{"id":1938,"date":"2017-03-01T13:04:27","date_gmt":"2017-03-01T12:04:27","guid":{"rendered":"http:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/?p=1938"},"modified":"2017-03-12T21:41:35","modified_gmt":"2017-03-12T20:41:35","slug":"zufaellige-zitate-david-byrne-bicycle-diaries","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/2017\/03\/01\/zufaellige-zitate-david-byrne-bicycle-diaries\/","title":{"rendered":"Zuf\u00e4llige Zitate: David Byrnes \u201eBicycle Diaries\u201c"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-1939\" src=\"http:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/cover_teaser.jpg\" alt=\"\" width=\"250\" height=\"224\" \/>\u201eSeit Anfang der 1980er Jahre ist das Fahrrad mein wichtigstes Transportmittel in New York gewesen. &#8230; Ich f\u00fchlte mich beschwingt und frei. &#8230; Mein Leben war damals mehr oder weniger auf Downtown Manhattan beschr\u00e4nkt &#8230; und ich merkte bald, dass man mit dem Fahrrad tags\u00fcber gut Besorgungen erledigen oder abends schnell zu Clubs, Vernissagen oder Nachtbars kommen kann &#8230; . F\u00fcr viele passen Nachtclubs und Fahrradfahren nicht gerade zusammen, aber ich stellte fest, dass es erstaunlich schnell ging und effizient war, mich so von einem Ort zum n\u00e4chsten zu bewegen. Ich blieb also dabei, trotz des uncoolen Flairs und der Gefahr, denn damals gab es noch nicht viele Radfahrer in der Stadt. Die Autofahrer glaubten, sie h\u00e4tten die Stra\u00dfen f\u00fcr sich allein, und versperrten Radfahrern den Weg oder dr\u00e4ngten sie noch weitaus h\u00e4ufiger als heute in geparkte Autos. Mit zunehmendem Alter hatte ich dann auch das Gef\u00fchl, dass Radfahren eine gute M\u00f6glichkeit ist, mich k\u00f6rperlich fit zu halten, anfangs jedoch spielte das keine Rolle. Es war einfach nur sch\u00f6n, auf den schmutzigen, mit Schlagl\u00f6chern gespickten Stra\u00dfen zu fahren.<!--more--><\/p>\n<p>Ende der 80er Jahre entdeckte ich Klappfahrr\u00e4der, und da mich meine Arbeit und Neugier in die verschiedensten Teile der Welt f\u00fchrte, nahm ich gew\u00f6hnlich eins mit. Ich erlebte das gleiche Gef\u00fchl der Freiheit wie in New York, wenn ich durch die Hauptst\u00e4dte der Welt radelte. Auf den Stra\u00dfen f\u00fchlte ich mich dem Leben n\u00e4her als in einem Taxi oder irgendeinem \u00f6ffentlichen Verkehrsmittel. &#8230; In jeder Stadt empfand ich das gleiche Hochgef\u00fchl, wenn die Luft und das Stra\u00dfenleben an mir vorbeizischten. &#8230;<\/p>\n<p>Diese Art zu sehen \u2013 schneller als beim Spazierengehen, langsamer als ein Zug, meistens etwas h\u00f6her als Fu\u00dfg\u00e4nger \u2013 wurde im Laufe der letzten drei\u00dfig Jahre zu meinem Panoramafenster mit Blick auf einen gro\u00dfen Teil der Welt; &#8230; Durch dieses Fenster erhasche ich Blicke auf die Denkweise meiner Mitmenschen und wie sie sich in den St\u00e4dten ausdr\u00fcckt. St\u00e4dte, \u00fcberlege ich, sind die Verk\u00f6rperung unserer tiefsten \u00dcberzeugungen und oft unbewussten Gedanken, die wir nicht so sehr als Einzelpersonen haben, sondern als die Wesen einer Gesellschaft. Ein kognitiver Wissenschaftler muss sich nur ansehen, was wir gemacht haben \u2013 die Bienenst\u00f6cke, die wir geschaffen haben \u2013 um daraus zu schlie\u00dfen, was wir denken, was wir f\u00fcr wichtig halten und wie wir unsere Gedanken und \u00dcberzeugungen strukturieren. &#8230; Unsere Werte und Hoffnungen sind manchmal peinlich und erschreckend leicht zu durchschauen. Sie liegen unmittelbar vor uns \u2013 in Fassaden, Museen, Tempeln, Gesch\u00e4ften, B\u00fcrogeb\u00e4uden und darin, wie diese Gebilde miteinander in Beziehung stehen oder manchmal auch nicht. &#8230; Sich mit dem Fahrrad durch eine Stadt zu bewegen ist wie das Navigieren durch die kollektiven Nervenbahnen eines riesigen globalen Gehirns.