{"id":2520,"date":"2018-10-14T19:39:18","date_gmt":"2018-10-14T17:39:18","guid":{"rendered":"https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/?p=2520"},"modified":"2018-10-19T09:15:17","modified_gmt":"2018-10-19T07:15:17","slug":"neal-cassady-schach-und-andere-leidenschaften","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/2018\/10\/14\/neal-cassady-schach-und-andere-leidenschaften\/","title":{"rendered":"Neal Cassady: Schach und andere Leidenschaften"},"content":{"rendered":"<div id=\"attachment_2521\" style=\"width: 235px\" class=\"wp-caption alignleft\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" aria-describedby=\"caption-attachment-2521\" class=\"size-full wp-image-2521\" src=\"https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/teaser-cover-on-the-road.jpg\" alt=\"\" width=\"225\" height=\"270\" \/><p id=\"caption-attachment-2521\" class=\"wp-caption-text\">Neal Cassady (links) und Jack Kerouac auf dem Cover von &#8220;On the Road&#8221;<\/p><\/div>\n<p>\u201eDas Schach, manisch \u2013 er redet nicht mit mir, au\u00dfer irgendwie teilnahmslos.\u201c Das schrieb Allen Ginsberg an Jack Kerouac \u00fcber einen Besuch bei ihrem alten Freund Neal Cassady. Ginsberg und Kerouac waren f\u00fchrende Vertreter der Beatniks, einer kleinen Gruppe von Dichtern, Intellektuellen und Aussteigern, die sich f\u00fcr Jazz, Buddhismus und Literatur begeisterten und in den 1950ern und 60ern mit Drogenexperimenten und rauschhaften Reisen quer durch die USA ein neues Bewusstsein schaffen wollten. Die Gruppe war klein, aber ihr kultureller Einfluss war gro\u00df und Cassady eine ihrer zentralen Figuren.<!--more--><\/p>\n<p>Er lieferte das Vorbild f\u00fcr Dean Moriartry, der Hauptfigur in Kerouacs Kultroman <em>On the Road<\/em> und Ginsberg erkl\u00e4rte \u201eN.C.\u201c in <em>Howl<\/em>, seinem bekanntesten Gedicht, zum \u201egeheimen Helden\u201c der Verse. Ken Kesey, Autor des ber\u00fchmten Buches <em>Einer flog \u00fcber das Kuckucksnest<\/em>, w\u00e4hlte f\u00fcr seinen Nachruf auf Cassady den bezeichnenden Titel \u201eThe Day After Superman Died\u201c.<\/p>\n<p>Cassady kam am 8. Februar 1926 in einem Krankenhaus f\u00fcr Arme in Salt Lake City zur Welt. Seine Eltern befanden sich gerade auf einer Fahrt von Iowa nach Hollywood, wo Cassadys Vater, ein alkoholkranker Friseur, ein Gesch\u00e4ft er\u00f6ffnen wollte. Cassadys Mutter starb, als Neal zehn Jahre alt war und so wuchs Neal bei seinem Vater auf, den es mittlerweile nach Denver verschlagen hatte.<\/p>\n<p>Der junge Neal geriet bereits fr\u00fch mit dem Gesetz in Konflikt und kam immer wieder in staatliche Erziehungsheime. Als er 14 war, erwischte ihn die Polizei beim Autodiebstahl, sp\u00e4ter kamen Kaufhausdiebst\u00e4hle und Hehlerei hinzu. Doch Cassady ging auch regelm\u00e4\u00dfig in die Bibliothek und las Autoren wie Schopenhauer, Nietzsche, Proust, Shakespeare und Dostojewski. Schon als Jugendlicher lebte er rauschhaft und leidenschaftlich. Manchmal, so behauptete er, hatte er zwei oder mehr Aff\u00e4ren pro Tag, und sp\u00e4ter br\u00fcstete er sich damit, zwischen 1940 und 1947 etwa f\u00fcnfhundert Autos gestohlen zu haben \u2013 aber nicht, um sie zu verkaufen, sondern um mit ihnen ziellos, aber schnell umher zu fahren.<\/p>\n<p>1946, bei einem Besuch in New York, lernte Cassady Ginsberg und Kerouac kennen, die ihn wegen seiner nat\u00fcrlichen Intelligenz, seiner Energie und seiner Lebenslust bewunderten. Sp\u00e4ter reiste Cassady mit den beiden mehrfach durch die USA und diese Reisen inspirierten Kerouac zu seinem ber\u00fchmten Buch <em>On the Road<\/em>.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-2522\" src=\"https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/big-cover-on-the-road.