Partie des Monats: Oktober 2015

pokalSpieler des Monats war wohl Vladimir Kramnik. Nachdem der Ex-Weltmeister Anfang Oktober in Berlin bei der Schnellschach-Weltmeisterschaft den siebten und bei der Blitz-Weltmeisterschaft den dritten Platz belegt hatte, fuhr er zum Europapokal der Vereinsmannschaften nach Baku. Dort spielte er für die Mannschaft Siberia am ersten Brett bestechend logisches strategisches Schach, holte 4,5 Punkte aus 5 Partien und trug so maßgeblich zum Turniersieg von Siberia bei. Besonders gefreut haben dürfte Kramnik sich über seinen scheinbar mühelosen Sieg gegen Veselin Topalov, mit dem ihn seit dem Weltmeisterschaftskampf 2006 in Elista eine tiefe Abneigung verbindet. Doch so überzeugend und schön Kramniks Partien im Oktober auch waren, die interessanteste Partie des Monats spielte nicht Kramnik, sondern Wesley So. Zur Partie…

KARL in New York

karl_new_york_coverDie aktuelle KARL-Ausgabe widmet sich der Schachstadt New York. Mit Berichten über den Marshall Chess Club und den Manhattan Chess Club, einem Porträt des Großmeisters, Schachautors und Journalisten Andrew Soltis, einer Reminiszenz an Chandlers Privatdetektiv Philip Marlowe, der doch in Los Angeles Verbrechen klärte, und Großmeister Nicolas Rossolimo, der in New York als Taxifahrer lebte. Dazu noch Rückblicke auf die New Yorker Turniere 1924 und 1927 und natürlich noch viel mehr. Als Leseprobe und zur Einstimmung „Ein Wort zum Schluss“, die Kolumne am Ende jeder Ausgabe. Weiterlesen…

Partie des Monats: September 2015

karjakinIm September stand die Schachwelt ganz im Zeichen des World Cups, der vom 10.9. bis 5.10. in Baku, der Hauptstadt Aserbaidschans, stattfand. 128 Teilnehmer, darunter fast die gesamte Weltelite, kämpften im K.O.-System um den Turniersieg, einen Platz im Kandidatenturnier 2016 und eine Menge Preisgeld. Dem Sieger winkten 120.000 US-Dollar – abzüglich Steuern. Gewonnen hat sie der 25-jährige Sergey Karjakin, der im August 2002 im Alter von zwölf Jahren und sieben Monaten jüngster Großmeister aller Zeiten wurde – ein Rekord, den er immer noch hält. Zur Partie…

Partie des Monats: August 2015

aronian_teaserDas Internet ist wunderbar, aber sorgt bei Informationen für ein Luxusproblem. Der entsprechende Ausdruck für dieses Phänomen lautet „Information Overload“. Wer es dramatisch und englisch liebt, kann auch „infobesity“ oder „infoxication“ sagen. „Obesity“ bedeutet „Fettleibigkeit“ oder „Fettsucht“, „Intoxication“ steht für „Vergiftung“. Zu viele Informationen können irritieren, verwirren und zu Entscheidungsschwäche führen. Vor lauter Bäumen ist einfach kein Wald erkennbar. Von dieser gesellschaftlichen Entwicklung bleibt auch das Schach nicht verschont. Partien und mehr…

Magische Melancholie: Friedrich Anis „Der namenlose Tag“

cover_der_namenlose_tag_teaserAlltagsdramen, Melancholie und Magie – diese Motive prägen Friedrich Anis neuen Roman Der namenlose Tag. Hauptperson ist Jakob Franck, ehemaliger Kommissar der Münchner Polizei, seit zwei Monaten im Ruhestand. Niemand konnte Hinterbliebenen die Nachricht vom gewaltsamen Tod eines Angehörigen einfühlsamer überbringen als Franck und auch nach seiner Pensionierung lassen ihn die Toten nicht in Ruhe. Sie besuchen ihn in seiner Münchener Wohnung, setzen sich an seinen Küchentisch und sprechen mit ihm.

