<\/p><\/blockquote>\n<p>Und obwohl Fischer und Tal sich nach nur 21 Z\u00fcgen Remis trennten, hatte es diese Partie in sich und wurde noch Jahre sp\u00e4ter analysiert. Fischer nahm sie in sein Buch <em>Meine 60 Denkw\u00fcrdigen Partien<\/em> auf, Tal analysierte sie in <em>The Life and Games of Mikhail Tal<\/em> und Robert H\u00fcbner unterzog die Partie und die Analysen von Fischer und Tal vierzig Jahre sp\u00e4ter noch einmal einer kritischen W\u00fcrdigung.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-2537\" src=\"https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/16Fischer-Tal-III.jpg\" alt=\"\" width=\"302\" height=\"1395\" srcset=\"https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/16Fischer-Tal-III.jpg 302w, https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/16Fischer-Tal-III-65x300.jpg 65w, https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/16Fischer-Tal-III-222x1024.jpg 222w\" sizes=\"(max-width: 302px) 100vw, 302px\" \/><\/p>\n<p><strong>Brettpreise<\/strong><\/p>\n<p>Fischer pr\u00e4sentierte sich mit einem Ergebnis von 13 Punkten aus 18 Punkten als w\u00fcrdiges Spitzenbrett der amerikanischen Mannschaft. Aber der Preis f\u00fcr das beste Ergebnis an Brett Eins ging weder an ihn noch an Tal, sondern an den \u00d6sterreicher Karl Robatsch, der 13,5 Punkte aus 16 Partien erzielte. Mit diesem Ergebnis brachte Robatsch, der sich nicht nur f\u00fcr Schach interessierte und f\u00fcr seine Leistungen auf dem Gebiet der Orchideenforschung von dem \u00f6sterreichischen Bundespr\u00e4sidenten sp\u00e4ter den Titel &#8220;Professor&#8221; verliehen bekam, sein Gro\u00dfmeistertitel unter Dach und Fach.<\/p>\n<p>Vier der restlichen f\u00fcnf Brettpreise gingen an die Sowjetunion. Nur Kortschnoi, der am vierten Brett genauso viel Punkte erzielte wie Botvinnik an zwei und Keres an drei, wurde von zwei Spielern schw\u00e4cherer Mannschaften \u00fcberholt.<\/p>\n<p>Der Mongole Lhamsuren Myagmarsuren und der Indonesier Tan Hiong Liong profitierten davon, dass sie im Finale C weit schw\u00e4chere Gegner hatten, holten am vierten Brett beide 16,5 Punkte aus 20 Partien und schnitten damit sowohl nach absoluten Punkten als auch prozentual besser ab als Viktor Kortschnoi mit seinen 10,5 aus 13.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-2536\" src=\"https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/17LhamsurenMyagmarsuren.jpg\" alt=\"\" width=\"360\" height=\"481\" srcset=\"https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/17LhamsurenMyagmarsuren.jpg 360w, https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/17LhamsurenMyagmarsuren-225x300.jpg 225w\" sizes=\"(max-width: 360px) 100vw, 360px\" \/><br \/>\n<em>Lhamsuren Myagmarsuren<\/em><\/p>\n<p>F\u00fcr Myagmarsuren war es die erste Olympiade, neun weitere sollten folgen. Der 1938 geborene Mongole ist auch heute noch aktiv und nahm z.B. an der Seniorenweltmeisterschaft 2004 in Halle teil. In Leipzig gelang ihm gegen den Ecuadorianer Klein auch die k\u00fcrzeste Partie der Olympia: Nach 6 Minuten und 6 Z\u00fcgen war sie vorbei. Klein unterlief in einer bekannten Theoriestellung ein Fingerfehler, der ihn eine Figur kostete, und gab danach sofort auf.<\/p>\n<p>F\u00fcr den Indonesier Tan Hiong Liong blieb es hingegen die erste und einzige Schacholympiade. In einem Artikel \u00fcber Schach und Go berichtet Tim Krabb\u00e9 in seinem <em>Chess Diary<\/em> vom 30. Mai 2003, dass Tan, der Anfang der 60er Jahre in Holland lebte, ein starker Go-Spieler war und es dort als erster Holl\u00e4nder zu einem Dan-Titel brachte. Leider erlitt er 1963 einen Nervenzusammenbruch, der sowohl seine Schach- als auch seine Go-Karriere beendete (Vgl. http:\/\/www.xs4all.nl\/~timkr\/chess2\/diary_11.htm).