{"id":2471,"date":"2018-08-05T08:58:11","date_gmt":"2018-08-05T06:58:11","guid":{"rendered":"https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/?p=2471"},"modified":"2018-08-10T12:06:31","modified_gmt":"2018-08-10T10:06:31","slug":"der-tiger-bleibt-auf-dem-berg-der-weltmeisterschaftskampf-1961-zwischen-mihail-tal-und-mikhail-botvinnik","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/2018\/08\/05\/der-tiger-bleibt-auf-dem-berg-der-weltmeisterschaftskampf-1961-zwischen-mihail-tal-und-mikhail-botvinnik\/","title":{"rendered":"Der Tiger bleibt auf dem Berg: Der Weltmeisterschaftskampf 1961 zwischen Mihail Tal und Mikhail Botvinnik"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-2472\" src=\"https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2018\/08\/botvinnik-teaser.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"230\" \/>Manche Weltmeisterschaftsk\u00e4mpfe erfahren in der Schachgeschichte viel Aufmerksamkeit, andere weniger. Der WM-Kampf 1960 zwischen Tal und Botvinnik wurde viel beachtet, der Revanchekampf zwischen Tal und Botvinnik 1961 sehr viel weniger. Das liegt auch daran, dass in den Augen vieler Leute der \u201efalsche\u201c Spieler gewonnen hat. Mit seinem Wettkampfsieg gegen Botvinnik 1960 wurde Tal zum damals j\u00fcngsten Weltmeister aller Zeiten. Sein mutiges dynamisches Spiel begeisterte Fans in aller Welt und sein Sieg gegen Botvinnik schien ein Sieg der Phantasie gegen Logik und der Beginn einer neuen \u00c4ra zu sein. Doch nur ein Jahr sp\u00e4ter, beim Revanchewettkampf 1961, folgte die Ern\u00fcchterung: Botvinnik gewann klar mit 13 zu 8 (+10, -5, =6) und holte sich den Weltmeistertitel zur\u00fcck. Allerdings fand der zweite Wettkampf unter ungleichen Bedingungen statt.<!--more--><\/p>\n<p>Prinzipiell ungerecht war das Privileg des Weltmeisters auf einen Revanchewettkampf. Diese Regel f\u00fchrte dazu, dass der Herausforderer das Kandidatenturnier und zwei WM-K\u00e4mpfe gegen den amtierenden Weltmeister gewinnen musste, um den Titel endg\u00fcltig zu erobern, w\u00e4hrend der amtierende Weltmeister nur einen von eventuell zwei Wettk\u00e4mpfen gewinnen musste, um seinen Titel zu behalten oder zur\u00fcckzuerobern.<\/p>\n<p>Doch damit nicht genug. Als Tal 1961 zum Revanchewettkampf antrat, war er krank. Dazu schreibt <a href=\"https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/2017\/04\/25\/andre-schulz-geht-online\/\">Andr\u00e9 Schulz<\/a>:<\/p>\n<blockquote><p>Vor Beginn des Wettkampfes war Botwinnik &#8230; in Streit mit Nikolai Romanow, dem Vorsitzenden des Sportkomitees geraten. Romanow hatte Botwinnik &#8230; mitgeteilt, dass Tal sich wegen einer Nierenkolik krankgemeldet hatte und m\u00f6glicherweise eine Verlegung des Wettkampfes anstand. Botwinnik pochte jedoch auf ein \u00e4rztliches Attest, ausgestellt durch einen Moskauer Arzt. Tal hatte nur ein Attest eines lettischen Arztes vorgelegt. Er h\u00e4tte also zur Untersuchung nach Moskau reisen m\u00fcssen. Romanow hielt das zun\u00e4chst f\u00fcr \u00fcberfl\u00fcssig. Schlie\u00dflich forderte er es aber doch von Tal ein, welcher dann aber lieber dem fristgerechten Beginn des Wettkampfes zustimmte, weil er diese Prozedur als unw\u00fcrdig betrachtete.