Eine dieser Toten ist Dora Winther. Zwanzig Jahre zuvor musste Franck ihr sagen, man hätte ihre 17-jährige Tochter Esther aufgehängt im Park gefunden. Die Polizei befindet nach kurzer Ermittlung auf Selbstmord und schließt die Akten, ein Jahr später tötet sich auch die Mutter.

Jetzt kommt Ludwig Winther, der Vater von Esther, zu Jakob Franck und bittet den pensionierten Kommissar, den Fall noch einmal zu untersuchen, weil er nicht an den Selbstmord seiner Tochter glaubt. Franck befragt Verwandte, Freunde und Bekannte von Esther und entdeckt Lebenslügen, Verleugnungen und Alltagsdramen, die mit dem Tod des jungen Mädchens verbunden sind. Diese für Friedrich Ani so typische Mischung aus düsterer Alltäglichkeit, Melancholie und der ungewöhnlichen Person des Ermittlers Jakob Francks, die Ani in einer wunderbaren Sprache präsentiert, entfaltet einen eigenartigen Sog und macht dieses Buch spannend, faszinierend und lesenswert – bis zum überraschenden Ende. Bibliographische Angaben…

Schachbegeisterung: „The Most Instructive Games of Chess“

most_instructive_teaserBegeisterung weckt oft Verdacht. Wer zu enthusiastisch ist, gilt leicht als oberflächlich, naiv, als unwillig oder unfähig zu kritischer Reflektion. Wer kritisiert, so glauben viele, beweist hingegen Kompetenz und einen wachen Geist, der sich nichts vormachen lässt. Schließlich weiß der Kritiker nicht nur etwas, er weiß es sogar besser. Ein besonders enthusiastischer Schachautor war der US-Amerikaner Irving Chernev. Er veröffentlichte im Laufe seines Lebens 20 Schachbücher, viele gelten mittlerweile als Klassiker. Lesenswert und unterhaltsam sind sie auch heute noch. Weiterlesen…

Kurz und knapp: William Boyds „Einfache Gewitter“

Adam Kindred lebt in den USA, ist Klimatologe und in London, weil er sich nach seiner Scheidung an einer englischen Universität beworben hat. In einer Pizzeria unterhält er sich zufällig mit dem Pharmaforscher Philip Wang. Wang hinterlässt seine Adresse, aber vergisst eine Mappe mit Papieren. Kindred will Wang die Mappe bringen, doch als er zu dessen Wohnung kommt, liegt Wang mit einem Messer in der Brust im Sterben. Kindred flieht. Die Polizei sucht ihn, der wirkliche Mörder ebenfalls, Kindred taucht unter und lebt als Obdachloser in London. Aus dieser Konstellation macht William Boyd einen spannenden Thriller über Identität, Zufälle, die Folgen scheinbar harmloser Entscheidungen, London und die Kraft der Themse. Bibliographische Angaben

Auf das Dach locken…

Strategem 28 (Quelle: Wikipedia)

Strategem 28 (Quelle: Wikipedia)

…um dann die Leiter wegzuziehen. Das ist Strategem Nummer 28 der ehemals geheimen 36 chinesischen Strategeme, die Erfolg, Wohlstand und Glück in allen Lebenslagen versprechen. Experten haben dieses Strategem unterschiedlich interpretiert. Zum Beispiel kann es bedeuten, in einer Krisensituation die Brücken hinter sich abzubrechen, um sich oder andere zu zwingen, alle Kräfte zu mobilisieren. Im Schach wird dieses Strategem angewandt, wenn man seinen Gegner zu einem Angriff verleitet, der ins Leere läuft und mit einem Gegenangriff gekontert wird. Weiterlesen…