<\/p>\n<p>Ergebnisse wie die von Tan und Miagmasuren deuteten an, \u00fcber welche Talente Asien verf\u00fcgte. Ein weiteres Indiz daf\u00fcr war der Sieg des Inders Manuel Aaron \u00fcber Ex-Weltmeister Max Euwe.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-2535\" src=\"https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/18Euwe.jpg\" alt=\"\" width=\"360\" height=\"538\" srcset=\"https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/18Euwe.jpg 360w, https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/18Euwe-201x300.jpg 201w\" sizes=\"(max-width: 360px) 100vw, 360px\" \/><br \/>\n<em>Max Euwe<\/em><\/p>\n<p>Der 1935 geborene Aaron war Indiens erster Internationaler Meister, neun Mal Indischer Meister, Gr\u00fcnder und Leiter der <em>Aaron Chess Academy<\/em>, der ersten indischen Schachschule, und Gr\u00fcnder und Herausgeber des indischen <em>Chess Mate<\/em> Magazins.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-2534\" src=\"https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/19ManuelAaron.jpg\" alt=\"\" width=\"480\" height=\"426\" srcset=\"https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/19ManuelAaron.jpg 480w, https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/19ManuelAaron-300x266.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 480px) 100vw, 480px\" \/><br \/>\n<em>Manuel Aaron<\/em><\/p>\n<p><strong>Einzelheiten<\/strong><\/p>\n<p>So gut Aaron auch gespielt haben mag \u2013 in Leipzig war Euwe einfach au\u00dfer Form. Er spielte f\u00fcr Holland am ersten Brett und erzielte eine Leistung von 6,5 aus 16 (+3, =7, -6), das schlechteste Ergebnis, das ein Ex-Weltmeister je bei einer Olympiade erzielte. Er war mit diesem miserablen Ergebnis auch der erste Gro\u00dfmeister, der bei einer Olympiade weniger als 50% erzielte.<\/p>\n<p>Aufsehen erregten auch zwei andere Spieler: der erst 16-j\u00e4hrige Vlastimil Hort, der an Brett Vier f\u00fcr die Tschechoslowakei sein Olympiadeb\u00fct (7,5\/13) gab, und Madame Renoy-Chevrier, die einzige Frau unter allen Teilnehmern, die f\u00fcr Monaco an den Start ging (1\/7).<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-2533\" src=\"https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/20Hort.jpg\" alt=\"\" width=\"450\" height=\"533\" srcset=\"https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/20Hort.jpg 450w, https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/20Hort-253x300.jpg 253w\" sizes=\"(max-width: 450px) 100vw, 450px\" \/><br \/>\n<em>Vlastimil Hort<\/em><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-2532\" src=\"https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/21MadameRenoy-Chevrier.jpg\" alt=\"\" width=\"360\" height=\"500\" srcset=\"https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/21MadameRenoy-Chevrier.jpg 360w, https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/21MadameRenoy-Chevrier-216x300.jpg 216w\" sizes=\"(max-width: 360px) 100vw, 360px\" \/><br \/>\n<em>Madame Renoy-Chevrier<\/em><\/p>\n<p>Im Einklang mit dem klassischen Rollenverst\u00e4ndnis von Mann und Frau verriet sie im Turnierbuch, warum nur wenig Frauen Turnierschach spielen:<\/p>\n<blockquote><p>Die Frau versorgt vom fr\u00fchen Morgen an ihre Familie. Tags\u00fcber nimmt sie der Haushalt in Anspruch. Wenn abends der Mann von der Arbeit heimkommt, steckt er die Beine unter den Tisch und genie\u00dft seine Freizeit. Die Frau hingegen hat noch lange nicht Feierabend. Sie bereitet das Abendessen, bringt die Kinder zu Bett und ist schlie\u00dflich so m\u00fcde, da\u00df sie f\u00fcr nichts mehr Interesse aufbringt. (<em>XIV. Schach-Olympiade Leipzig 1960<\/em>, S. 178, S. 183).