<\/p>\n<p>[Alexander] Koblenz [der Trainer von Tal] gab sp\u00e4ter zudem an, dass Tal zwei Wochen vor dem Wettkampf noch Opfer eines leichten Herzinfarktes gewesen sei. (Andr\u00e9 Schulz, <a href=\"https:\/\/www.amazon.de\/Das-gro%C3%9Fe-Buch-Schach-Weltmeisterschaften-Titelk%C3%A4mpfe\/dp\/9056916378\/ref=sr_1_1?s=books&amp;ie=UTF8&amp;qid=1533452947&amp;sr=1-1&amp;keywords=Andre+Schulz\"><em>Das gro\u00dfe Buch der Schachweltmeisterschaften<\/em><\/a>, New in Chess 2015, S. 150)<\/p><\/blockquote>\n<p>So begann der Wettkampf wie vorgesehen am 15. M\u00e4rz 1961 in Moskau. Er endete am 12. Mai 1961 \u2013 Botwinnik hatte mit 13 zu 8 gewonnen und war damit alter und neuer Weltmeister.<\/p>\n<p>Beide Vorw\u00fcrfe stimmen: die Revanchewettk\u00e4mpfe waren ungerecht und Tal war krank und von seiner Bestform weit entfernt. Und so war Botvinnik im Wettkampf tats\u00e4chlich der bessere Spieler und hat rein schachlich gesehen verdient gewonnen. Einmal mehr profitierte er dabei von seiner guten Vorbereitung. Dabei benutzte er, wenn man so will, das Strategem \u00a0\u201eDer Tiger bleibt auf dem Berg\u201c. Allerdings gibt es dieses Strategem in den 36 chinesischen Strategemen, einer Zusammenstellung von Strategien, um in allen Bereichen des Lebens Erfolg zu haben, gar nicht. Daf\u00fcr empfiehlt Strategem Nummer 15 <a href=\"https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/2017\/03\/12\/den-tiger-vom-berg-in-die-ebene-locken-strategem-nr-15\/\">\u201eDen Tiger vom Berg in die Ebene zu locken\u201c<\/a>, was nichts anderes meint, als den Gegner bei einem Kampf oder einem Konflikt auf unbekanntes Terrain zu locken oder den Kampf unter Umst\u00e4nden zu f\u00fchren, die dem Gegner unangenehm sind. Beim Weltmeisterschaftskampf 1960 hatte Tal dieses Strategem bewusst oder unbewusst verfolgt, im Wettkampf 1961 drehte Botvinnik den Spie\u00df um.<\/p>\n<p>Tal gewann den Kampf 1960 unter anderem deshalb, weil es ihm immer wieder gelang, Stellungen herbeizuf\u00fchren, in denen er seine St\u00e4rken ausspielen konnte. Das wollte Botvinnik beim Revanchekampf verhindern.<\/p>\n<blockquote><p>Auf den Revanchewettkampf gegen Tal habe ich mich sehr gut vorbereitet, obwohl ich damals bereits f\u00fcnfzig war, und habe alle \u00fcberrascht, auch Tal. &#8230; In unserem zweiten Match habe ich gezeigt, wie man gegen ihn spielt. Wenn Tals Figuren \u00fcber das Brett h\u00fcpfen, dann war ihm niemand ebenb\u00fcrtig, aber bei einer soliden Bauernstruktur im Zentrum war er positionell schwach, und deshalb musste er eingeschn\u00fcrt werden, eingeschn\u00fcrt. (Mikhail Botvinnik, <em>Botvinnik \u2013 Tal, Return Match for the World Chess Championship, Moscow 1961<\/em>, Edition Olms 2004, S. 12.)