Agatha Christie beim Schachturnier: Andy Soltis‘ Schachroman „Los Voraces 2019“

LosVoracesCover

Schon seit einiger Zeit bilden die Turniere in Wijk aan Zee, Linares, Dortmund die Höhepunkte des Schachjahres. Aber bei allem Glanz fehlt ihnen doch etwas zur dauerhaften Größe: ein Turnierbuch. Das ist kein Zufall. Turnierbücher gelten als nicht mehr zeitgemäß, als schwer zu machen und noch schwerer zu verkaufen. Außerdem gibt es das Internet. Mittlerweile kann man sämtliche Partien der großen Turniere live verfolgen und kurze Zeit später per Download in seine Datenbank integrieren, darüber hinaus veröffentlichen zahlreiche Webseiten regelmäßig aktuelle Berichte, umrahmt von Fotos der Teilnehmer und Analysen herausragender Partien. Das Internet verschafft den Spitzenturnieren von heute mehr Aufmerksamkeit als ihre Vorgänger je hatten. Aber die Zeit im Web vergeht schnell: Kaum ist das eine Turnier vorbei, steht schon das nächste an, und was eben noch eine Sensation war, ist jetzt schon wieder fast vergessen. Turnierbücher hingegen bewahren die Erinnerung. Noch heute kennt fast jeder Schachspieler die Turniere in New York 1924 und in Zürich 1953, denn zwei hervorragende Turnierbücher sorgen dafür, dass sie nicht in Vergessenheit geraten.

Andy Soltis‘ Buch über das Turnier der Weltelite in Los Voraces 2019 wird so viel Ruhm wahrscheinlich nicht vergönnt sein. Puristen könnte stören, dass dieses Turnier nie stattgefunden hat. Weiterlesen

Einfach gut: Michael Steans „Simple Chess“

Michael Stean, geboren am 4. September 1953, gehörte Mitte der 70er Jahre zu den stärksten englischen Spielern. Er erzielte eine Reihe von Erfolgen in internationalen Turnieren und kam fünf Mal in die englische Olympiaauswahl. 1978 und 1981 arbeitete er als Sekundant von Viktor Kortschnoi, der in dieser Zeit zwei Mal die Kandidatenwettkämpfe gewann und gegen Anatoly Karpov um die Weltmeisterschaft spielen durfte. 1982 zog sich Stean im Alter von 29 Jahren vom Schach zurück und wurde Steuerberater. Zum Glück schrieb er 1978, vier Jahre vor Ende seiner Schachkarriere, noch einen kleinen Klassiker: Simple Chess, eine wunderbare Einführung in die Grundregeln der Schachstrategie. Weiterlesen…

Mehr als nur eine Schachpartie

Botwinnik gegen Fischer, Schacholympiade Varna 1962
Der berühmteste sowjetische Schachspieler ist vielleicht Wladimir Iljitsch Uljanow, genannt Lenin. Er sorgte zwar weniger als Schachspieler, sondern mehr als Politiker für Furore, aber seine Schachleidenschaft ist gut belegt, u.a. durch ein Foto aus dem Jahre 1908. Es zeigt den Berufsrevolutionär beim Schach mit Alexander Bogdanov, einem Physiker, Philosophen und Science-Fiction Schriftsteller, der damals mit Lenin um die Vorherrschaft in der bolschewistischen Partei kämpfte. Beide waren Gäste von Maxim Gorki, der sie auf die italienische Insel Capri eingeladen hatte. Doch dieses Urlaubsfoto wurde im Laufe der Zeit mehrfach verändert, und so kursieren verschiedene Versionen, von denen zwei hier abgebildet sind. Weiterlesen

Faszination Fischer

Bobby Fischers Zug …Lxh2 in der ersten Partie des WM-Kampfes Spassky gegen Fischer in Reykjavik 1972 ist einer der berühmtesten Fehler der Schachgeschichte. Und er ist gefilmt worden. Fischer verlor die erste Partie und verlangte, dass die Kameras, die den ganzen Wettkampf filmen sollten, entfernt wurden. Das geschah dann auch, weitere grobe Fehler von Fischer gab es dann auch nicht zu filmen. Weiterlesen