<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Das deutsch-deutsche Duell<\/strong><\/p>\n<p>Wenn auch das Rennen um den ersten Platz schnell entschieden war, so blieb der Kampf um die folgenden Pl\u00e4tze doch ebenso spannend wie das deutsch-deutsche Duell zwischen der Bundesrepublik und der DDR.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-2531\" src=\"https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/22Uhlmann-Unzicker.jpg\" alt=\"\" width=\"480\" height=\"384\" srcset=\"https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/22Uhlmann-Unzicker.jpg 480w, https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/22Uhlmann-Unzicker-300x240.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 480px) 100vw, 480px\" \/><br \/>\n<em>Deutsch-deutsches Duell: Wolfgang Uhlmann gegen Wolfgang Unzicker<\/em><\/p>\n<p>W\u00e4hrend sich die amerikanische Mannschaft am Ende vor Jugoslawien und Ungarn die Silbermedaille sicherte, landete die Bundesrepublik mit einem halben Brettpunkt Vorsprung auf dem achten Rang, ganz knapp vor der DDR, den Gastgebern der Olympiade. Die Bundesrepublik wurde vor allem von ihren Spitzenbrettern Wolfgang Unzicker und Lothar Schmid getragen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-2530\" src=\"https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/23Schmid.jpg\" alt=\"\" width=\"360\" height=\"527\" srcset=\"https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/23Schmid.jpg 360w, https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/23Schmid-205x300.jpg 205w\" sizes=\"(max-width: 360px) 100vw, 360px\" \/><br \/>\n<em>Lothar Schmid<\/em><\/p>\n<p>Unzicker holte 11,5 Punkte aus 18 Partien und verlor nur gegen Fischer. Schmid war sogar noch etwas besser und erzielte 9,5 aus 14. Die weiteren Ergebnisse: Klaus Darga, 7,5\/13, Heinz Lehmann, 7\/14, Wolfram Bialas 4,5\/11 und Gerhard Pfeiffer, 5\/10. In der Mannschaft der DDR war Wolfgang Pietzsch am zweiten Brett mit 9,5 aus 15 der eifrigste Punktesammler, was ihm den Ehrenpreis der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands bescherte. Wolfgang Uhlmann an Eins brachte es auf 9 aus 16, Reinhart Fuchs als erster Ersatzmann auf 7,5 aus 13, Burkart Malich erzielte 6,5 aus 13, Sieghart Dittmann 6 aus 12 und Werner Golz 5,5 aus 11.<\/p>\n<p><strong>Res\u00fcmee<\/strong><\/p>\n<p>Wenngleich sich die Mannschaft der DDR \u00fcber den neunten Platz und die knappe Niederlage gegen den Rivalen aus dem Westen ge\u00e4rgert haben mag, so war die 14. Schacholympiade in Leipzig insgesamt gesehen doch ein voller Erfolg. &#8220;Eine so gl\u00e4nzend durchgef\u00fchrte Olympiade wie diese in Leipzig war noch nicht da! &#8216;Kolossal&#8221;, &#8216;Wunderbar&#8217;, &#8216;Einzig&#8217;, &#8216;Phantastisch&#8217;, &#8216;Riesig&#8217; \u2013 diese Superlative sind keine banalen H\u00f6flichkeitsfloskeln. Das sind Worte des Lobes, die man aus aller Munde h\u00f6rte, von den G\u00e4sten aus West und Ost, aus Europa und Asien, aus Amerika und Afrika&#8221; (<em>XIV. Schach-Olympiade 1960<\/em>, S.21) schw\u00e4rmte Salo Flohr im Turnierbuch.<\/p>\n<p>Die gl\u00e4nzend organisierte und exzellent besuchte Veranstaltung, die von Schachspielern in aller Welt verfolgt wurde, war eine gute Werbung f\u00fcr die Deutsche Demokratische Republik und den Schachsport dort. Aber ein Jahr sp\u00e4ter entlarvte sich der im Gru\u00dfwort der Olympiade von Johannes Dieckmann beschworene olympische Geist der &#8220;Weltweite, Zusammenarbeit und Verst\u00e4ndigung&#8221; durch den Bau der Berliner Mauer im August als Propagandafloskel. Und als Manfred Ewald Anfang der siebziger Jahre im Gefolge Honeckers Pr\u00e4sident des DTSB, des Sportverbandes der DDR, wurde, verk\u00fcmmerte das Schach weiter. F\u00fcr Ewald z\u00e4hlten nur Medaillen in olympischen Sportarten und Athleten so genannter &#8220;Kategorie B&#8221;, d.h. nicht-olympischer Sportarten, durften fortan nicht mehr an Welt- und Europameisterschaften teilnehmen. Und so verzichtete die DDR ab 1974 ganz darauf, eine Mannschaft zur Schacholympiade zu schicken. Die gro\u00dfartigen Schachtage in Leipzig 1960 blieben ein unerf\u00fclltes Versprechen.