<\/p><\/blockquote>\n<p>Botvinnik strebte vor allem danach, Tal nicht zur Entfaltung seiner St\u00e4rken kommen zu lassen. Wenn man Botvinniks Ruf als strategisch-positioneller und Tals Ruf als taktischer Spieler bedenkt, dann k\u00f6nnte man meinen, Botvinnik h\u00e4tte versucht, ruhige Stellungen anzustreben und taktische Komplikationen zu vermeiden. Aber so war es nicht: In einer ganzen Reihe von Partien des Wettkampfs scheute Botvinnik keine Komplikationen, sondern f\u00fchrte sie sogar herbei. Wichtig war ihm allerdings, dass er selbst die Initiative hatte und Tal nicht zur Entfaltung seines Spiels kam.<\/p>\n<p>Typisch daf\u00fcr ist die achte Partie des Wettkampfs:<\/p>\n\n\n<p class=\"rpbchessboard-spacerBefore\"><\/p>\n\n<div id=\"rpbchessboard-69e2458df09bd-1\" class=\"rpbchessboard-chessgame\">\n\t<noscript>\n\t\t\t\t<div class=\"rpbchessboard-noJavascriptBlock\">[Event &quot;World-ch23 Botvinnik-Tal +10-5=6&quot;]\r\n[Site &quot;Moscow (Russia)&quot;]\r\n[Date &quot;1961.03.29&quot;]\r\n[Round &quot;7&quot;]\r\n[White &quot;Botvinnik, Mikhail&quot;]\r\n[Black &quot;Tal, Mihail&quot;]\r\n[Result &quot;1-0&quot;]\r\n[ECO &quot;E24&quot;]\r\n[Annotator &quot;Johannes Fischer&quot;]\r\n[PlyCount &quot;65&quot;]\r\n[EventDate &quot;1961.03.15&quot;]\r\n[EventType &quot;match&quot;]\r\n[EventRounds &quot;21&quot;]\r\n[EventCountry &quot;URS&quot;]\r\n[Source &quot;ChessBase&quot;]\r\n[SourceVersion &quot;2&quot;]\r\n[SourceVersionDate &quot;1999.07.01&quot;]\r\n[SourceQuality &quot;1&quot;]\r\n\r\n1. c4 Nf6 2. Nc3 e6 3. d4 Bb4 4. a3 Bxc3+ 5. bxc3 b6 6. f3 Ba6 7. e4 d5 $6 ({\r\nBotvinnik kritisiert diesen Zug und schreibt: &#8220;Dieser Zug kann als\r\npositioneller Fehler betrachtet werden, denn er gestattet Wei\u00df, den schwachen\r\nBauern c4 sofort loszuwerden. Ich muss zugeben, dass ich damals bereits wusste,\r\ndass} 7... Nc6 {Schwarz gutes Spiel gibt, und nach} 8. Bd3 Na5 9. Qe2 d6 $1 {\r\nnebst &#8230;Dd7-a4 (oder c6) ist seine Stellung v\u00f6llig solide.&#8221; Dann erlaubt\r\nsich Botvinnik noch einen Seitenhieb auf seinen Gegner: &#8220;Man gewinnt den\r\nEindruck, dass mein Gegner was die Er\u00f6ffnungsvorbereitung betrifft, die zehn\r\nMonate, die zwischen dem ersten und dem zweiten Wettkampf vergangen waren,\r\nnicht besonders produktiv genutzt hat.&#8221; (Mikhail Botvinnik, Botvinnik&#8217;s Best\r\nGames, Volume 3: 1957-1970, Moravian Chess 2001, S. 123)}) 8. cxd5 Bxf1 9. Kxf1\r\nexd5 10. Bg5 h6 {In seiner Anmerkung zu diesem Zug gibt Botvinnik Einblick in\r\nseine Wettkampfstrategie. Er schreibt: &#8220;Tal versucht die Dinge mit einem\r\nBauernopfer zu verkomplizieren (11.Lxf6 Dxf6 12.exd5 0-0 und Schwarz hat\r\nbequemes Spiel). Im Einklang mit meiner Matchtaktik habe ich das Bauernopfer\r\nabgelehnt, um meinem Gegner nicht die Initiative zu \u00fcberlassen.&#8221;} 11. Qa4+ c6\r\n12. Bh4 dxe4 $6 {Eben wollte Tal einen Bauern opfern, jetzt nimmt er ein\r\nBauernopfer Botvinniks an. Aber das \u00f6ffnet die Stellung und beschert dem\r\nexponiert stehenden schwarzen K\u00f6nig bange Momente.