Ein symbolischer Rückzug: Kritische Anmerkungen zu Stefan Zweigs „Schachnovelle“

Stefan Zweigs Schachnovelle ist auch ein Abschiedsbrief. Denn kaum hatte er die Erzählung im brasilianischen Exil fertig gestellt, nahm er sich im Februar 1942 mit seiner Frau Lotte das Leben. Den Erfolg des Buches hat Zweig nicht mehr erlebt. Es wurde vielfach übersetzt, millionenfach verkauft und gilt als eine der besten literarischen Darstellungen des Schachspiels. Dennoch hinterlässt die Schachnovelle ein zwiespältiges Gefühl. Weiterlesen

Wie Bobby Fischer den Kalten Krieg gewann: Ein Interview mit John Eidinow

Der Weltmeisterschaftskampf zwischen Bobby Fischer und Boris Spassky in Reykjavik 1972 faszinierte die ganze Welt und beschäftigte das Publikum noch Jahrzehnte danach. 2005, über 30 Jahre nach dem Wettkampf veröffentlichten die britischen Autoren David Edmonds und John Eidinov Bobby Fischer goes to war, eine Dokumentation der Ereignisse in Reykjavik. Nach Ende des Kalten Krieges konnten sie viele bisher unbekannte Dokumente aus amerikanischen und russischen Archiven auswerten. Ich hatte Gelegenheit mit John Eidinov über Fischer, Spassky und den Kalten Krieg zu sprechen. Zum Interview…

Souverän: Hikaru Nakamura im ersten Halbjahr 2015

nakamura_teaserHikaru Nakamura Schach spielen zu sehen, ist ein Erlebnis. Er überrascht mit Eröffnungen wie 1.e4 e5 2.Dh5!? und spielt stets erfrischend kämpferisch, einfallsreich und auf Gewinn. Doch vor allem spürt man seinen Kampfgeist. Beim Blitz beeindruckt seine Schnelligkeit, beim klassischen Schach sein Mienenspiel. Am Montag, den 15. Juni 2015, gibt sich der in Japan geborene Amerikaner wieder die Ehre und tritt beim Norway Chess Turnier, einem der stärksten Turniere des Jahres, in den Ring. Nakamura geht als Vierter der Weltrangliste und damit als Vierter der Setzliste ins Rennen. Zugleich startet Nakamura das erste Mal in seinem Leben mit einer Elo-Zahl von über 2800 Punkten. Die verdankt er einer Reihe von Erfolgen in der ersten Hälfte des Jahres. Er wirkte dabei ruhiger und souveräner als je zuvor. Weiterlesen…

Wei Yi führt bei Chinesischer Meisterschaft

weiyi_teaserZurzeit, vom 18. bis 29. Mai, finden in Xinghua die chinesischen Meisterschaften statt. Männer und Frauen spielen parallel und bei den Herren gingen zwölf Spieler an den Start. Die Nachrichten über die Meisterschaft fließen spärlich. Die offizielle Webseite ist auf Chinesisch und zeigt kaum Fotos, bei den Partien fehlen die ersten beiden Runden. Immerhin kann man die Ergebnisse bei Chess-Results nachlesen und die aktuellen Partien auf dem ChessBase-Server verfolgen. Die Meisterschaft ist stark besetzt: Der Elo-Schnitt liegt bei 2606 und vier Spieler mit über 2700 Elo sind dabei: Ding Liren, Yu Yangyi, Wang Hao und Wei Yi. Weiterlesen…

Zufällige Zitate: Flake „Der Tastenficker“

flake_cover_teaser„John Lee Hookers Gitarre klang so warm und lebendig, dass selbst die Kratztöne auf den Saiten das Lied nicht störten, sondern eher am Laufen hielten und vorantrieben. Wenn ein Lied von ihm anfing, war es, als würde eine Tür zu einer anderen Welt geöffnet. Es fühlte sich für mich nie so an, als würde ich nur in einem Strom mitschwimmen oder in einen Sog gezogen werden. Die Songs waren für mich auch eine Art fliegender Vogel, der durch einzelne gezielte Töne aufgescheucht und weiter in Schwung gehalten wird. Hookers Stimme hielt alles zusammen, und sie klang so eindringlich, dass ich mich persönlich von ihr angesprochen fühlte. Weiterlesen…