<\/p>\n<p><strong>Quellen:<\/strong><\/p>\n<p>Wojciech Bartelski, <em>Olimpbase<\/em>, <a href=\"http:\/\/www.olimpbase.org\/\">http:\/\/www.olimpbase.org\/<\/a>.<br \/>\nMichail Botwinnik, <em>Schacherinnerungen<\/em>, D\u00fcsseldorf: Walter Rau Verlag 1981<br \/>\nFrank Brady, <em>Bobby Fischer: Profile of a Prodigy<\/em>, New York: Dover 1973 [1965].<br \/>\nDavid Hooper&amp;Kenneth Whyld, <em>The Oxford Companion to Chess<\/em>, New York, Oxford: Oxford University Press 1996.<br \/>\nAnita Karau, (Hrsg.), <em>XIV. Schach-Olympiade 1960<\/em>, Berlin: Sportverlag 1961<br \/>\nViktor Kortschnoi, <em>Mein Leben f\u00fcr das Schach<\/em>, Z\u00fcrich: Olms Verlag 2004.<br \/>\nTim Krabb\u00e9, <em>Chess Diary<\/em>, <a href=\"http:\/\/www.xs4all.nl\/~timkr\/chess2\/diary_11.htm\"> http:\/\/www.xs4all.nl\/~timkr\/chess2\/diary_11.htm<\/a>.<br \/>\nMikhail Tal, <em>The Life and Games of Mikhail Tal<\/em>, New York: R.H.M Press 1976.<br \/>\nRaj Tischbierek, <em>Sternstunden des Schachs: 30x Olympia: London 1927 \u2013 Manila 1992<\/em>, Berlin: Sportverlag 1993.<\/p>\n<p>Fotos: Turnierbuch<\/p>\n<p><em>(Der Artikel erschien zuerst am 13.12.2005 bei <a href=\"https:\/\/de.chessbase.com\/\">ChessBase<\/a>)<\/em><\/p>\n<p><strong>Siehe auch:<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/2015\/06\/20\/botvinnik-gegen-fischer-varna-1962\/\">Mehr als nur eine Schachpartie: Botvinnik gegen Fischer, Schacholympiade Varna 1962<\/a><br \/>\n<a href=\"https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/2018\/09\/27\/aus-aktuellem-anlass-tigran-petrosjan-als-olympiaspieler\/\">Tigran Petrosian als Olympiaspieler<\/a><\/p>\n<div class='sfsi_Sicons' style='width: 100%; display: inline-block; vertical-align: middle; text-align:left'><div style='margin:0px 8px 0px 0px; line-height: 24px'><span><\/span><\/div><div class='sfsi_socialwpr'><div class='sf_subscrbe' style='text-align:left;vertical-align: middle;float:left;width:64px'><a href=\"http:\/\/www.specificfeeds.com\/widgets\/emailSubscribeEncFeed\/Q0FJU2IrL21rdElzb0J1Mnd4UWp5M2JZMHQ5YXBNTW01ZnhPcUtDWnpWVFVEcEgvdGwvUHQ3R2lnWTEyVjh2WmFlaE1KbEw2YnBuZ3hRMFFqNEZoQWgyNFlqRGZydzNJZEFYS3VPMjhCZVNHbFNuNU5qbXI1OGNjeW8zb1dXVlh8aDdxZGtDYTZTaTNPNTZZcENLZXhwbkF0bTlJWFpwWitxQTAwdHRkU3VOdz0=\/OA==\/\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/wp-content\/plugins\/ultimate-social-media-icons\/images\/follow_subscribe.png\" alt=\"error\" \/><\/a><\/div><div class='sf_fb' style='text-align:left;vertical-align: middle;width:98px'><div class=\"fb-like\" data-href=\"https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/2018\/10\/29\/im-archiv-geblaettert-die-schacholympiade-leipzig-1960\/\" data-width=\"180\" data-send=\"false\" data-show-faces=\"false\"  data-action=\"like\" data-share=\"true\"data-layout=\"button\" ><\/div><\/div><div class='sf_twiter' style='text-align:left;float:left;vertical-align: middle;width:auto'><a href=\"http:\/\/twitter.com\/share\" data-count=\"none\" class=\"sr-twitter-button twitter-share-button\" lang=\"en\" data-url=\"https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/2018\/10\/29\/im-archiv-geblaettert-die-schacholympiade-leipzig-1960\/\" data-text=\"Im Archiv gebl\u00e4ttert: Die Schacholympiade Leipzig 1960\" ><\/a><\/div><\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Am 6. 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