} 13. Re1 g5 14. Bf2 Qe7 15.\r\nNe2 b5 16. Qc2 Qxa3 17. h4 {Auf den ersten Blick wirken die wei\u00dfen Figuren\r\nnicht besonders gef\u00e4hrlich &#8211; sie stehen dicht gedr\u00e4ngt am K\u00f6nigsfl\u00fcgel und\r\nscheinen nicht besonders aktiv zu sein. Aber Botvinnik hat erkannt, dass die\r\nwei\u00dfen Figuren sehr schnell sehr gef\u00e4hrlich sein k\u00f6nnen.} gxh4 18. Bxh4 Nbd7\r\n19. Ng3 {Pl\u00f6tzlich schwebt der schwarze K\u00f6nig in Gefahr. Schwarz rochiert\r\nlang, aber auch da steht sein K\u00f6nig nicht sicher.} O-O-O 20. Nxe4 Rhe8 21. Kf2\r\n$1 {Wieder ein interessanter Moment.} ({Botvinnik verzichtet auf den\r\nMaterialgewinn mit} 21. Nxf6 {um Schwarz nach} Rxe1+ 22. Kxe1 Qa1+ 23. Qd1\r\nQxc3+ 24. Kf1 Nc5 {nicht zu Gegenspiel kommen zu lassen.}) 21... Nxe4+ 22. fxe4\r\nf6 23. Ra1 Qe7 24. Rxa7 {Schwarz hat einen Bauern mehr, aber der wei\u00dfe\r\nAngriff am Damenfl\u00fcgel ist sehr stark.} Qxe4 25. Qxe4 Rxe4 26. Ra8+ Nb8 27.\r\nBg3 Kb7 28. Rha1 Rc8 29. R8a7+ Kb6 30. Bxb8 $1 {Wei\u00df gewinnt Material.} b4 (\r\n30... Rxb8 31. R1a6#) 31. Bd6 bxc3 32. Bc5+ Kb5 33. R1a4 {Ein eindrucksvoller\r\nSieg von Botvinnik. Stolz und treffend schreibt er \u00fcber diese Partie: &#8220;Was\r\nden Charakter dieser Partie betrifft, so k\u00f6nnte man denken, dass Tal mit\r\nWei\u00df und Botvinnik mit Schwarz gespielt hat.&#8221;} 1-0<\/div>\n\t\t\t\t<div class=\"rpbchessboard-javascriptWarning\">\n\t\t\tSie m\u00fcssen JavaScript aktivieren, um die Notation zu verbessern.\t\t<\/div>\n\t<\/noscript>\n\t<div class=\"rpbchessboard-chessgameAnchor\"><\/div>\n\t<script type=\"text\/javascript\">\n\t\tjQuery(document).ready(function($) {\n\t\t\t\t\t\t$.chessgame.navigationButtonClass  = 'rpbchessboard-jQuery-enableSmoothness';\n\t\t\t$.chessgame.navigationFrameClass   = 'wp-dialog';\n\t\t\t$.chessgame.navigationFrameOptions = {\"squareSize\":40,\"showCoordinates\":true,\"colorset\":\"original\",\"pieceset\":\"cburnett\",\"animationSpeed\":200,\"showMoveArrow\":false};\n\t\t\tvar selector = '#' + \"rpbchessboard-69e2458df09bd-1\" + ' .rpbchessboard-chessgameAnchor';\n\t\t\t$(selector).removeClass('rpbchessboard-chessgameAnchor').chessgame({\"pgn\":\"[Event \\\"World-ch23 Botvinnik-Tal +10-5=6\\\"]\\r\\n[Site \\\"Moscow (Russia)\\\"]\\r\\n[Date \\\"1961.03.29\\\"]\\r\\n[Round \\\"7\\\"]\\r\\n[White \\\"Botvinnik, Mikhail\\\"]\\r\\n[Black \\\"Tal, Mihail\\\"]\\r\\n[Result \\\"1-0\\\"]\\r\\n[ECO \\\"E24\\\"]\\r\\n[Annotator \\\"Johannes Fischer\\\"]\\r\\n[PlyCount \\\"65\\\"]\\r\\n[EventDate \\\"1961.03.15\\\"]\\r\\n[EventType \\\"match\\\"]\\r\\n[EventRounds \\\"21\\\"]\\r\\n[EventCountry \\\"URS\\\"]\\r\\n[Source \\\"ChessBase\\\"]\\r\\n[SourceVersion \\\"2\\\"]\\r\\n[SourceVersionDate \\\"1999.07.01\\\"]\\r\\n[SourceQuality \\\"1\\\"]\\r\\n\\r\\n1. c4 Nf6 2. 