\u201c<\/p>\n<p>Das schreibt David Byrne, Musiker, Fotograf, Konzeptk\u00fcnstler und Gr\u00fcnder der Band Talking Heads in der Einleitung zu <em>Bicycle Diaries: Ein Fahrrad, neun Metropolen<\/em>. Danach verr\u00e4t Byrne was er bei seinem \u201eNavigieren durch die kollektiven Nervenbahnen\u201c von St\u00e4dten wie Berlin, San Francisco, Sydney, Buenos Aires, Istanbul, Manila, Pittsburgh, Baltimore, Detroit, New Orleans, Los Angeles oder New York gesehen, erlebt und gedacht hat. Er spricht \u00fcber die Geschichte der St\u00e4dte, die er bereist hat, B\u00fccher, die er gelesen hat, K\u00fcnstlern, denen er begegnet ist, und nat\u00fcrlich viel \u00fcber Musik und Musiker, das Fahrradfahren und menschenfreundliche Stadtplanung.<\/p>\n<p>Ein anregendes Buch. Man sieht die Stadt mit anderen Augen.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-1940\" src=\"http:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/cover.jpg\" alt=\"\" width=\"400\" height=\"608\" srcset=\"https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/cover.jpg 400w, https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2017\/03\/cover-197x300.jpg 197w\" sizes=\"(max-width: 400px) 100vw, 400px\" \/><\/p>\n<p>David Byrne, <em>Bicycle Diaries: Ein Fahrrad, neun Metropolen<\/em>, <a href=\"http:\/\/www.fischerverlage.de\/buch\/bicycle_diaries\/9783596185689\">Fischer Taschenbuch<\/a>, Frankfurt am Main 2016, 368 Seiten, 10,99\u20ac.<br \/>\nAus dem Englischen von Brigitte Jakobeit<br \/>\nDie Originalausgabe erschien 2009 unter dem Titel <em>Bicycle Diaries<\/em> bei Viking Penguin<\/p>\n<p><strong>Siehe auch:<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/wp-admin\/post.php?post=1896&amp;action=edit\">Radfahren literarisch: Elmar Schenkels <em>Cyclomanie<\/em><\/a><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<div class='sfsi_Sicons' style='width: 100%; display: inline-block; vertical-align: middle; text-align:left'><div style='margin:0px 8px 0px 0px; line-height: 24px'><span><\/span><\/div><div class='sfsi_socialwpr'><div class='sf_subscrbe' style='text-align:left;vertical-align: middle;float:left;width:64px'><a href=\"http:\/\/www.specificfeeds.com\/widgets\/emailSubscribeEncFeed\/Q0FJU2IrL21rdElzb0J1Mnd4UWp5M2JZMHQ5YXBNTW01ZnhPcUtDWnpWVFVEcEgvdGwvUHQ3R2lnWTEyVjh2WmFlaE1KbEw2YnBuZ3hRMFFqNEZoQWgyNFlqRGZydzNJZEFYS3VPMjhCZVNHbFNuNU5qbXI1OGNjeW8zb1dXVlh8aDdxZGtDYTZTaTNPNTZZcENLZXhwbkF0bTlJWFpwWitxQTAwdHRkU3VOdz0=\/OA==\/\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/wp-content\/plugins\/ultimate-social-media-icons\/images\/follow_subscribe.png\" alt=\"error\" \/><\/a><\/div><div class='sf_fb' style='text-align:left;vertical-align: middle;width:98px'><div class=\"fb-like\" data-href=\"https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/2017\/03\/01\/zufaellige-zitate-david-byrne-bicycle-diaries\/\" data-width=\"180\" data-send=\"false\" data-show-faces=\"false\"  data-action=\"like\" data-share=\"true\"data-layout=\"button\" ><\/div><\/div><div class='sf_twiter' style='text-align:left;float:left;vertical-align: middle;width:auto'><a href=\"http:\/\/twitter.com\/share\" data-count=\"none\" class=\"sr-twitter-button twitter-share-button\" lang=\"en\" data-url=\"https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/2017\/03\/01\/zufaellige-zitate-david-byrne-bicycle-diaries\/\" data-text=\"Zuf\u00e4llige Zitate: David Byrnes \u201eBicycle Diaries\u201c\" ><\/a><\/div><\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eSeit Anfang der 1980er Jahre ist das Fahrrad mein wichtigstes Transportmittel in New York gewesen. &#8230; Ich f\u00fchlte mich beschwingt und frei. &#8230; Mein Leben war damals mehr oder weniger&hellip; <\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[6],"tags":[242,243,238,244],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1938"}],"collection":[{"href":"https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1938"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1938\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1944,"href":"https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1938\/revisions\/1944"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1938"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1938"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1938"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}