{"id":1847,"date":"2016-03-26T15:15:54","date_gmt":"2016-03-26T14:15:54","guid":{"rendered":"http:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/?p=1847"},"modified":"2016-03-26T17:26:03","modified_gmt":"2016-03-26T16:26:03","slug":"witzig-shane-maloneys-kuenstlerpech","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/2016\/03\/26\/witzig-shane-maloneys-kuenstlerpech\/","title":{"rendered":"Witzig: Shane Maloneys &#8220;K\u00fcnstlerpech&#8221;"},"content":{"rendered":"<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-full wp-image-1848\" src=\"http:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/kuenstlerpech_cover_teaser.jpg\" alt=\"kuenstlerpech_cover_teaser\" width=\"139\" height=\"225\" \/>\u201eEs kommt mir kein russischer Roman in den Sinn, in dem sich einer der Helden in eine Kunstausstellung verirrt.\u201c Mit diesem Zitat des englischen Schriftstellers William Somerset Maugham, beginnt der australische Autor Shane Maloney seinen Roman <em>K\u00fcnstlerpech<\/em>, eine vergn\u00fcgliche Reise durch die Welt von Politik, Kunst und Korruption im australischen Melbourne. <em>K\u00fcnstlerpech<\/em> beginnt mit einer Beinah-Liebesszene, in der sich Murray Whelan, politischer Berater des neuen Kulturministers von Melbourne, und Kunstexpertin Salina Fleet, einander n\u00e4hern, aber am Ende aus Ungeschicklichkeit und Unentschlossenheit doch nicht zueinander finden. <!--more Weiterlesen...--><\/p>\n<p>Diese kurze Romanze, die nie eine war, endet schlie\u00dflich und endg\u00fcltig, als das verhinderte Liebespaar \u00fcber die Leiche von Marcus Taylor stolpert \u2013 erfolgloser K\u00fcnstler und Ehemann von Salina. F\u00fcr die Polizei ein Selbstmord, doch wie Ich-Erz\u00e4hler Whelan im Laufe des Buches herausfindet, hat der K\u00fcnstler sich nicht selbst umgebracht, sondern vor allem zu viele und die falschen Bilder gef\u00e4lscht.<\/p>\n<p>Whelan allerdings ist ein Antiheld, ehrbar, aber weder besonders kompetent noch besonders klug oder raffiniert. Er stolpert durch die Ermittlungen, verkennt Zusammenh\u00e4nge, verd\u00e4chtigt eigentlich immer die Falschen, doch mit seiner hartn\u00e4ckigen Ungeschicklichkeit setzt er Dinge in Gang, die schlie\u00dflich zur Aufkl\u00e4rung des Verbrechens f\u00fchren.<\/p>\n<p>Das ist mit viel Tempo, Selbstironie, Situationskomik, spannend und vergn\u00fcglich erz\u00e4hlt und gibt Maloney mehr als eine Gelegenheit, sich mit Genuss \u00fcber Sitten und Gebr\u00e4uche in Politikbetrieb und Kunstszene lustig zu machen. Zum Beispiel, als Salina Fleet ihren zu fr\u00fch verstorbenen Gatten gegen den Vorwurf verteidigt, seine Bilder seien Plagiate gewesen, und ihr Maloney dabei folgende Worte in den Mund legt:<\/p>\n<p>\u201eMarcus\u2019 Bilderproduktion war eine vollkommen legitime Form von postmodernem Diskurs, mit dem er sich sehr weit vorwagte. Seine Pastiche-Parodien wirklicher Kunstwerke dekonstruierten gekonnt die gemeinhin geltenden Vorstellungen von Wert, Echtheit und Originalit\u00e4t. Sie waren eine kritische Antwort auf die \u00fcberragende Bedeutung des sogenannten ber\u00fchmten K\u00fcnstlers.\u201c (<em>K\u00fcnstlerpech<\/em>, S.249)<\/p>\n<p>Whelan ist der Protagonist von sechs Romanen Shane Maloneys, zwei von ihnen wurden ins Deutsche \u00fcbersetzt: <em>Weck mich, bevor du gehst<\/em> (Originaltitel <em>Stiff<\/em>) und eben <em>K\u00fcnstlerpech<\/em> (Originaltitel <em>Brush-Off<\/em>). Diese \u00dcbersetzung kann keine leichte Aufgabe gewesen sein, denn die Originale strotzen vor schwer \u00fcbersetzbaren australischen Idiomen und Wortwitz. Wirklich dankbar f\u00fcr das Ergebnis dieser schweren Aufgabe war Maloney wohl nicht \u2013 das zumindest legen seine mit ironischen Bemerkungen gespickten Betrachtungen <a href=\"http:\/\/www.shanemaloney.com\/on-being-translated\/\">\u00fcber \u00dcbersetzungen<\/a> dar, die er auf seiner Webseite anstellt.<\/p>\n<p>Nun ist es leicht, \u00dcbersetzungen zu kritisieren und tats\u00e4chlich geht bei \u00dcbersetzungen fast immer etwas verloren. Je vielschichtiger und anspruchsvoller der Originaltext, desto gr\u00f6\u00dfer die Verluste. Dessen ungeachtet bleiben die Erlebnisse und Abenteuer des Antihelden Whelan auch im Deutschen unterhaltsam und sehr, sehr witzig.