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So entwickelte er Strategien gegen sein Nachlassen in der f\u00fcnften Stunde, das ihn im Wettkampf 1960 immer wieder zum Verh\u00e4ngnis geworden war. Botvinnik k\u00fcmmerte sich um seine Fitness und spielte Trainingspartien gegen Semjon Furman, in denen er an seiner Schw\u00e4che in der f\u00fcnften Stunde der Partie arbeitete. Au\u00dferdem hatte er ein Wundermittel entdeckt: Kaffee!<\/p>\n<blockquote><p>Als ich sehr jung war, konnte ich nicht verstehen, warum meine Gegner Kaffee tranken. Ich brauchte keinen Kaffee, um w\u00e4hrend einer Partie durchzuhalten. Damals habe ich Zitronenwasser getrunken, und das hat mir irgendwie geholfen. Aber trotzdem sind meine Ergebnisse schlechter geworden. Ich muss den Schachspielern der DDR dankbar sein, die mir [bei der Schacholympiade] in Leipzig [1960] beigebracht haben, w\u00e4hrend einer Partie Kaffee zu trinken. &#8230; Da habe ich bemerkt, dass ich die ganzen f\u00fcnf Stunden durchhalten kann, wenn ich w\u00e4hrend einer Partie Kaffee trinke. (Mikhail Botvinnik, <em>Botvinnik-Tal 1961<\/em>, S. 119)<\/p><\/blockquote>\n<p>Tal hingegen scheint die Dinge zu leicht genommen zu haben. Zun\u00e4chst glaubte er nach seinem Sieg im Wettkampf 1960 nicht, dass Botvinnik von seinem Recht auf einen R\u00fcckkampf Gebrauch machen w\u00fcrde. Au\u00dferdem scheint er generell zu selbstsicher gewesen zu sein. Dazu schreibt Tibor Karolyi:<\/p>\n<blockquote><p>Tals allzu gro\u00dfes Selbstvertrauen war ein entscheidender Faktor vor dem Wettkampf 1961, und es lohnt, sich die Faktoren anzuschauen, die dazu beigetragen haben. Zun\u00e4chst einmal hatte er mehr erreicht, als irgendein Spieler in seinem Alter vor und er wurde von Fans verg\u00f6ttert, nicht nur in seiner Heimat Lettland, sondern auf der ganzen Welt. (Tibor Karolyi, <em>Mikhail Tal\u2019s Best Games 2, 1960-1971, The World Champion<\/em>, Quality Chess 2015, S. 67)<\/p><\/blockquote>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-1949\" src=\"https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/Michail-Tal.jpg\" alt=\"\" width=\"360\" height=\"532\" srcset=\"https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/Michail-Tal.jpg 360w, https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/Michail-Tal-203x300.jpg 203w\" sizes=\"(max-width: 360px) 100vw, 360px\" \/><br \/>\nMihail Tal<\/p>\n<p>Aber den Hauptgrund f\u00fcr Tals Niederlage im Revanchematch sieht Karolyi in Tals mangelnder Vorbereitung:<\/p>\n<blockquote><p>Tal &#8230; bereitete sich \u00fcberhaupt nicht vor. Au\u00dferdem fehlte ihm die Praxis gegen erstklassige Gegner; obwohl er in der zweiten H\u00e4lfte des Jahres 1960 hervorragende Ergebnisse erzielte, hatte er doch keine Gegner vom Niveau eines Keres, Petrosian, Spassky, Smyslov oder Korchnoi. &#8230; Au\u00dferdem hat Tal ein Buch \u00fcber den Wettkampf 1960 geschrieben, etliche Simultanveranstaltungen absolviert und angefangen, stark zu rauchen, alles Dinge, die seiner Vorbereitung nicht n\u00fctzlich waren. (Karolyi, S. 68)<\/p><\/blockquote>\n<p>Ein Indiz, dass Tals Vorbereitung tats\u00e4chlich schlecht war, ist sein katastrophales Ergebnis mit den schwarzen Steinen. Mit Wei\u00df holte Tal 5,5 aus 10, mit Schwarz hingegen gerade einmal 2,5 aus 11. Und anders als ein Jahr zuvor, als Botvinnik immer wieder Probleme bekam, was ihn zu Fehlern provozierte, gelang es Tal im Wettkampf 1961 nur selten Botvinnik unter Druck zu setzen. Tal wirkte nur noch wie ein Schatten seiner selbst.