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"468\" srcset=\"https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/big-cover-on-the-road.jpg 300w, https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/big-cover-on-the-road-192x300.jpg 192w\" sizes=\"(max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><br \/>\n<em>Neal Cassady (links) und Jack Kerouac auf dem Cover der Penguin Ausgabe von &#8220;On the Road&#8221;<\/em><\/p>\n<p>Doch all das lag zur Zeit des Besuchs, von dem Ginsberg im oben erw\u00e4hnten Brief an Kerouac berichtet, schon eine Weile zur\u00fcck.<\/p>\n<p>Mittlerweile hatte Cassady eine zweij\u00e4hrige Haftstrafe wegen des Versuchs, Marihuana zu verkaufen, hinter sich, war verheiratet, hatte drei Kinder und ging arbeiten, um f\u00fcr seine Familie zu sorgen.<\/p>\n<p>Wenn Cassady von der Arbeit nach Hause kam, wollte er sich anders als fr\u00fcher nicht Ginsbergs Gedichte anh\u00f6ren oder n\u00e4chtelang \u00fcber Philosophie, Jazzmusik und das Leben diskutieren, sondern vor allem mit seinem Nachbarn Schach spielen. Vielleicht empfand Cassady das Schach auch als M\u00f6glichkeit, latenten Spannungen mit seiner Ehefrau Carolyn, die er 1947 in Denver kennengelernt hatte, aus dem Weg zu gehen. Doch Ginsbergs Besuch versch\u00e4rfte die Spannungen wom\u00f6glich noch: denn der homosexuelle Ginsberg war in Cassady verliebt und hatte in den vergangenen Jahre immer wieder sexuelle Kontakte zu ihm unterhalten. Aber w\u00e4hrend seines Besuchs half er Carolyn im Haushalt, ging mit ihr ins Kino und spielte mit den Kindern.<\/p>\n<p>Ein langes Leben war Cassady nicht verg\u00f6nnt, er starb vier Tage vor seinem 42. Geburtstag, am 4. Februar 1968. Cassady wollte in Mexiko einen alten Freund besuchen und geriet auf dieser Reise zuf\u00e4llig in eine Hochzeitsfeier, auf der zahlreiche Drogen und viel Alkohol zu sich nahm. Doch trotzdem wollte er seine Reise unbedingt fortsetzen und nachts, zu Fu\u00df und nur mit Jeans und T-Shirt bekleidet, zum n\u00e4chsten Dorf marschieren. Den Weg in der Dunkelheit wollte er finden, indem er den Bahngleisen folgte. Doch das war selbst f\u00fcr Cassadys robuste Natur zu viel und er brach irgendwann im Laufe der Nacht auf den Bahngeleisen zusammen und fiel ins Koma. Als er am n\u00e4chsten Morgen gefunden und ins Krankenhaus gebracht wurde, kam jede Hilfe bereits zu sp\u00e4t. Cassady starb noch am gleichen Tag, wahrscheinlich an Unterk\u00fchlung.<\/p>\n<div class='sfsi_Sicons' style='width: 100%; display: inline-block; vertical-align: middle; text-align:left'><div style='margin:0px 8px 0px 0px; line-height: 24px'><span><\/span><\/div><div class='sfsi_socialwpr'><div class='sf_subscrbe' style='text-align:left;vertical-align: middle;float:left;width:64px'><a href=\"http:\/\/www.specificfeeds.com\/widgets\/emailSubscribeEncFeed\/Q0FJU2IrL21rdElzb0J1Mnd4UWp5M2JZMHQ5YXBNTW01ZnhPcUtDWnpWVFVEcEgvdGwvUHQ3R2lnWTEyVjh2WmFlaE1KbEw2YnBuZ3hRMFFqNEZoQWgyNFlqRGZydzNJZEFYS3VPMjhCZVNHbFNuNU5qbXI1OGNjeW8zb1dXVlh8aDdxZGtDYTZTaTNPNTZZcENLZXhwbkF0bTlJWFpwWitxQTAwdHRkU3VOdz0=\/OA==\/\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/wp-content\/plugins\/ultimate-social-media-icons\/images\/follow_subscribe.png\" alt=\"error\" \/><\/a><\/div><div class='sf_fb' style='text-align:left;vertical-align: middle;width:98px'><div class=\"fb-like\" data-href=\"https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/2018\/10\/14\/neal-cassady-schach-und-andere-leidenschaften\/\" data-width=\"180\" data-send=\"false\" data-show-faces=\"false\"  data-action=\"like\" data-share=\"true\"data-layout=\"button\" ><\/div><\/div><div class='sf_twiter' style='text-align:left;float:left;vertical-align: middle;width:auto'><a href=\"http:\/\/twitter.com\/share\" data-count=\"none\" class=\"sr-twitter-button twitter-share-button\" lang=\"en\" data-url=\"https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/2018\/10\/14\/neal-cassady-schach-und-andere-leidenschaften\/\" data-text=\"Neal Cassady: Schach und andere Leidenschaften\" ><\/a><\/div><\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eDas Schach, manisch \u2013 er redet nicht mit mir, au\u00dfer irgendwie teilnahmslos.\u201c Das schrieb Allen Ginsberg an Jack Kerouac \u00fcber einen Besuch bei ihrem alten Freund Neal Cassady. 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