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-1850\" src=\"http:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/kuenstlerpech_cover_text.jpg\" alt=\"kuenstlerpech_cover_text\" width=\"185\" height=\"300\" \/><\/p>\n<p>Shane Maloney, <em>K\u00fcnstlerpech<\/em><br \/>\nDiogenes Verlag 2002<\/p>\n<p><strong>\u00dcber den Autor (Klappentext):<\/strong><\/p>\n<p>Shane Maloney, geboren 1953 in Hamilton im australischen Bundesstaat Victoria, leitete viele Jahre das Melbourne Comedy Festival. Er lebt mit seiner Frau und seinen zwei Kindern in Melbourne. F\u00fcr K\u00fcnstlerpech erhielt Maloney den begehrtesten australischen Krimipreis, den Ned-Kelly-Prize for Crime Fiction.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.shanemaloney.com\/\">Offizielle Webseite Shane Maloneys<\/a><\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-full wp-image-1849\" src=\"http:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/Shane_Maloney.jpg\" alt=\"Shane_Maloney\" width=\"480\" height=\"480\" srcset=\"https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/Shane_Maloney.jpg 480w, https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/Shane_Maloney-150x150.jpg 150w, https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/wp-content\/uploads\/2016\/03\/Shane_Maloney-300x300.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 480px) 100vw, 480px\" \/><br \/>\n<em>Shane Maloney (Foto: <a href=\"https:\/\/commons.wikimedia.org\/wiki\/File%3AShane_Maloney.jpg\">Wikipedia<\/a>)<\/em><\/p>\n<p><strong>Shane Maloneys Murray Whelan Reihe<\/strong><\/p>\n<p><em>Stiff<\/em> (<em>Weck mich, bevor du gehst<\/em>), 1994<br \/>\n<em>The Brush Off<\/em> (<em>K\u00fcnstlerpech<\/em>), 1996<br \/>\n<em>Nice Try<\/em>, 1998<br \/>\n<em>The Big Ask<\/em>, 2000<br \/>\n<em>Something Fishy<\/em>, 2002<br \/>\n<em>The Happy Phrase<\/em>, 2004<\/p>\n<div class='sfsi_Sicons' style='width: 100%; display: inline-block; vertical-align: middle; text-align:left'><div style='margin:0px 8px 0px 0px; line-height: 24px'><span><\/span><\/div><div class='sfsi_socialwpr'><div class='sf_subscrbe' style='text-align:left;vertical-align: middle;float:left;width:64px'><a href=\"http:\/\/www.specificfeeds.com\/widgets\/emailSubscribeEncFeed\/Q0FJU2IrL21rdElzb0J1Mnd4UWp5M2JZMHQ5YXBNTW01ZnhPcUtDWnpWVFVEcEgvdGwvUHQ3R2lnWTEyVjh2WmFlaE1KbEw2YnBuZ3hRMFFqNEZoQWgyNFlqRGZydzNJZEFYS3VPMjhCZVNHbFNuNU5qbXI1OGNjeW8zb1dXVlh8aDdxZGtDYTZTaTNPNTZZcENLZXhwbkF0bTlJWFpwWitxQTAwdHRkU3VOdz0=\/OA==\/\" target=\"_blank\"><img decoding=\"async\" src=\"https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/wp-content\/plugins\/ultimate-social-media-icons\/images\/follow_subscribe.png\" alt=\"error\" \/><\/a><\/div><div class='sf_fb' style='text-align:left;vertical-align: middle;width:98px'><div class=\"fb-like\" data-href=\"https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/2016\/03\/26\/witzig-shane-maloneys-kuenstlerpech\/\" data-width=\"180\" data-send=\"false\" data-show-faces=\"false\"  data-action=\"like\" data-share=\"true\"data-layout=\"button\" ><\/div><\/div><div class='sf_twiter' style='text-align:left;float:left;vertical-align: middle;width:auto'><a href=\"http:\/\/twitter.com\/share\" data-count=\"none\" class=\"sr-twitter-button twitter-share-button\" lang=\"en\" data-url=\"https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/2016\/03\/26\/witzig-shane-maloneys-kuenstlerpech\/\" data-text=\"Witzig: Shane Maloneys &#8220;K\u00fcnstlerpech&#8221;\" ><\/a><\/div><\/div><\/div>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eEs kommt mir kein russischer Roman in den Sinn, in dem sich einer der Helden in eine Kunstausstellung verirrt.\u201c Mit diesem Zitat des englischen Schriftstellers William Somerset Maugham, beginnt der&hellip; <\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[6],"tags":[231,233,232],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1847"}],"collection":[{"href":"https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=1847"}],"version-history":[{"count":4,"href":"https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1847\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":1854,"href":"https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/1847\/revisions\/1854"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=1847"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=1847"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/johannes-fischer.net\/blog\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=1847"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}