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich ist es m\u00fc\u00dfig, dar\u00fcber zu spekulieren, wie der Wettkampf ausgegangen w\u00e4re, wenn Tal ausreichend vorbereitet und gesund gewesen w\u00e4re, aber vermutlich h\u00e4tte Botvinnik dann Probleme gehabt, den Weltmeistertitel zur\u00fcck zu erobern.<\/p>\n<p>Wie auch immer \u2013 nach ihrem Wettkampf 1961 trafen Tal und Botvinnik noch zwei Mal aufeinander, bei den Sowjetischen Mannschaftsmeisterschaften 1964 und 1965. Die erste dieser beiden Partien endete Remis, in der zweiten konnte Tal gewinnen.<\/p>\n\n\n<p class=\"rpbchessboard-spacerBefore\"><\/p>\n\n<div id=\"rpbchessboard-69e2458df09bd-2\" class=\"rpbchessboard-chessgame\">\n\t<noscript>\n\t\t\t\t<div class=\"rpbchessboard-noJavascriptBlock\">[Event &quot;URS Club Team-ch&quot;]\r\n[Site &quot;Moscow (Russia)&quot;]\r\n[Date &quot;1966.10.03&quot;]\r\n[Round &quot;9.1&quot;]\r\n[White &quot;Tal, Mihail&quot;]\r\n[Black &quot;Botvinnik, Mikhail&quot;]\r\n[Result &quot;1-0&quot;]\r\n[ECO &quot;B14&quot;]\r\n[Annotator &quot;Johannes Fischer&quot;]\r\n[PlyCount &quot;89&quot;]\r\n[EventDate &quot;1966.09.24&quot;]\r\n[EventType &quot;team-tourn&quot;]\r\n[EventRounds &quot;11&quot;]\r\n[EventCountry &quot;URS&quot;]\r\n[SourceTitle &quot;MCD&quot;]\r\n[Source &quot;ChessBase&quot;]\r\n[SourceDate &quot;1999.07.01&quot;]\r\n[SourceVersion &quot;1&quot;]\r\n[SourceVersionDate &quot;1999.07.01&quot;]\r\n[SourceQuality &quot;1&quot;]\r\n[WhiteTeam &quot;Daugava&quot;]\r\n[BlackTeam &quot;Trud&quot;]\r\n[WhiteTeamCountry &quot;URS&quot;]\r\n[BlackTeamCountry &quot;URS&quot;]\r\n\r\n1. e4 c6 2. d4 d5 3. exd5 cxd5 4. c4 Nf6 5. Nc3 g6 6. Qb3 Bg7 7. cxd5 O-O 8.\r\nNge2 Na6 9. g3 Qb6 10. Qxb6 axb6 11. Bg2 Nb4 12. O-O Rd8 13. d6 {Dieses Mal\r\nist Tal vorbereitet &#8211; 13.d6 war damals eine Neuerung.} exd6 14. Bg5 Re8 15. a3\r\nNc6 16. Rfe1 Bg4 $6 ({Sicherer war} 16... Bd7 {mit leichtem Vorteil f\u00fcr Wei\u00df.\r\n}) 17. Bxf6 Bxf6 18. Nd5 Bd8 19. Nec3 Rxe1+ 20. Rxe1 Ra5 $2 {Das sollte\r\nverlieren.} ({Besser war} 20... Nxd4 21. Re8+ Kg7 22. Nxb6 Rb8 23. Nc4 Bd7 24.\r\nRe1 {und Wei\u00df hat bestenfalls leichten Vorteil.}) 21. Ne3 $6 ({Noch st\u00e4rker\r\nwar} 21. Re8+ Kg7 22. Ne3 {und Wei\u00df steht auf Gewinn: der L\u00e4ufer auf g4\r\nh\u00e4ngt, und Wei\u00df droht 23.Lxc6 mit Gewinn des L\u00e4ufers auf d8.}) 21... Bd7 22.\r\nNc4 Ra8 23. d5 Nd4 24. Nxd6 {Jetzt hat Wei\u00df einen Bauern mehr und steht fast\r\nschon auf Gewinn. Tal hat Botvinnik v\u00f6llig \u00fcberspielt.} Rb8 25. Nce4 f6 26.