Chinas Schachhoffnung Wei Yi: Ein paar Zahlen, zwei Partien

weiyi_teaserVielen gilt der Chinese Wei Yi als Kandidat für den Weltmeistertitel. Das hat Gründe. Am 1. März 2013 wurde der am 2. Juni 1999 geborene Wei Yi im Alter von 13 Jahren, 8 Monaten und 23 Tagen beim Turnier in Reykjavik der damals jüngste Großmeister der Welt und viertjüngster Großmeister aller Zeiten. Nur Sergey Karjakin (12 Jahre, 7 Monate, 0 Tage, damals Ukraine, jetzt Russland), Parimarjan Negi (13 Jahre, 4 Monate, 22 Tage, Indien) und Magnus Carlsen (13 Jahre, 4 Monate, 27 Tage, Norwegen) schafften es schneller zum Titel. Am Tag seines Titelgewinns, am 1. März 2013, hatte Wei Yi eine Elo-Zahl von 2526, zwei Jahre und zwei Monate später, am 1. Mai 2015, kommt der Chinese bereits auf 2718 Punkte. Damit ist er die neue Nummer eins bei den Junioren und die Nummer 33 der Weltrangliste. Das Jahr 2015 lief bislang gut für den chinesischen Junggroßmeister – sehr gut. Noch mehr Zahlen und zwei Partien…

Originell und origineller

teaserbildGäbe es zusätzliche Elo-Punkte für originelles Spiel, wäre Richard Rapport in der Weltrangliste sicher noch weiter vorne. Die ungewöhnlichen Züge des ungarischen Großmeisters, mit einer Elo-Zahl von 2710 im April Nummer eins der Juniorenweltrangliste, haben ihm viel Aufmerksamkeit und zahlreiche Erfolge verschafft. Den Ägypter Ahmed Adly, 2007 U20-Weltmeister, aktuelle Elo-Zahl 2589, scheinen sie angestachelt zu haben, es dem kreativen Ungarn mindestens gleichzutun. Adly durfte in Runde sieben der Mannschaftsweltmeisterschaft 2015, die im April im armenischen Tsaghkadzor stattfand, beim Kampf Ägypten gegen Ungarn gegen Rapport spielen – und von Beginn an überboten sich beide mit originellen und überraschenden Zügen. Das führte zu einer der ungewöhnlichsten Partien der letzten Jahre. Zur Partie…

Zufällige Zitate: „Flaubert und moderne Erzählung“

Gustave_Flaubert„Romanautoren sollten Flaubert danken wie Dichter dem Frühling: mit ihm fängt alles wieder an. Tatsächlich gibt es eine Zeit vor Flaubert und eine Zeit nach ihm. Flaubert bestimmte maßgeblich, was die meisten Leserinnen und Autoren unter moderner realistischer Erzählung verstehen, und sein Einfluss ist fast zu vertraut, um ihn noch zu bemerken. Bei guter Prosa bemerken wir selten, dass sie das vielsagende und brillante Detail mag; dass sie ein hohes Maß visueller Erkenntnis bevorzugt; dass sie eine unsentimentale Fassung bewahrt und weiß, wann sie sich, wie ein guter Diener, überflüssiger Kommentare enthalten muss; dass sie gut und schlecht neutral bewertet; dass sie nach der Wahrheit sucht, auch auf die Gefahr hin uns abzustoßen; und dass der Fingerabdruck des Autors bei all dem paradoxerweise Spuren hinterlässt, aber nicht sichtbar ist. Manches davon kann man bei Defoe, Austen oder Balzac finden, aber vor Flaubert nicht all das.“

Das schreibt der amerikanische Literaturkritiker, Essayist und Autor James Wood auf Seite 32 seines 2009 veröffentlichten Buches How Fiction Works, einer brillanten Analyse grundlegender Fragen und Techniken von Erzählungen und Literatur. Die deutsche Version dieses Buches erschien 2011 unter dem Titel Die Kunst des Erzählens.

Siehe auch, „Zur Erinnerung an Gustave Flaubert“, Mario Vargas Llosas Liebeserklärung an Madame Bovary.