\r\nNc4 Kf8 27. h3 Nb3 28. Bf1 b5 29. Ncd6 f5 30. Re3 fxe4 31. Rxb3 Ke7 32. Nxe4 {\r\nWei\u00df hat zwei Bauern mehr und steht auf Gewinn. Botvinnik zieht die Partie\r\nnoch in die L\u00e4nge, aber gro\u00dfen Widerstand kann er nicht mehr leisten.} Rc8\r\n33. g4 Rc1 34. Kg2 Re1 35. f3 Rd1 36. d6+ Kf7 37. Bxb5 Be6 38. Rc3 Rd4 39. Rd3\r\nRxd3 40. Bxd3 Bd5 41. Nc5 b6 42. Be4 Be6 43. Nd3 Bb3 44. f4 Ke6 45. f5+ {\r\nIn dieser Partie hat Tal die Energie und Frische gezeigt, die er im Wettkampf\r\n1961 vermissen lie\u00df.} 1-0<\/div>\n\t\t\t\t<div class=\"rpbchessboard-javascriptWarning\">\n\t\t\tSie m\u00fcssen JavaScript aktivieren, um die Notation zu verbessern.\t\t<\/div>\n\t<\/noscript>\n\t<div class=\"rpbchessboard-chessgameAnchor\"><\/div>\n\t<script type=\"text\/javascript\">\n\t\tjQuery(document).ready(function($) {\n\t\t\t\t\t\t$.chessgame.navigationButtonClass  = 'rpbchessboard-jQuery-enableSmoothness';\n\t\t\t$.chessgame.navigationFrameClass   = 'wp-dialog';\n\t\t\t$.chessgame.navigationFrameOptions = {\"squareSize\":40,\"showCoordinates\":true,\"colorset\":\"original\",\"pieceset\":\"cburnett\",\"animationSpeed\":200,\"showMoveArrow\":false};\n\t\t\tvar selector = '#' + \"rpbchessboard-69e2458df09bd-2\" + ' .rpbchessboard-chessgameAnchor';\n\t\t\t$(selector).removeClass('rpbchessboard-chessgameAnchor').chessgame({\"pgn\":\"[Event \\\"URS Club Team-ch\\\"]\\r\\n[Site \\\"Moscow (Russia)\\\"]\\r\\n[Date \\\"1966.10.03\\\"]\\r\\n[Round \\\"9.1\\\"]\\r\\n[White \\\"Tal, Mihail\\\"]\\r\\n[Black \\\"Botvinnik, Mikhail\\\"]\\r\\n[Result \\\"1-0\\\"]\\r\\n[ECO \\\"B14\\\"]\\r\\n[Annotator \\\"Johannes Fischer\\\"]\\r\\n[PlyCount \\\"89\\\"]\\r\\n[EventDate \\\"1966.09.24\\\"]\\r\\n[EventType \\\"team-tourn\\\"]\\r\\n[EventRounds \\\"11\\\"]\\r\\n[EventCountry \\\"URS\\\"]\\r\\n[SourceTitle \\\"MCD\\\"]\\r\\n[Source \\\"ChessBase\\\"]\\r\\n[SourceDate \\\"1999.07.01\\\"]\\r\\n[SourceVersion \\\"1\\\"]\\r\\n[SourceVersionDate \\\"1999.07.01\\\"]\\r\\n[SourceQuality \\\"1\\\"]\\r\\n[WhiteTeam \\\"Daugava\\\"]\\r\\n[BlackTeam \\\"Trud\\\"]\\r\\n[WhiteTeamCountry \\\"URS\\\"]\\r\\n[BlackTeamCountry \\\"URS\\\"]\\r\\n\\r\\n1. e4 c6 2. d4 d5 3. exd5 cxd5 4. c4 Nf6 5. 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Der WM-Kampf 1960 zwischen Tal und Botvinnik wurde viel beachtet, der Revanchekampf zwischen Tal und Botvinnik 1961 sehr viel weniger.&hellip; <\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[8],"tags":[285,35,73],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2471"}],"collection":[{"href":"https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=2471"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2471\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2483,"href":"https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/2471\/revisions\/2483"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=2471"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=2471"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=2471"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}